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Panorama Retter ziehen junge Frau lebend aus den Trümmern
Nachrichten Panorama Retter ziehen junge Frau lebend aus den Trümmern
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15:59 28.01.2010
Auf einer Rettungstrage wird die 16-Jährige von Helfern auf ein Schiff der französischen Marine gebracht.
Auf einer Rettungstrage wird die 16-Jährige von Helfern auf ein Schiff der französischen Marine gebracht. Quelle: afp
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Helfer haben eine 16-Jährige lebend aus Trümmern in Port-au-Prince gezogen: „Sie lebt. Sie ist 16 Jahre und hat noch ihr ganzes Leben vor sich“, sagte Armeearzt Michel Orcel am Mittwochabend (Ortszeit). Haitis Präsident René Préval erwog derweil, die für Ende Februar geplanten Parlamentswahlen wegen der Katastrophe zu verschieben.

Die Jugendliche, die nach Angaben des Roten Kreuzes mit Vornamen Darlene Etienne heißt, wurde am Mittwoch unter einem eingestürzten Gebäude im Viertel Carrefour-Feuilles in der Hauptstadt Port-au-Prince gefunden. Nachbarn hatten die Schreie des Mädchens gehört und bereits einen Teil der Trümmer weggeräumt, ehe die französischen Rettungskräfte sie befreiten.

Darlene Etienne sei in einem Hohlraum eingeschlossen gewesen, sagte der Sprecher des französischen Zivilschutzes, Samuel Bernes. „Sie hat einfach ’Danke’ gesagt.“ Die 16-Jährige sei „sehr schwach“ und „völlig dehydriert“. Mit einem Hubschrauber wurde das Mädchen anschließend auf ein Schiff der französischen Marine gebracht, das über ein Bordkrankenhaus verfügt. Armeearzt Orcel sagte, derzeit werde der Zustand des Mädchens stabilisiert. Alles deute daraufhin, dass sie seit dem Erdstoß am 12. Januar verschüttet gewesen sei.

Seit dem Hauptbeben der Stärke 7,0 konnten Rettungsmannschaften rund 135 Menschen lebend aus Trümmern bergen. Die Hoffnungen, weitere Überlebende zu finden, sind verschwindend gering. Bislang wurden amtlichen Angaben zufolge fast 170.000 Leichen geborgen, die Regierung befürchtet 200.000 Todesopfer. Die haitianischen Behörden hatten die Suche nach Vermissten bereits am vergangenen Freitag eingestellt, um sich ganz dem Wiederaufbau zu widmen.

Die internationalen Hilfsmaßnahmen erreichten unterdessen immer mehr Menschen in Haiti. „Es wird von Tag zu Tag besser“, sagte US-Hauptmann Maurice Green, der die Verteilung von Hilfsgütern in einer Kleinstadt im Osten von Port-au-Prince koordinierte. Allerdings drohten neue Verzögerungen, weil die Hafenanlagen der Hauptstadt durch die vielen Nachbeben weiter beschädigt wurden. Nach Angaben der US-Armee musste ein Anleger wegen der Schäden gesperrt werden. Die Hilfsgüter könnten nur in „verringerten Mengen“ an Land gebracht werden, sagte ein US-Offizier.

„Ich denke, dass es angesichts der Umstände, unter denen die Menschen leben müssen, nicht der richtige Zeitpunkt ist, Wahlen abzuhalten“, sagte Préval. Er werde deshalb versuchen, mit den Verantwortlichen eine Verschiebung der Abstimmung zu erreichen.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton rief auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) im schweizerischen Davos die versammelten Wirtschaftsführer und Politiker auf, den Wiederaufbau Haitis großzügig zu unterstützen. „Sie benötigen Hilfe, um diese schreckliche Naturkatastrophe zu überstehen“, sagte Clinton, der UN-Sonderbeauftragter für Haiti ist. Nach Angaben der UNO wurden für Haiti bislang mehr als 270 Millionen Dollar (193 Millionen Euro) Soforthilfe zugesagt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) gewährte dem Karibikstaat am Mittwochabend zudem einen zinslosen Notkredit in Höhe von 114 Millionen Dollar.

afp