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Panorama Schüsse in Utrecht: Polizei schließt Familiendrama nicht aus
Nachrichten Panorama Schüsse in Utrecht: Polizei schließt Familiendrama nicht aus
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19:14 18.03.2019
Der Schütze eröffnete in einer Straßenbahn das Feuer. Quelle: Peter Dejong/AP
Utrecht

Bei den Schüssen in einer Straßenbahn in Utrecht hat es der Täter laut einem Augenzeugen gezielt auf eine Frau abgesehen gehabt. Auch die Polizei schließt neben einem terroristischen Motiv inzwischen auch ein Familiendrama nicht mehr aus. „Es könnte auch sein, dass es eine Beziehungstat ist“, sagte Polizeisprecher Bernard Jens am Montagnachmittag dem niederländischen NOS Rundfunk.

Auch der Augenzeuge Daan Molenaar sagte dem Radiosender, dass der Mann offenbar eine bestimmte Frau im Visier hatte. Molenaar befand er sich im vordersten Teil der Straßenbahn, als die Schüsse im hinteren Teil fielen. Nach dem Stoppen der Bahn habe er zunächst eine auf dem Boden liegende Frau bemerkt, der andere Reisende hätten helfen wollen. Zunächst habe er an einen Unfall gedacht. „Ich hatte noch immer diesen Eindruck, als ich sah, dass sie weggeschleppt wurde.“ Aber plötzlich sah er jemanden mit gezückter Pistole gezielt auf die Gruppe zulaufen. „Es sah so aus, als ob er diejenige noch einmal angreifen wollte oder vielleicht die Menschen, die ihr halfen.“

Währenddessen hätten Passanten hinter geparkten Autos Schutz gesucht, „wie in einem amerikanischen Westernfilm“. An das Aussehen des Täters konnte sich der Augenzeuge nicht genau erinnern. „Er wirkte recht jung und hatte eine Jacke an. Aber sein Gesicht würde ich nicht wiedererkennen.

Die Polizei fahndet aktuell nach einem 37-jährigen Mann. Der Verdächtige soll Gökman Tanis heißen und in der Türkei geboren sein, teilte die Polizei auf Twitter mit. Sie veröffentlichte auch ein Foto des Mannes aus der Straßenbahn. Sein Motiv ist bislang noch unklar. In der Stadt herrscht die höchste Warnstufe. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte bezeichnete die Schüsse in der Straßenbahn als Anschlag. Rutte schloss in einer kurzen Pressekonferenz am Mittag in Den Haag einen terroristischen Hintergrund nicht aus. Es habe Verletzte und möglicherweise Tote gegeben. „Unser Land ist heute durch einen Anschlag aufgeschreckt worden“, sagte Rutte. Gewalt habe unschuldige Menschen getroffen. „Ein Terrorakt ist ein Angriff auf unsere Zivilisation.“ Es werde alles versucht, um den oder die Täter zu fassen. „Wir werden nie vor Intoleranz weichen“, sagte der Mitte-Rechts-Politiker.

Für die Region wurde die höchste Terrorwarnstufe 5 ausgerufen, zum ersten Mal überhaupt in den Niederlanden. Der Vorfall „weise alle Merkmale eines Terroranschlags“ auf, hieß es von der zuständigen Behörde. Die Militärpolizei wurde angewiesen, an den Flughäfen des Landes und an wichtigen Gebäuden besonders wachsam zu sein. Auch die deutsche Polizei überwachte die Grenze genauer, wie ein Sprecher mitteilte.

Im Video: Schüsse in Straßenbahn in Utrecht

Das Amt des niederländischen Antiterror-Koordinators stellte unterdessen klar, dass es nur Schüsse in einer Straßenbahn in Utrecht gegeben hat. Für Schüsse an weiteren Orten gebe es keine Bestätigung, korrigierte die Behörde am Montag ihren Chef Pieter-Jaap Aalbersberg. Es gelte, was die Polizei von Utrecht berichtet habe, die ausdrücklich nur von Schüssen in der Straßenbahn berichtet hatte.

Menschen sollen in ihren Häusern bleiben

Alle Moscheen in der Stadt wurden vorsorglich geschlossen. „Wir haben das in Abstimmung mit der Polizei getan“, sagte der Sprecher der größten Moschee in der Stadt. Kinder in Schulen in der Nachbarschaft müssen im Haus bleiben. Auch die Universität Utrecht hat alle Gebäude im Zusammenhang mit der Schießerei geschlossen. Niemand dürfe die Gebäude betreten oder verlassen.

Weitere Zwischenfälle seien nicht ausgeschlossen. Zudem wurde der öffentliche Personennahverkehr eingestellt, wie die Verkehrsgesellschaft U-OV auf Twitter mitteilte.

Die Polizei sperrte eine Straße in Utrecht ab. Mitglieder einer Anti-Terror-Einheit drangen nach Berichten niederländischer Reporter in eine Wohnung ein. Schüsse seien nicht zu hören gewesen. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass mehr als eine Person an der Tat beteiligt gewesen seien, sagte ein Polizeisprecher.

Augenzeugin berichtet von Schüssen in Straßenbahn

Der Vorfall ereignete sich gegen 10.45 Uhr. Eine Zeugin der Schießerei sagte der Zeitung NRC, dass ein Mann in der Tram aufgestanden sei und mit einer großen Waffe zu schießen begann. „Ich war hinten in der Straßenbahn. Er schoss herum, schien aber auf die Leute zu zielen, die auf den Bänken saßen – alle gingen weg“, sagt die Frau. „Der Schaffner öffnete die Türen nicht sofort. Zwei Jungen neben mir traten ein Fenster ein und ich flüchtete nach draußen.“

Weitere Einzelheiten zu dem Vorfall wurden zunächst nicht mitgeteilt. Einsatzkräfte seien vor Ort, hieß es, unter anderem seien drei Hubschrauber im Einsatz. Der Vorfall ereignete sich im Westen der Stadt.

Utrecht liegt etwa 75 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze und hat etwa 350.000 Einwohner.

Das Bild zeigt den Tatort von oben. Quelle: Lilian Bruigom/AP

Von RND/seb/dpa/AP/das/jra

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