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Panorama Nokia plant Tätowierungen mit Vibrationsalarm
Nachrichten Panorama Nokia plant Tätowierungen mit Vibrationsalarm
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10:49 24.03.2012
Von Imre Grimm
Nokia hat elektronisch steuerbare Tätowiertinte patentieren lassen.
Nokia hat elektronisch steuerbare Tätowiertinte patentieren lassen. Quelle: dpa
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Hannover

Bis zum Mischwesen aus Elektronik, Fleisch und Blut ist es noch ein weiter Weg. Aber es tut sich etwas an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine: Der finnische Handyhersteller Nokia hat in den USA eine elektronisch steuerbare Tätowiertinte als Patent angemeldet. Die Flüssigkeit soll bei einem Anruf auf das eigene Handy direkt unter der Haut vibrieren. Das Kribbeln am Körper könnte auch anstehende Termine, SMS oder Twitter-Nachrichten signalisieren. Auch variable Vibrationsmuster je nach Anrufer sind denkbar - ein zartes Summen am Herzen etwa, wenn sich die Liebste meldet. Oder ein penetrantes Ziepen in der Wade, wenn der Chef anruft.

Kern von Nokias verwegener Idee mit der Patentnummer "USPTO-Nr. 20120062371" sind sogenannte Ferrofluide. Das sind Flüssigkeiten, die magnetische Nanopartikel enthalten. Die neuartige Tätowiertinte wird aufgesprüht, aufgestempelt oder wie handelsübliche Tattoofarbe direkt unter die Haut gespritzt. Möglich ist jedes Körperkunst-Motiv von der klassischen Ankerkette bis zum verbreiteten Steiß-Ornament. Dort reagieren Nanopartikel auf ein Magnetfeld, das vom Handy selbst erzeugt wird. Auch Tattooaufkleber mit dem Material seien denkbar, schreibt das Technikblog "unwiredview.com".

In der Nerdwelt hat die Nachricht eine Debatte ausgelöst: Tattoos mit Vibrationsalarm - eine gruselige Hightech-Vision zynischer Ingenieure? Ein PR-Gag einer kriselnden Handyfirma, die den Anschluss an iPhone, Android & Co. verpasst hat? Ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Entmenschlichung des Homo Sapiens? Oder doch die logische Fortsetzung jahrzehntelanger Bemühungen von Forschung und Philosophie, Mensch und Maschine zu verschmelzen? Seit Jahrzehnten gibt es Bestrebungen, die Grenzen zwischen dem menschlichen Körper und dem elektronischen Computerherzen zu verwischen. In der Science-Fiction-Kunst führten derlei Gedankenexperimente zum fliegenden Gehirn Simon bei "Captain Future", zum Techno-Polizisten Robocop oder zu Johnny Depp, der im Film "Johnny Mnemonic" von 1995 Teile seines Gehirns als Datenspeicher für digitale Sicherheitstransporte zur Verfügung stellt.

Im ganz realen Leben macht der Forschungsbereich "Human Computer Interaction" (HCI) Fortschritte: Tastatur, Maus, Joystick, Touchscreen - am Schmelzpunkt von Biologie und Technologie gelten diese herkömmlichen Eingabegeräte als umständliche, gestrige Vehikel. Viel eleganter ginge es per Gedankenkraft: Forscher in Lausanne entwickeln derzeit mit Nissan eine Gehirn-Computer-Schnittstelle für Autofahrer. Sie soll erkennen, wenn Fahrer eine Notbremsung oder ein Ausweichmanöver planen, und frühzeitig eingreifen. Wissenschaftler der Freien Universität Berlin können mit Datenkappen Autos steuern. US-Forscher sind in der Lage, ein Bild, das ein Mensch gesehen hat, durch die Veränderungen im Blutfluss seiner für das Sehen zuständigen Gehirnareale zumindest in Ansätzen zu rekonstruieren. IBM-Entwickler halten es für denkbar, in wenigen Jahren einfach an eine Person zu denken, um sie anzurufen.

Bei der potenziellen Zielgruppe für Nokias Patent herrscht Skepsis, was Sinn und Zweck vibrierender Steiß-Tattoos angeht. "Demnächst fangen auch die Kontaktlinsen bei einem Anruf an zu blinken", lästert ein Kommentator in einem Technikforum - "was soll das?"

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