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Panorama Fünf Tote bei schwerem Busunglück
Nachrichten Panorama Fünf Tote bei schwerem Busunglück
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19:54 22.09.2009
Der verunglückte Bus liegt am Fuße einer Böschung der Wupper.
Der verunglückte Bus liegt am Fuße einer Böschung der Wupper. Quelle: ddp
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„Plötzlich war der Bus weg“, sagt ein Rentner fassungslos. „Dann kamen zwei junge Frauen blutüberströmt den Hang hochgeklettert.“ Der Mann ist Augenzeuge des schweren Busunglücks geworden, bei dem am Dienstag im oberbergischen Radevormwald mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen sind. Der Bus durchbrach eine Leitplanke und stürzte 20 Meter tief in die Wupper. Der Lärm des Unfalls hat zahlreiche Anwohner aufgeschreckt, viele sind aus ihren Häusern zur Unglücksstelle geeilt. „Es hat sich angehört, als ob ein Haus zusammenstürzt“, erzählt der 42-jährige Ferdinand Stock. „Das ist schrecklich“, fügt er mit Blick auf die Schneise hinzu, die der Bus bei seinem Sturz in die Tiefe gerissen hat.

Das Unglück ereignete sich am späten Vormittag. Der Linienbus war gegen 11.50 Uhr auf der Landstraße 414 unterwegs von Wuppertal nach Dahlhausen. Auf der abschüssigen Strecke gewann das Fahrzeug plötzlich aus unbekannten Gründen immer mehr an Geschwindigkeit. In einer Linkskurve kam es von der Fahrbahn ab, brach durch eine Leitplanke und stürzte etwa 20 Meter tief die Böschung hinunter in die Wupper. Dort blieb der stark beschädigte Bus teilweise im Wasser liegen.

Der Unglücksbus gehörte einem Privatunternehmen, wurde aber als Linienbus im örtlichen Nahverkehr eingesetzt. Etwa 400 Meter vor der Unfallstelle hatte der Bus noch regulär an einer Haltestelle gestoppt, Menschen stiegen ein und aus. „Alle, die ausstiegen, hatten wohl einen Schutzengel“, sagte eine Anwohnerin. „Ganz tragisch ist es für die, die noch zugestiegen sind.“ Die Stelle sehe aus wie nach dem Orkan „Kyrill“, fügt sie hinzu.

Nach dem Unfall spielten sich am Unglücksort dramatische Szenen ab. Drei blutende Verletzte saßen an einer Bushaltestelle und warteten auf Hilfe. Feuerwehrleute versuchten, die Verletzten zu retten und die Böschung hinaufzuziehen.

Eine verzweifelte Mutter kletterte mit ihrem Sohn den Abhang hinunter, weil sie befürchtete, das verunglückte Fahrzeug sei der Schulbus gewesen. „Sind das die Kinder?“, fragte sie und konnte nur mühsam von den Feuerwehrleuten beruhigt werden.

Die Bergungsarbeiten an der unwegsamen Stelle gestalteten sich schwierig, da es an der Unfallstelle 20 Meter nach unten geht. Um die Opfer bergen zu können, mussten die Feuerwehrleute zahlreiche Bäume fällen und so Platz für einen Kran schaffen, der den Bus schließlich anhob. Bei den Toten handelt es sich um den 45-jährigen Busfahrer aus Velbert, ein 70 und 71 Jahre altes Ehepaar aus Schwerte, einen 38-jährigen Mann und eine zunächst nicht identifizierte Frau im Alter von etwa 70 bis 75 Jahren.

Das Unglück weckte bei den älteren Anwohnern schlimme Erinnerungen: Radevormwald-Dahlerau war schon einmal Schauplatz eines schweren Verkehrsunglücks. Am 27. Mai 1971 ereignete sich in der oberbergischen Stadt eine der schwersten Zugkatastrophen der deutschen Nachkriegsgeschichte, bei der 46 Menschen starben und 25 weitere verletzt wurden. Auf der Strecke Wuppertal–Radevormwald stieß damals ein mit Schülern besetzter Triebwagen mit einem Güterzug zusammen.

von Tanja Behnke