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Panorama Junge Niederländer wollen Prostitution verbieten
Nachrichten Panorama Junge Niederländer wollen Prostitution verbieten
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21:00 22.04.2019
Initiatoren der Bewegung Exxpose gegen Sexarbeit überreichten Abgeordneten symbolisch 40 000 gesammelte Unterschriften. Quelle: dpa
Den Haag

„Ich bin unbezahlbar.“ Unter diesem Motto haben niederländische Jugendliche eine Bürgerinitiative namens Exxpose gegründet. Sie hat zum Ziel, Sex gegen Bezahlung strafbar zu machen und die Prostitution in den Niederlanden zu verbieten.

Die Bürgerinitiative gegen die in den Niederlanden legale Prostitution hat inzwischen 40 000 Unterschriften gesammelt – und sie im Den Haager Parlament abgegeben. Dort prüft man nun, ob die Petition ausreicht, um in der Volksvertretung eine Debatte zu dem Thema auf die Agenda zu setzen.

Initiative gegen Prostitution besteht aus Feministinnen und Christen

Die Bürgerinitiative Exxpose besteht hauptsächlich aus Feministinnen und streng calvinistischen Christen zwischen 20 und 30 Jahren. „Indem man Prostitution legalisiert, normalisiert der Staat die Käuflichkeit von Sex“, meint Willemijn de Jong (27), eine Initiatorin der Bürgerinitiative. „Wir wollen erreichen, dass das Thema Prostitution im Parlament diskutiert wird.“

De Jong erzählt, dass die Bürgerinitiative von Al Jazeera inspiriert wurde. Der arabische Nachrichtensender habe in einer Reportage die legale Prostitution in den Niederlanden scharf kritisiert, insbesondere im weltberühmten Amsterdamer Rotlichtviertel. Das von den Niederländern De Wallen genannte Viertel ist eine der größten Touristenattraktionen der niederländischen Hauptstadt.

Unterschiedliche Reaktionen auf gefordertes Prostitutionsverbot

Die Reaktionen auf die Aktion der Bürgerinitiative Exxpose fallen unterschiedlich aus. Während die einen die Legalität der Prostitution befürworten und bei einem Verbot nur ein Abdriften in die Illegalität befürchten, unterstützen andere die jungen Menschen in ihrem Bestreben, die Prostitution abzuschaffen.

Marike van der Velden, Direktorin des Escortbüros Society Service, gehört zu ersterer Fraktion: „Jetzt können Sexarbeiter/-innen ihre Tätigkeit unter guten Bedingungen ausüben“, sagt sie und erklärt, dass Escortservices regelmäßig durch staatliche Behörden überprüft werden. „So werden Missstände in der Branche vermieden und Sexarbeiter/-innen beschützt.“

Gegensprecher befürchten „Abtauchen in Illegalität

Außerdem erhielten die Sexarbeiter/-innen ein großes Angebot an staatlicher Hilfe, das sie beanspruchen könnten, wenn es nötig sei. „Wenn das alles wegfallen würde, wäre das sehr nachteilig für die Sexarbeiter/-innen, die dann höchstwahrscheinlich in die Illegalität abtauchen.“

Sie glaubt, dass bei einem Verbot von Prostitution nur die Zahl der „sichtbaren“ Sexarbeiter/-innen abnehmen würde, nicht aber die Zahl derjenigen, die „den ältesten Beruf der Welt“ auch weiterhin ausüben – dann eben illegal. In ihrem Escortservice können Kunden sowohl Frauen als auch Männer buchen.

Politiker von Christen-Union befürwortet Prostitutionsverbot

Der Vorsitzende der in der Den Haager Koalition mitregierenden streng calvinistischen Christen-Union (CU), Gert-Jan Segers, dagegen begrüßt die Initiative zum Verbot von Prostitution. Auf Initiative der CU wurde in den Niederlanden bereits ein neues Gesetz erlassen, das die Zuhälterei verbietet.

„Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, meint die Initiatorin der Initiative, de Jong. Ihr schwebt die Einführung des „schwedischen Modells“ in den Niederlanden vor: Sie will in Holland den Besuch einer weiblichen Prostituierten durch einen Freier unter Strafe stellen, so wie es in Schweden bereits der Fall sei. Die Prostitution von Männern lässt sie dabei außen vor. Dabei sei auch das ein florierendes Geschäft, wie van der Velden erzählt.

„Ursachen der Prostitution bekämpfen wie Armut und Ausbeutung“

„Das Kriminalisieren der Prostitution ist keine Lösung“, meint Achraf Bouali, Abgeordneter der ebenfalls in Den Haag mitregierenden linksliberalen Partei Demokraten ’66. „Wir müssen die Ursachen der Prostitution bekämpfen wie Armut und Ausbeutung.“ Ein Verbot würde da nicht helfen.

Von Helmut Hetzel/RND

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