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Panorama „Haltet doch mal den Mund, ihr Hetzer!“: So kommentiert die Presse die Tat von Frankfurt
Nachrichten Panorama „Haltet doch mal den Mund, ihr Hetzer!“: So kommentiert die Presse die Tat von Frankfurt
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09:27 31.07.2019
Ein Zeitungsständer mit Tageszeitungen an einem Kiosk. Quelle: picture alliance / Geisler-Fotop
Hannover

Ein achtjähriger Junge wird im Frankfurter Hauptbahnhof von einem Mann vor einen einfahrenden ICE gestoßen und getötet. Kurz darauf nimmt die Polizei einen 40-Jährigen aus Eritrea fest. Ein Überblick der Pressestimmen zu der Tat.

Frankfurter Rundschau“: Was treibt eine Frau wie Alice Weidel (AfD) dazu, mit der Herkunft des mutmaßlichen Täters ihr schmutziges Süppchen zu kochen? „Schützt endlich die Bürger unseres Landes - statt der grenzenlosen Willkommenskultur!“, twitterte sie, kaum war die Nachricht vom gewaltsamen Tod eines Kindes am Frankfurter Hauptbahnhof bekanntgeworden. Und die Fangemeinde applaudierte. Es ist gerade eine Woche her, dass im hessischen Wächtersbach ein Landsmann des mutmaßlichen Täters, ein Eritreer, zum Opfer eines offensichtlichen Mordversuchs geworden ist. Das entlastet den Verdächtigen von Frankfurt natürlich nicht, aber was hat Alice Weidel damals getwittert? Nichts. Ein Mensch begeht eine Gewalttat, das ist die schreckliche, aber auch die ganze Geschichte. Es gibt Täter, und es gibt Opfer, also bitte: Hört auf, sie nach Nationalität und Hautfarbe zu unterteilen. Noch mal, damit ihr es kapiert: Haltet doch mal den Mund, ihr Hetzer!

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„Allgemeine Zeitung Mainz“: Trauer, stille Anteilnahme, ja auch innere Wut sind Reaktionen, denen sich niemand entziehen kann. Das Gegenteil von Anteilnahme aber ist der Hass, der sich sogleich in den sozialen Medien breitmacht. Das Gegenteil ist auch die Instrumentalisierung, mit denen sich Rassisten und auch Rechtspopulisten dieses Schicksals bemächtigen wollen. Eine Verhöhnung der Opfer. Eine Einschätzung, die wohl leider nicht auf so breite Zustimmung stoßen wird wie die Zeilen zuvor. Sie bedeutet übrigens nicht, dass der Hintergrund des Täters, ein gebürtiger Eritreer, nicht beleuchtet werden muss. Und natürlich können wir nicht ausblenden, dass uns innerhalb weniger Tage zwei gleichartige Tötungen unschuldiger Menschen erschüttern. Und doch rechtfertigen Trauer und Wut keine Schuldzuweisungen an die Migranten, die Flüchtlinge oder andere Gruppen.

Im Video: Achtjähriger vor Zug gestoßen

Deutsche Welle“: Der Tod des achtjährigen Jungen wird die Debatte in Deutschland verschärfen. Manche Medien werden Rassismen befeuern, weil es Aufmerksamkeit bringt - und Umsatz. Das ist verwerflich und hat nichts mit dem öffentlichen Interesse zu tun, das der Pressekodex meint. Und dennoch gibt es diese Debatte, die man nur einordnen kann, wenn man weiß, dass der Täter aus Eritrea kommt - und damit auch seine Herkunft zu jener ganzen Wahrheit gehört, der wir verpflichtet sind. Zu dieser Wahrheit gehört aber unbedingt auch, dass die Trauer um den Jungen und das Mitgefühl für seine Eltern und Familie das sind, was unsere Herzen vor allem an diesem Tag bewegen sollte.

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„Magyar Nemzet“ (Ungarn): Wer hat denn in Wirklichkeit diesen achtjährigen Jungen und all die anderen Opfer (von jüngeren Terroranschlägen) getötet? (...) Wie lange werden das die Deutschen noch hinnehmen? Und natürlich die Franzosen und die Italiener? (...) Und was ist, wenn irgendwann ein (betroffener) Vater vor Schmerz den Verstand verliert (...), eine Waffe nimmt, in eine der (von Migranten bewohnten) No-Go-Zonen geht – die ja angeblich gar nicht existieren –, und abdrückt, so lange er Munition im Magazin hat? (...) Und was ist, wenn all dies irgendwann in einen schrecklichen und irrationalen Bürgerkrieg mündet? Oder ist es nur natürlich, dass die Mehrheitsgesellschaft alles runterschluckt und in sich hineinfrisst, weil es ihre Pflicht ist, runterzuschlucken, hinzunehmen, es in sich hineinzufressen? Weil die Mehrheitsgesellschaft ohnehin „reich“, ohnehin „kolonialistisch“, „christlich“, „weiß“, das heißt per se schuldig ist.

Im Video: 400 Menschen gedenken des in Frankfurt getöteten Jungen

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Von RND/seb/dpa

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