Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Panorama Nordrhein-Westfalen erhält im Dioxin-Skandal keine Infos
Nachrichten Panorama Nordrhein-Westfalen erhält im Dioxin-Skandal keine Infos
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:31 05.01.2011
Von Karl Doeleke
Unbedenklicher Verzehr: Mit den Codenummern auf den Eiern lässt sich deren Herkunft und die Haltung ihrer Legehennen erkennen – und publiziert werden jetzt auch die Kennziffern vom Dioxin-Skandal betroffener Höfe. Quelle: dpa

Es war der Tag vor Silvester, als am Vormittag bei David McAllister das Mobiltelefon klingelte. Eigentlich hatte er Urlaub und wollte beim NDR seine erste Neujahrsansprache als Ministerpräsident des Landes Niedersachsen aufnehmen. Doch bevor die Aufzeichnung beginnen konnte, musste sich McAllister in der Maske des TV-Studios plötzlich mit Dioxin in Futtermitteln und Eiern befassen, was er, wie er offen einräumt, bis dahin nicht getan hatte. Dioxin war zum ausklingenden Jahr kein Thema – jedenfalls nicht in Niedersachsen.

Andernorts schon. Am anderen Ende der Verbindung war die Staatskanzlei, die wiederum ein Gespräch aus Düsseldorf zu vermitteln versuchte. Dort wartete ein ungeduldiger Johannes Remmel auf ein Gespräch mit einem Zuständigen aus Niedersachsen. Der Grüne ist Verbraucherschutzminister in Nordrhein-Westfalen (NRW) und war wohl einigermaßen verzweifelt. Offensichtlich hatten Landwirte in NRW und andernorts verseuchtes Futtermittel aus Niedersachsen erhalten, das war seit dem 23. Dezember auf beiden Seiten der Landesgrenze bekannt. Remmel hatte schon im Agrar­ministerium in Hannover angerufen, aber dort niemanden erreicht, der zuständig gewesen wäre. Auch Umwelt­minister Hans-Heinrich Sander, der seit dem Rücktritt von Astrid Grotelüschen kommissarisch die Geschäfte des Landwirtschaftsressorts führt, war nicht zu greifen. Er hatte zwischen den Jahren offenbar öfters sein Handy ausgeschaltet. Also versuchte es Remmel schließlich an oberster Stelle, in der Staatskanzlei.

Plötzlich gab es Bewegung. McAllister schaltete Agrarstaatssekretär Friedrich-Otto Ripke ein, der wiederum eine Stunde später bei Remmel zurückrief. Remmel hatte bis dahin eine Woche lang vergeblich auf Lieferlisten aus Niedersachsen gewartet und machte jetzt auch öffentlich Druck: „Für die Gefahrenabwehr sind wir auf die vollständigen Lieferadressen der Futtermittelhersteller angewiesen. Die wurden uns von der Landesregierung in Hannover noch nicht übermittelt“, ließ Remmel per Presseerklärung verbreiten. Niedersachsen bestreitet, die Listen der Landesregierung in NRW vorenthalten zu haben.

Aber, das steht fest, erst am 30. Dezember veranlasste Ripke überhaupt, dass die Lieferlisten übermittelt werden. Der Staatssekretär sagt, dafür sei eigentlich Schleswig-Holstein zuständig gewesen, weil dort bei einem Futtermittelhersteller in Uetersen offenbar am meisten gepanscht wurde. Allerdings ermittelt inzwischen auch die Staatsanwaltschaft in Oldenburg gegen die Geschäftsführer eines Unternehmens aus Bösel (Kreis Cloppenburg) wegen der Verbreitung dioxinhaltiger Futtermittelfette, und die meisten betroffenen Futtermittellieferanten befinden sich in Niedersachsen. Erst am Montagabend dieser Woche, eine Woche nach dem Anruf aus NRW und zwei Wochen, nachdem ein Futtermittelhersteller aus Dinklage (Kreis Vechta) sich beim Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit selbst angezeigt hatte, bekam NRW auch die letzten Lieferlisten. Zwei Wochen nach der Selbstanzeige hatte auch Niedersachsen beschlossen, offensiv an die Öffentlichkeit zu gehen.

NRW hatte schon am 23. Dezember die ersten Höfe gesperrt und Labore beauftragt, verdächtige Eier auf ihren Dioxingehalt hin zu untersuchen. Da verbreitete das Landwirtschaftsministerium in Hannover noch, es handele sich um einen Einzelfall, die Eier seien verspeist, und für gesundheitliche Bedenken gebe es keinerlei Anlass. Düsseldorf wusste schon von vierfach überschrittenen Grenzwerten, als Niedersachsen erst seine landeseigenen Verbraucherschützer mit Untersuchungen beauftragte. Es dauert eine Woche, bis die Analyse abgeschlossen ist.

Seit Mittwoch weiß man aus einem internen Bericht des Bundeslandwirtschaftsministeriums an den Agrarausschuss im Bundestag, dass zwischen dem 12. November und dem 23. Dezember etwa 3000 Tonnen dioxinhaltiges Futterfett zu Mischfutter für Legehennen, Mastgeflügel und Schweine verarbeitet wurden. Die Regierungsfraktionen im Landtag sehen keinen Anlass für eine Sondersitzung des Agrarausschusses.

Mehr zum Thema

Die Staatsanwaltschaft in Oldenburg geht im Dioxin-Skandal einer weiteren Spur nach. Gegen eine Firma in Bösel (Kreis Cloppenburg) laufe ein Vorermittlungsverfahren, sagte Staatsanwalt Rainer du Mesnil. „Es besteht derzeit noch kein Tatverdacht.“ Verbraucherschützer raten derzeit vom Verzehr von Eiern und Geflügelfleisch ab.

05.01.2011

Nach den Dioxinfunden in Eiern sickern immer mehr Details durch. Demnach musste Niedersachsen zur Sperrung von rund 1000 Höfen gedrängt werden. Das Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz bezeichnete derweil das Futter als „außerordentlich hoch“ belastet.

05.01.2011
Panorama Millionenschäden und Imageverlust befürchtet - Die Angst der Bauern vorm Dioxin

Das Ausmaß des Dioxin-Skandals ist noch unbekannt. Doch schon jetzt geht die Angst bei den Bauern um. Sie befürchten Millionenschäden und einen Imageverlust.

05.01.2011

Im sogenannten Torso-Mordprozess um den gewaltsamen Tod eines Bordellbetreibers hat die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe für den Hauptangeklagten gefordert. Der 28-Jährige habe das Opfer gemeinsam mit seinem Vater in dessen Schlachterei im Landkreis Goslar umgebracht und müsse lebenslang ins Gefängnis.

05.01.2011

Der wegen hundertfachen Missbrauchs an jungen Mädchen angeklagte Sex-Tourist will am 14. Januar vor dem Landgericht Lüneburg ein umfassendes Geständnis ablegen. Das kündigte er am Mittwoch an.

05.01.2011

Auch in Schweden gibt es nun ein mysteriöses Vogelsterben. In der kleinen Stadt Falköping in Südschweden seien am späten Dienstagabend rund 50 bis 100 Vogelkadaver auf einer Straße gefunden worden, berichteten lokale Medien. Tierärzte untersuchten die toten Dohlen derzeit.

05.01.2011