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Panorama Polanski legt Beschwerde gegen Auslieferungshaftbefehl ein
Nachrichten Panorama Polanski legt Beschwerde gegen Auslieferungshaftbefehl ein
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19:41 29.09.2009
Das Gefängnis, in dem Polanski momentan festgehalten wird.
Das Gefängnis, in dem Polanski momentan festgehalten wird. Quelle: ddp
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Das Gericht mit Sitz in Bellinzona bestätigte am Dienstag den Eingang einer Beschwerde Polanskis gegen den Auslieferungshaftbefehl des Bundesamtes für Justiz. Eine Entscheidung werde „innerhalb der nächsten Wochen“ fallen, kündigte das Gericht in einer Mitteilung an. Wegen des anhängigen Verfahrens könnten weitere Auskünfte nicht erteilt werden.

Der französisch-polnische Regisseur war am Samstag bei seiner Ankunft in Zürich verhaftet und auf der Basis eines US-Haftbefehls in provisorische Auslieferungshaft genommen worden. Hintergrund ist ein seit den 70er Jahren anhängiges Verfahren wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen. Der Regisseur sollte am Sonntagabend beim Zurich Film Festival für sein Lebenswerk geehrt werden. Nach Informationen der französischen Zeitung „Le Figaro“ sitzt der 76-Jährige derzeit nahe Winterthur in Auslieferungshaft.

Am kommenden Samstag sollte Polanski eigentlich in Köln auf dem Internationalen Film- und Fernsehfestival Cologne Conference den Filmpreis Köln entgegen nehmen. Das Berner Bundesamt für Justiz habe per E-Mail inzwischen mitgeteilt, dass eine Teilnahme von Polanski „leider ausgeschlossen sei“, teilte das Festival am Dienstag auf seiner Internetseite mit. Selbst bei einer Haftentlassung „gegen andere Sicherungsmaßnahmen“ dürfe der Regisseur die Schweiz nicht verlassen. Weiter habe die Schweizer Behörde erklärt, dass das Auslieferungsverfahren „mehrere Monate dauern“ dürfte, „sofern sich Herr Polanski nicht mit einer vereinfachten Auslieferung an die USA“ einverstanden erkläre, zitierte das Festival aus dem Schreiben.

Polanski war am Freitag in Köln erwartet worden. Auf dem Festival wird der Regisseur mit einer Retrospektive geehrt. Statt eines geplanten Werkstattgesprächs mit dem Oscar-Preisträger werde am Freitagabend nun der Dokumentarfilm „Roman Polanski: Wanted and Desired“ gezeigt, der sich vor allem mit dem Verhältnis Polanskis zur amerikanischen Justiz beschäftige, hieß es.

Der Gründungsdirektor des Festivals, Lutz Hachmeister, sagte, er könne dem Verhalten der Schweizer Behörden „nur fassungslos und mit großem Bedauern“ zusehen. Wie immer man die Tat aus dem Jahr 1978 bewerte, sei es „hinterhältig“ gewesen, Polanski erst nach Zürich fliegen zu lassen, um ihn dann festzunehmen. Der Filmpreis Köln solle Polanski übergeben werden, „wenn er hoffentlich sehr bald wieder in Freiheit ist“, kündigte Hachmeister an.

Polanski hatte sich 1978 schuldig bekannt, mit einer 13-Jährigen Sex gehabt zu haben. Ihm wurde auch vorgeworfen, das Mädchen unter Drogen gesetzt zu haben. Aus Furcht vor einer Gefängnisstrafe war er zunächst nach England und schließlich nach Frankreich geflohen. Aufgrund des Haftbefehls vermied er Reisen in die USA. In der Schweiz hatte er sich in den vergangenen Jahren dagegen öfter aufgehalten. Er besitzt dort ein Chalet.

Die Verhaftung war international unter Filmschaffenden und auch Politikern auf Kritik gestoßen. Die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey räumte inzwischen nach Medienberichten einen „Mangel an Finesse“ in dem Fall ein. In juristischer Hinsicht sei die Verhaftung aber korrekt gewesen. Zugleich widersprach sie Vorwürfen, wonach die Schweiz mit der Verhaftung Polanskis in erster Linie den USA einen Gefallen erwiesen habe.

Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles kündigte unterdessen an, dass sie nach dem provisorischen nun auch das endgültige Auslieferungsgesuch stellen werde. Maximal bleiben den US-Behörden dafür 60 Tage Zeit, wie die Zeitung „Blick“ berichtete. Hinter Gittern erhielt Polanski den Angaben zufolge inzwischen Besuch von seiner Frau, der Schauspielerin Emanuelle Seigner, dem französischen Konsul in der Schweiz und dem polnischen Botschafter.

ddp

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