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Panorama Karst Richard Tates – der Amokfahrer von Apeldoorn
Nachrichten Panorama Karst Richard Tates – der Amokfahrer von Apeldoorn
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13:48 05.05.2009
Gedenken der Opfer in Apeldoorn.
Gedenken der Opfer in Apeldoorn. Quelle: Vincent Jannink/afp
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Er lebte zurückgezogen in seinem Apartment in Huissen bei Apeldoorn. Vor einigen Wochen verlor der 38-jährige Karst Richard Tates seinen Job. Seither war er arbeitslos. Zuletzt hatte er für eine Bewachungsfirma als Sicherheitsmitarbeiter gearbeitet.

Wegen Geldmangels musste der Amokfahrer von Apeldoorn seine Wohnung kündigen. Er wer nicht mehr in der Lage, die Miete von monatlich 580 Euro kalt zu bezahlen. Karst Tates hatte kein Geld mehr, er hatte keine Freundin, er hatte keine Wohnung mehr, er hatte keine Zukunft.

Ein regelmäßiger Joint spendete ihm Trost. „Wir haben oft zusammen einen Joint in der Kneipe „´t Pintje'' geraucht, sagt einer der Nachbarn von Karst Tates, einer der wenigen zu dem der Mann, der Königin Beatrix ermorden wollte, überhaupt Kontakt hatte. „Nach einem Joint wurde Karst etwas gesprächiger.'' Ansonsten sei er sehr zugeknöpft gewesen. Doch in den letzten Wochen habe man ihn fast überhaupt nicht mehr gesehen. Er hatte sich in seinem Apartment regelrecht ein geigelt. Am 1. Mai hätte er es räumen müssen.

Am 30. April um 11.50 Uhr startete er seine Amokfahrt in Apeldoorn und machte aus seinem 16 Jahre alten Suzuki Swift eine motorisierte Mordwaffe. Sechs Menschen tötete der Amokfahrer. Er selbst starb am frühen Freitag Morgen gegen drei Uhr an den schweren Kopfverletzungen, die er erlitt, als er mit seinem Suzuki auf ein Denkmal prallte und so den königlichen Bus, den er im Visier hatte, glücklicherweise knapp verfehlte. Als die Rettungskräfte ihn aus dem Auto schweißen und Karst Tates noch bei Bewusstsein ist, soll er gesagt haben, dass er es auf Königin Beatrix (71) und ihre Familie abgesehen hatte. Aber nicht nur auf sie. Kronprinz Willem-Alexander (42) und dessen Gattin Prinzessin Maxima (37) habe er ebenfalls töten wollen, berichtet die Zeitung „de Telegraaf" am Montag unter Bezugnahme auf Sicherheitsbeamte, die noch auf dem Weg ins Krankenhaus den schwerverletzten Attentäter im Krankenwagen verhört haben sollen.

Die Familie des Attentäters von Apeldoorn steht unter Schock. Seine Eltern, seine beiden Schwestern und sein Bruder werden von Beamten der 250 Beamte zählenden Sonderkommission seit Tagen verhört. Getrennt. Sein Vater ist Beamter bei der Gemeinde Lingewaard. „Er, seine Frau und seine Geschwister sind sehr angeschlagen. Sie haben auch psychologische Betreuung,'' sagt der Bürgermeister von Lingewaard Harry de Vries.

Der Leichnam des Attentäters, in dem während der Obduktion Spuren von Cannabis gefunden worden sind, wurde von der Polizei inzwischen frei gegeben, sodass die Familie die Beerdigung des Amokfahrers regeln kann.

„Ich glaube Karst wollte sich an der Gesellschaft rächen. Er fand sich in dieser Gesellschaft nicht zurecht, fühlte sich ständig eingeengt und bevormundet. Wenn ich mein Haus verlassen muss, dann hat das Leben für mich keinen Sinn mehr. Dann beende ich es.'' Mit diesen Worten zitiert die Regionalzeitung „De Gelderlander'' einen Nachbarn des Karst Tates zu dem er diese Sätze gesagt haben soll.

Das Symbol der Gesellschaft an der er sich rächen wollte und in der er sich nicht zurecht fand, war und ist die königliche Familie der Niederlande. Wahrscheinlich hat er sie sich deshalb als Objekt seines Mordanschlags ausgesucht.

Prinz Constantijn, der jüngste Sohn von Königin Beatrix, sagt zu dem Anschlag: „Er hat uns sehr getroffen und betroffen gemacht. Jeder von uns versucht das auf seine eigene Art und Weise zu verarbeiten. Aber wir tun, was wir tun und was wir tun müssen. Wir tun das aus Überzeugung und bleiben es auch weiterhin tun. Der Königinnentag wird auch im kommenden Jahr wieder gefeiert werden. Allerdings mit dem Wissen im Hinterkopf, was in Apeldoorn passiert ist."

von Helmut Hetzel