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Panorama Großvater findet Enkelinnen tot in Familienhaus bei Goslar
Nachrichten Panorama Großvater findet Enkelinnen tot in Familienhaus bei Goslar
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21:09 12.04.2011
In Langelsheim bei Goslar sind zwei Mädchen tot in einem Wohnhaus gefunden worden.
In Langelsheim bei Goslar sind zwei Mädchen tot in einem Wohnhaus gefunden worden. Quelle: dpa

Ein Familiendrama hat sich am Dienstagmorgen in Astfeld (Kreis Goslar) ereignet. Dort wurden in einem Einfamilienhaus zwei kleine Kinder im Alter von vier Monaten und fünf Jahren tot aufgefunden. Die Polizei geht von einem Tötungsdelikt aus. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf die 34-jährige Mutter der Kinder, teilte Polizeisprecher Sascha Göritz mit.

Um kurz nach 8 Uhr morgens hatte sich der Großvater der Kinder per Notruf bei der Polizei gemeldet und mitgeteilt, dass er zwei seiner Enkeltöchter in ihrem Wohnhaus leblos aufgefunden habe. Als wenig später der Notarzt eintraf, konnte dieser nur noch den Tod der beiden Mädchen feststellen. Beide Kinder hätten Schnittverletzungen aufgewiesen, sagte der Polizeisprecher.

Über die 34-jährige Mutter erfährt man nur wenig. Verheiratet soll sie gewesen sein, inzwischen aber geschieden. Der Mann lebe im nahen Goslar, erzählen Nachbarn. „Die Mutter war immer nett, immer freundlich.“ Ein junger Mann will etwas von Alkoholproblemen der Frau gewusst haben. Aber wer will wissen, ob das stimmt oder bloß Dorfklatsch ist?

Die Familie lebte in einem Einfamilienhaus am Ende einer Sackgasse. Es hat weiße Klinker und einen Giebel aus Holz. Hier im Dachgeschoss haben die Kinder gelebt. Auf dem Fensterbrett steht ein weißer Stoffhund, im Fenster daneben baumelt eine selbst gebastelte Puppe.

In dem Haus befand sich noch eine weitere Schwester der beiden getöteten Mädchen. Die Fünfjährige habe ebenfalls Schnittverletzungen gehabt, sagte Polizeisprecher Göritz. Diese seien aber nur oberflächlich gewesen. Das Mädchen sei deswegen ambulant im Krankenhaus behandelt worden. Inzwischen befinde es sich in der Obhut der Großeltern.

Am Tatort fanden die Ermittler auch die 34-jährige Mutter der drei Kinder vor. Die alleinerziehende Frau steht im Verdacht, die beiden Mädchen getötet zu haben. Nähere Informationen dazu wollte die Polizei am Dienstag wegen der laufenden Ermittlungen noch nicht bekannt geben. Auch über den Gesundheitszustand der Frau und mögliche Hintergründe des Tötungsdelikts machte sie keinerlei Angaben.

Bald nachdem der Großvater seine Enkelkinder gefunden hatte, sprach sich die Tragödie herum. Astfeld ist nur eine kleine Ortschaft, ein Teil der Stadt Langelsheim. Viele Menschen leben hier in bescheidenen Einfamilienhäusern, fast jedes von ihnen hat einen Garten. Durch die Hauptstraße fuhr am Morgen plötzlich ein Leichenwagen, und weil er in diese Sackgasse einbog und schon längst Polizisten vor dem Haus standen, war schnell klar, um welche Familie es sich handelte. Als ein Mann Stunden danach auf der Straße entlanggeht, kann er nur mit Tränen in den Augen den Weg zum Haus erklären. „Unsere Kinder sind ja zusammen in der Kita gewesen, wir kennen auch die Mutter.“ Es ist ein unfassbares Erlebnis. Dass plötzlich Kinder ermordet aufgefunden werden, das passiert doch immer nur in anderen Dörfern, und es passiert immer nur im Fernsehen.

Einige Nachbarn kannten die Mutter und ihre Kinder vom Weg zum nahen Kindergarten, der zwei Straßen weiter liegt. Es ist ein pragmatischer Zweckbau, gelb gestrichen und mit einem Spielplatz dahinter. Der Weg ist kurz, vielleicht dreihundert Meter von der Wohnung. Der Großvater ist ihn oft gegangen, wenn er die Enkel morgens in die Kita brachte und später wieder abholte. In Astfeld liegt alles nah beieinander. Vor dem Kindergarten liegt die Grundschule. Auf dem Schulhof üben einige Mädchen und Jungen Skateboardmanöver. Das Unglück scheint weit entfernt für sie zu sein.

Nicht alle in Astfeld wissen von der Tragödie. Am späten Nachmittag kommt der unmittelbare Nachbar nach Hause. Durch Kamerateams muss er seinen Wagen auf die Einfahrt seines Hauses lenken. Von Journalisten erfährt er vom Tod der zwei kleinen Kinder. Kinder, die mit seinen eigenen oft auf dem Wendehammer gespielt haben. „Ich muss mich jetzt selbst erst mal schlaumachen“, sagt er. „Sie ist doch eine ganz ruhige Frau.“ Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Braunschweig wurde die Rechtsmedizin aus Hannover zum Tatort gerufen. Erste Ergebnisse ihrer Ermittlungen will die Polizei heute Vormittag bei einer Pressekonferenz in der Polizeiinspektion Goslar bekannt geben.

Gunnar Menkens und Heidi Niemann

Dieser Artikel wurde aktualisiert.