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Panorama Hubschrauber-Unglück bei Anti-Hooligan-Übung in Berlin
Nachrichten Panorama Hubschrauber-Unglück bei Anti-Hooligan-Übung in Berlin
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20:41 21.03.2013
Zwei Hubschrauber sind bei einer Übung der Bundespolizei in Berlin zusammengestoßen.
Zwei Hubschrauber sind bei einer Übung der Bundespolizei in Berlin zusammengestoßen. Quelle: dpa
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Berlin

Es ist alles genau geplant. 500 Beamte der Bundespolizei wollen einen Einsatz gegen Fußballhooligans üben. Erst an einer S-Bahn-Station, dann auch mit nachrückenden Beamten, die mit Hubschraubern zur Verstärkung eintreffen. Doch am Olympiastadion in Berlin läuft am Donnerstag nichts wie geplant. Das scheppernde Geräusch von herumfliegenden Metallteilen beendet jäh den Übungseinsatz. Im Schneegestöber kollidiert ein Hubschrauber bei der Landung mit einem anderen Helikopter. Ein Pilot stirbt, sechs andere Menschen werden verletzt.

Schon seit Wochen schneit es in der Hauptstadt. Die Beamten beginnen dennoch um 9.15 Uhr morgens mit der Übung. Die Polizisten – einige als Fußballfans verkleidet – stellen einen Streit bei einem Fußballspiel nach. Währenddessen kreisen bereits Hubschrauber über der S-Bahn-Station in der Luft. Kurze Zeit später sind zwei Helikopter auf einem Feld gleich neben der bekannten Sportarena gelandet. Die Rotorblätter wirbeln viel Schnee auf. Ein dritter Mannschaftshubschrauber, der etwa 20 bis 25 Plätze hat, setzt zur Landung an. Zu sehen ist nichts – plötzlich aber ist ein lautes Geräusch zu hören.

Ein Reporter des Fernsehsenders RTL, der eigentlich nur die vorangegangene Übung hatte dokumentieren wollen, berichtet, dass durch den Landeanflug Schneemassen aufgewirbelt wurden. „Außer einer weißen Wolke sah man fast nichts. Dann gab es plötzlich einen lauten Knall. Neben mir ging ein Mann zu Boden, und ich sah überall Blut auf dem Boden.“ Ein anderer Zeuge beschreibt das Geräusch des Zusammenstoßes und der splitternden Rotorblätter als eine Art Feuerwerk. „Die Trümmerteile sind nach allen Seiten geflogen, auch in Richtung wartender Polizisten und Journalisten“, sagt der Mann.

Einige Beamte klettern aus den Hubschraubern, andere werden von ihren Kollegen herausgezogen. Die Polizisten versuchen, Erste Hilfe zu leisten. Insgesamt fünf Männer und eine Frau werden bei dem Unglück verletzt, einige von ihnen schwer. Einer der Piloten stirbt. Mehrere Personen, die den Unfall miterlebt haben, müssen noch an der Unglücksstelle vom psychosozialen Dienst betreut werden. Gleich nach dem Unglück sperrt die Feuerwehr das gesamte Olympiastadion und alle angrenzenden Bereiche weiträumig ab. Auslaufendes Kerosin muss abgepumpt werden, um einen Brand zu verhindern.

Auf die Frage, ob unter winterlichen Witterungsverhältnissen mit dichtem Schneefall eine solche Übung möglicherweise zu riskant gewesen sei, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt: „Übungen der Luftstaffel der Bundespolizei sind auch bei schlechtem Wetter notwendig.“ Hubschraubereinsätze gegen Hooligans müssten bei jedem Wetter geprobt werden, weil auch Fußballspiele bei fast jedem Wetter stattfänden. „Wir sind keine Schönwetterpolizei“, sagte Wendt.

Vor zwei Jahren war es in der Nähe von Hannover zu einem ähnlichen Unglück gekommen. Am 12. Januar 2010 stürzte in der Wedemark bei einem Übungsflug der Zentralen Polizeidirektion ein Hubschrauber ab. Der Pilot wollte seinem Schüler ein bodennahes Manöver zeigen. Auch damals herrschte dichtes Schneetreiben. Die Unfallursache konnte auf einen Pilotenfehler zurückgeführt werden. Er hatte die Höhe falsch eingeschätzt. Die Ermittlungen dauerten fast 20 Monate.


von Nora Lysk mit dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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