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Panorama Norddeutschland bekommt Streusalz aus Marokko
Nachrichten Panorama Norddeutschland bekommt Streusalz aus Marokko
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21:49 06.01.2010
Mitarbeiter einer Straßenmeisterei beim Schaufeln von Streusalz.
Mitarbeiter einer Straßenmeisterei beim Schaufeln von Streusalz. Quelle: ap
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Ein Schiff hat 5000 Tonnen Streusalz aus Marokko nach Hamburg gebracht. Und weitere Transporte aus dem nordafrikanischen Land sowie aus Italien sind unterwegs, wie Norbert Sieger, Vertriebsleiter des Salzlieferanten Nordsalz in Leer, berichtete. Das Unternehmen, das neben der Kali+Salz-Tochter Esco den Norden mit Streusalz versorgt, hat den Nachschub im Süden bestellt. Nach Siegers Worten ist die Versorgungssituation mit Streusalz angespannt. „Müssten wir allein mit Salz aus norddeutschen Bergwerken auskommen, blieben derzeit fast alle Straßenmeistereien unversorgt“, sagt Sieger.

Nach Angaben von Nordsalz hat die Nachfrage nach Streusalz schon Ende Dezember derart angezogen, dass das Unternehmen Nachschub aus Marokko bestellte. „Uns war klar: Die Versorgung allein mit Salz aus deutscher Produktion würde nie und nimmer reichen“, berichtet Sieger. Die Ladung des Frachters „MS Tiwala“ wurde am Mittwochmorgen im Hamburger Hafen gelöscht. Das Salz sei bereits in einigen Straßenmeistereien angekommen.

Das Unternehmen Nordsalz, das Nordniedersachsen sowie Gebiete in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, und Mecklenburg-Vorpommern beliefert, bezieht zwar auch Salz aus deutschen Bergwerken, Hauptlieferant ist normalerweise aber Italien.

Da Eile geboten und der Transport von Marokko aus schneller als der aus Italien sei, habe man in diesem Winter auch dort Salz bestellt, erklärt Sieger. Die Lieferung aus dem Ausland sei sogar billiger als der Transport per Lastwagen aus deutschen Bergwerken. In Osnabrück scheint von dem marokkanischen Streusalz indes noch nichts angekommen zu sein. Die Stadt stellte am Mittwoch das Salzstreuen ein. Der Vorrat der Straßenmeistereien sei aufgebraucht, Nachschub gebe es nicht, sagte ein Sprecher. „Wir müssen vorübergehend auf Split ausweichen.“

Auch der größte europäische Hersteller Esco in Hannover bestätige leichte Verzögerungen. Anders als Nordsalz geht Esco aber davon aus, dass der Vorrat aus deutschen Bergwerken auch bei neuen heftigen Schneefällen ausreichen werde.

Mehrmals täglich müssen die niedersächsischen Straßenmeistereien derzeit ihre insgesamt 600 Räumfahrzeuge auf Tour schicken. Im Schnitt bestreuen sie nach Angaben des Wirtschaftsministeriums 100 Tonnen Salz täglich, bei starkem Schneefall sogar bis zu 200 Tonnen. Insgesamt sind bereits 58 000 Tonnen Salz in diesem Winter verbraucht worden, die Hälfte dessen, was im gesamten Winter 2008/09 auf den Straßen landete.

Auch wenn es in den nächsten Tagen wieder stärker schneien sollte, sieht das Wirtschaftsministerium keine Notsituation. „Wir haben keine Anhaltspunkte für einen Engpass bei der Salzversorgung“, sagte Ministeriumssprecher Christian Haegele. Die Straßenmeistereien hätten ihre Vorräte in den vergangenen Tagen wieder aufstocken können, der Nachschub funktioniere. Wo die Lieferanten sich das Streusalz besorgten, stünde den Unternehmen frei.

Das südliche Niedersachsen erlebte in der Nacht zu Mittwoch die bisher kälteste Nacht dieses Winters. Hoch „Angelika“ ließ die Temperaturen in Göttingen auf minus 24 Grad Celsius sinken, wie Günter Delfs vom Deutschen Wetterdienst mitteilte.

Der historische Tiefstwert von minus 28 Grad war dort am 16. Februar 1956 gemessen worden.

Von Margit Kautenburger