Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Panorama Norwegen gewinnt Eurovision Song Contest
Nachrichten Panorama Norwegen gewinnt Eurovision Song Contest
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:22 17.05.2009
Alexander Rybak feiert seinen Sieg.
Alexander Rybak feiert seinen Sieg. Quelle: Dmitry Kostyukov/afp
Anzeige

Die Veranstaltung wirkt wie ein buntes Showkondom: Es war grell, glatt an der Oberfläche und passte auf, dass echte Inhalte nicht nach außen gelangen. Beispielsweise wurde der Beitrag aus Georgien mit anti-russischer Note schon vor Showbeginn aussortiert. Und so boten in diesem Jahr 42 statt 43 Teilnehmer ihre Sangeskünste dar, von denen es 25 bis in Finale schafften.

Gewonnen hat dabei ein Norweger. Der 22-jährige Alexander Rybak, dessen Familie aus Weißrussland nach Norwegen eingewandert ist, setzte sich souverän durch. Mehr als die Hälfte der Teilnehmerländer wertete für ihn mit den vollen zwölf Punkten — Rekord. Er überzeugt mit „Fairytale“, einem eingängig-unaufdringlichem Folkstück mit Geigeneinschlag, einem selbst komponierten Liedchen über seine erste Liebe.

Und obwohl in diesem Jahr aus Angst vor solidarischer Punktvergabe unter Nachbarländern sogenannte Expertenjurys wiedereingeführt wurden (für Deutschland saßen dort unter anderem Technogröler H. P. Baxxter, die ewige Popgöre Jeannette Biedermann und Nusseckenclown Guildo Horn), machte der rehäugige Rybak die Jurys überflüssig und bewies mit seinem fulminanten Auftritt, dass sich Europa bei Qualität auch mal einig sein kann.

Hier können Sie sich die Lieder des Song Contests kostenlos anhören.

Einen solch erfolgreichen Auftritt hatten sich auch Produzent Alex Christensen und Sänger Oscar Loya gewünscht — doch reichte es im Finale nur für einen abgeschlagenen 20. Platz. Dabei hatte die Show zum Titel „Miss Kiss Kiss Bang“ durchaus Sehenswertes: Christensen malte mit dem Zeigefinger zum Elektroswing lustige Achten in die Luft, Loya sang fehlerfrei in silberfarbener, hautenger Glitzerhose und ließ sich von der Stripperin Dita von Teese das Hemd öffnen. Christensen sagte vor der Show: „Hüllen, die fallen, füllen die Hallen.“ Christensen nach der Show über das eigene Abschneiden: „Ungeil.“

Insgesamt war die Show war durch Belanglosigkeit geprägt. Ein austauschbarer Popsong folgte dem nächsten. Mal mit mehr Pose und Pathos, mal mit mehr Platz für Peinlichkeiten. Es scheint in Europa einen Konsens für gefällige Melodien zu geben, die so originell wirken wie die Idee vor jedem musikalischen Beitrag der russischen Miss World Kseniya Sukhinova die jeweiligen Sehenswürdigkeiten der Teilnehmerländer aus dem Kopf wachsen zu lassen.

Statt musikalischen Experimenten gab es Autoscooter-Stampf-Bässe mit traditionellem Singsang und Choreographien, die häufig so krude wie rätselhaft erschienen. So tanzten um Svetlana Loboda aus der Ukraine ein halbes Dutzend Gladiatoren mit silbernen Pinselhüten. Die Band Regina aus Bosnien-Herzegowina ließ zu Trommelklängen die rote Fahne wehen und übte unfreiwillig komisch revolutionäre Standbilder.

Dennoch gab es durchaus gute Beiträge. So legte Patricia Kaas für Frankreich einen kraftvollen Chanson-Auftritt hin, Armeniens Schwestern Inga und Anush lieferten eine krachende New-Wave-Nummer und Portugal bestach mit einer schönen Fado-Einlage. Doch keiner kam nur im Ansatz an den schwungvolle Folk des Norwegers heran. Und so ging nach drei Stunden ein perfekt durchchoreografierter Songcontest zu Ende.