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Panorama Medienpreis Bambi 2010 in Potsdam verliehen
Nachrichten Panorama Medienpreis Bambi 2010 in Potsdam verliehen
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12:37 12.11.2010
Von Imre Grimm
Sarah Jessica Parker, US-Schauspielerin, bekam den Überraschungs-Bambi.
Sarah Jessica Parker, US-Schauspielerin, bekam den Überraschungs-Bambi. Quelle: dpa
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Wenn ich die deutsche Nationalhymne höre“, hat Mesut Özil mal gesagt, „bete ich Verse aus dem Koran – das gibt mir Kraft.“ Während Deutschland also mit wachsender Verzweiflung seit Jahren diskutiert, was „Integration“ überhaupt bedeuten soll, hat ein 22-jähriger Gelsenkirchener Fußballer mit türkischen Wurzeln für sich die Lösung gefunden: Einigkeit und Recht und Allah. Özil, dessen Familie seit drei Generationen im Ruhrgebiet lebt, bekam gestern Abend in Potsdam den Bambi in der eigens geschaffenen Kategorie „Integration“.

„Integration“? Es war die merkwürdigste Kategorie an einem langen Bambi-Abend im Filmstudio Babelsberg. Es sollte wohl ein Signal sein: Die deutsche Mediengesellschaft zeichnet im Sarrazin-Jahr einen jungen Sportler aus, den sie ins Herz geschlossen hat. Es ist wohl eher eine Auszeichnung für einen Medienliebling, eine schöne Geschichte, als für ein Musterbeispiel erfolgreicher Integrationspolitik in einem Land, in dem zahlreichen nicht Fußball spielenden Nichtdeutschen nicht der rote Teppich ausgerollt wird.

Özil habe gezeigt, „wie leichtfüßig Integration vonstatten gehen kann“, sagte Laudatorin Nazan Eckes, RTL-Moderatorin und Tochter türkischer Eltern. Özil selbst sagte: „Integration bedeutet Respekt.“ Dafür gab’s Ovationen im Stehen.

Erstmals verzichteten der Burda Verlag und die ARD bei der 62. Bambi-Gala auf einen Moderator. Zu tief sitzt der Schock über die Bemühungen von Katarina Witt und Tom Bartels im Vorjahr. So ließ man nur Sarah Jessica Parker („Sex and the City“) als „Gastgeberin“ ein bisschen US-Glamour versprühen, bevor sie (huch!) später ebenfalls mit einem Bambi versorgt wurde, den sie „überrascht und demütig“ entgegenzunehmen behauptete. Die zwölfjährigen Zwillinge Jana und Sophia Münster („Hanni & Nanni“) begrüßten ihren „Talent“-Bambi mit den schönen Worten: „Ein toller und schwerer Preis“. Den Schauspiel-Bambi bekamen Hannah Herzsprung für „Weißensee“ („Ich grüße ganz lieb meine Großmutter am Tegernsee“) und Florian David Fitz für seine Rolle als Tourette-Patient in „Vincent will Meer“. Jogi Löws Trainerteam wurde für den WM-Erfolg ausgezeichnet. Und Shakira, heimliches Maskottchen der deutschen WM-Truppe in Südafrika, sang ihre WM-Hymne „Waka, Waka“.

Hans-Dietrich Genscher (83) erhielt für seine Verdienste um die deutsche Einheit aus den Händen von Außenminister Guido Westerwelle gleich einen „Milleniums“-Bambi, Udo Lindenberg bekam das Reh für sein bisheriges Schaffen und versprach: „Hinterm Lebenswerk geht’s weiter“. Und die britische Schimpansenforscherin Jane Goodall freute sich wortreich über den Bambi in der Kategorie „Unsere Erde“. Posthum geehrt wurde Christoph Schlingensief, der im Sommer mit 49 Jahren an Krebs gestorben war.

Dann kam Beth Ditto, voluminöse Frontfrau der Band Gossip, wenig charmant von Laudator Karl Lagerfeld als „Brummer“ angekündigt. Es war der Auftritt des Abends. „Vielen Dank, dass ihr uns so, so liebt“, dankte sie auf deutsch.

Und sonst? Alles wie immer bei dieser Weihestunde der Medienfamilie: Sekt kalt, Kategorien egal, Udo gut drauf, politisch alles korrekt. Fehlte nur noch der „Energiespar“-Bambi. Gruselmoment des Abends: Der „Graf“ von Unheilig singt mit den Tenören von Adoro und einem Kinderchor „Geboren um zu leben“. Und dann war da noch Jopi Heesters, der seinen achten (!) Ehren-Bambi nachträglich kurz nach seinem 107. Geburtstag am 5. Dezember bekommen soll. Er wird diesmal in der Kategorie „Ältester Schauspieler und Entertainer der Welt“ geehrt. An der Heesters-Kategorie für 2011 wird noch gefeilt. Vorschlag: „Bestintegrierter ältester Holländer aller Zeiten“.