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Panorama „Spiderman“-Schöpfer: Stan Lee im Alter von 95 Jahren gestorben
Nachrichten Panorama „Spiderman“-Schöpfer: Stan Lee im Alter von 95 Jahren gestorben
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15:22 13.11.2018
Comic Stan Lee, Erfinder von Comicfiguren wie „Spiderman“ Quelle: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa
Los Angeles

Zuletzt war er noch in „Venom“ zu sehen. Der immerfröhliche Greis Stan Lee, der in den Marvel-Filmen winzige Auftritte hatte wie einst Alfred Hitchcock in seinen Thrillern. Lee begegnet da dem Titelhelden Tom Hardy und rät dem gerade in einer Beziehungskrise Steckenden, um seine Liebe zu kämpfen. „Gib sie nicht auf“, rät ihm der 95-Jährige, dessen Name quasi Synonym ist für den gewaltigen Comic-Kosmos Marvel. Nicht aufzugeben, das war das Lebensmotto des New Yorkers Stanley Martin Lieber, Sohn rumänischer Einwanderer, der jetzt in Los Angeles verstarb.

Mit zehn Jahren fand Lieber Inspiration bei Shakespeare und Sherlock Holmes. Er wollte ein bedeutsamer Schriftsteller werden und dominierte mit seinen und den Kreationen seiner Mitstreiter das Silberne Zeitalter des Superheldencomics in den 60er- und 70er-Jahren.

Vom Kopierassistenten zum Superheldenvater

Kopierassistent war Liebers erster Job bei Timely Publications, einem Verlag, der 1939 von seinem angeheirateten Verwandten Martin Goodman gegründet worden war und im trüben Schmuddelreich der Comics fischte. Unter den rund 160 Superheldencomics, die zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs um die Gunst der Heftchenleser rangen, war Timelys größter Kämpfer der in die Nationalfarben gewandete Captain America aus den Federn von Zeichner Jack Kirby und Texter Joe Simon.

Die berühmtesten Helden kämpften damals allerdings unter dem Emblem der Konkurrenz National Periodical Publications - der Alleskönner Superman seit 1938, der coole Nachtjäger Batman seit 1939. Laufbursche Lee holte derweil noch den Schreibern und Zeichnern von Timely Mittagessen, pustete Bleistiftreste von den Seiten und versuchte sich mit „Captain America verhindert die Rache des Verräters“ als Texter eines eigenen kleinen Abenteuers des „First Avenger“. Der Name des Autors wurde dafür halbiert zu Stan Lee. 1947 heiratete er das englische Ex-Model Joan Boocock, 1950 wurde die gemeinsame Tochter Joan Celia geboren.

Mit Figuren wie Spiderman, Hulk und Iron Man schuf er Figuren für die Ewigkeit. Die Comic-Legende Stan Lee ist tot.

In Sozialen Medien verabschiedeten sich Fans und Wegbegleiter von Lee. Marvel und Disney veröffentlichten ein gemeinsames Statement. „Schweren Herzens teilen wir unsere tiefe Anteilnahme mit seiner Tochter und seinem Bruder. Wir ehren und erinnern den Schöpfer, die Stimme und den Champion von Marvel“, heißt es darin.

Comics im Visier der Politik

In den Fünfzigerjahren sank der Stern der Comics. Ihr Goldenes Zeitalter endete in Schmutz und Verdacht. Der demokratische Senator Estes Kefauver aus Tennessee hielt Anhörungen ab. Den Autoren wurde vorgeworfen, unmoralisch und jugendverderbend zu sein. Der Kampf des Politikers wurde von dem Buch „Verführung der Unschuldigen“ (1954) des Psychiaters Fredric Wertham unterstützt, der die berüchtigte These aufstellte, das Heldenteam Batman und Robin sei „psychologisch homosexuell“. Zwei maskierte Verführer zum allgemeinen Schwulsein? Eine Selbstzensur der Branche durch den Comics Code glättete die Inhalte fortan. Mit den rauen Kanten verschwand auch der Witz, sanken die Verkaufszahlen ins Bodenlose.

Kommerzieller Erfolg für „Die Fantastischen Vier“

Nicht aufgeben, schreiben, was man für richtig hält. Lee hörte auf diese Ratschläge seiner Frau und wurde bald mit einer Überarbeitung der verlagseigenen Kämpen beauftragt. 1961 schuf er mit Kirby ein Gespann, das das „Silver Age“ des Comics prägte: „Die Fantastischen Vier“, ein Quartett, aus dem der orangerote Ziegelmensch Ben Grimm alias Das Ding hervorstach. Diese neue Liga der seltsam gewandeten Verbrechensbekämpfer führtn kein unerkanntes Doppelleben, sie hatte Probleme wie Jedermann, waren locker, klopften Sprüche, waren echte Persönlichkeiten mit unechtem Job. Man fühlte sich daheim bei ihnen. Auch bei dem ironischen Iron Man, dem Dr. Jekyll-&-Mr-Hyde-Update Hulk, und vielen anderen, deren Namen bis heute leuchten, bei der Heldenvereinigung der Avengers, dem Mutantenkorps der X-Men. Lees Superstar war Spider-Man, den er zusammen mit Steve Ditko schuf, und der sich seit 1964 nach dem Biss einer radioaktiv verseuchten Spinne an Fäden durch die Wolkenkratzerschluchten schwingt. Ein Teenager mit Teenagersorgen. Tatsächlich sollte „Spidey“ in den Giftschränken verschwinden. „Kein Mensch mag Spinnen“, sagte der Verleger des Hauses, das inzwischen Marvel hieß. Einer der Königsirrtümer der Popkultur .

Silver Surfer als Zufallsprodukt

Nach den Siebzigern gerieten Comics neuerlich in die Flaute. Und Lee selbst kam ins Gerede, weil er seine Mitschöpfer weder ausreichend würdigte noch bezahlte. Dabei waren die Marvel-Zeichner relativ frei für Eigenleistungen. Mit seiner „Methode Marvel“ gab Lee ihnen Zusammenfassungen der Storys vor, sie zeichneten, was ihnen einfiel und bekamen hinterher von Lee Dialog in ihre Sprechblasen gefüllt. Es entstanden ganz wunderbare Zufallsprodukte wie Jack Kirbys Silver Surfer. Streit und Zerwürfnisse folgten, erst seit 2014 wird Kirbys Name im Abspann der Marvel-Kinofilme genannt.

Aufwind für das Comic-Genre mit Tim BurtonsBatman“-Verfilmung

Das Genre Comicfilm machte 1989 mit Tim BurtonsBatman“-Verfilmung Ernst. Endlich sahen Superhelden nicht mehr aus wie Männer in seltsamen Schlafanzügen. Aber längst hat das „Marvel Cinematic Universe“ die Führung auf der Leinwand übernommen. Allein die Verfilmung von „Black Panther“ spielte im Winter 2018 weltweit 1,3 Milliarden Dollar ein. Weitere Produktionen sind in Vorbereitung, zu keinem Zeitpunkt war der Marvel-Figurenpool bekannter auf der ganzen Welt als heute. Der Streamingdienst Netflix hat an Marvel-Serien im Programm – „Daredevil „, „Jessica Jones“ und „Luke Cage“.

Lee wirkte immer, als hätte er Leben für zwei Menschen in sich, und er wäre gewiss auch gern doppelt so alt geworden. „Ich will mehr Filme machen, mehr Fernsehserien, mehr DVDs … mehr von allem, was ich tue“, sagte er vor acht Jahren in einer Dokumentation. Der „New York Times“ verriet er dann aber im April, der „glücklichste Kerl auf der ganzen Welt“ zu sein. Und das mit gutem Grund. Er hat nie aufgegeben. Und ist damit auf eigene Weise ein bedeutsamer Schriftsteller geworden. Unsterblich dazu. Thor holt ihn vermutlich gerade nach Asgard.

Der Tod macht auch vor bekannten Persönlichkeiten nicht Halt: Diese Prominenten sind 2018 von uns gegangen.

Von Matthias Halbig/RND

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