Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Panorama Familie Lohmeyer behauptet sich gegen Neonazis
Nachrichten Panorama Familie Lohmeyer behauptet sich gegen Neonazis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:19 06.12.2011
Familie Lohmeyer behauptet sich im Örtchen Jamel gegen Neonazis.
Jamel

Das hatte sich Horst Lohmeyer damals ganz anders vorgestellt. Im Jahr 2004 kaufte der heute 54-Jährige gemeinsam mit seiner Frau Birgit (52) einen alten Forsthof in dem Örtchen Jamel (Kreis Nordwestmecklenburg). Traumhaft schön ist es hier, es gibt einen See, alte Linden und Ahornbäume. Doch die Idylle trügt: Jamel ist weitgehend in der Hand von Neonazis.

Den Nachbarn von rechtsaußen passten die Zugezogenen aus dem Hamburger Stadtteil St. Pauli überhaupt nicht ins Dorf- und Weltbild – und das ließen sie spüren. „Verpisst euch!“ ist noch das Harmloseste, was Lohmeyers zu hören kriegen. „Es ist wie in einem schlechten Film“, sagt Lohmeyer. Mehrere Anwohner, die andere Meinungen vertreten als die ansässigen Rechtsextremisten, wurden eingeschüchtert, bedroht, vertrieben.Lohmeyers blieben.

Trotz aller Anfeindung. Tierkadaver wurden über ihren Zaun geworfen. Einmal lag eine tote Ratte in ihrem Briefkasten, ein anderes Mal kippten ihnen Unbekannte eine Fuhre Mist vor den Gartenzaun. „Das müssen wir aushalten“, sagt Lohmeyer.

Auch, dass die Polizei Anfang 2011 bei einem Nachbarn eine Maschinenpistole mit 200 Schuss Munition fand. Der Abrissunternehmer, ein bekannter NPD-Aktivist, wurde wegen Hehlerei und unerlaubten Waffenbesitzes zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

„Das hat an unserer Situation im Dorf allerdings nichts geändert“, betont Lohmeyer. „Im Gegenteil: Demnächst werden zwei weitere Neonazis aus Lübeck zuziehen, und die Aggressivität uns und unseren Gästen gegenüber ist deutlich angewachsen.“ Lohmeyers renovieren nach und nach das alte Forsthaus, haben darin eine gemütliche Ferienwohnung eingerichtet. Horst Lohmeyer ist Musiker, Gitarrist, spielt in verschiedenen Bands Tanzmusik und Bluesrock. Brigit Lohmeyer schreibt in ihrer Freizeit Krimis.

Und sie veranstalten Konzerte. „Jamel rockt den Förster“ heißt das Festival, das seit einigen Jahren immer im August stattfindet. Das Festival ist nicht einfach eine Musikveranstaltung: Es ist Lohmeyers Beitrag, um den Neonazis zu zeigen, dass diese nicht die Alleinherrschaft über Jamel haben.

Für ihren Mut und ihr Engagement wurden Lohmeyers mehrfach ausgezeichnet. Vor vier Jahren gab es einen Preis der SPD Nordwestmecklenburg. Dem folgte eine Auszeichnung des bundesweiten Bündnisses für Toleranz und Demokratie, im Mai 2011 erhielten sie den Paul-Spiegel-Preis vom Zentralrat der Juden und im September den „Bürgerpreis der Deutschen Zeitungen“, dotiert mit 20.000 Euro.

Das Geld stecken die Lohmeyers in das Festival, finanzieren damit die Gagen der Bands und die Technik. Von den Erlösen können sie das Festival nicht finanzieren, auch weil sie die Eintrittspreise bewusst niedrig halten. Zudem ist die Zahl der Besucher bislang überschaubar, weil viele immer noch Angst haben, nach Jamel zu kommen. Lohmeyer bleibt optimistisch: „Wir machen viele kleine Schritte, doch ein schlechter Ruf hält sich sehr lange.“

Noch bis zum Freitag stellen die HAZ, NDR Info, das NDR Fernsehen, das „Hamburger Abendblatt“, die „Ostsee Zeitung“ und der „Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag“ jeden Tag einen Kandidaten für die Wahl zum „Held des Nordens 2011“ vor. NDR Info sendet Kandidatenporträts jeweils um 7.35 und 9.35 Uhr, zu sehen gibt es sie im NDR Fernsehen in der Sendung „Mein Nachmittag“ jeweils ab 16.10 Uhr.  

Axel Meyer

Defekte Beleuchtung, Probleme an Bremsen: Knapp 20 Prozent der Wagen in Deutschland haben so schwere Mängel, dass sie die TÜV-Plakette nicht auf Anhieb bekommen.

06.12.2011
Panorama Familiendrama in Stolzenau - Die Stille nach den Schüssen

Eine 13-Jährige wird auf offener Straße erschossen. Der Täter war ersten Erkenntnissen zufolge ihr eigener Vater. In ihrem Wohnort herrschen Fassungslosigkeit und Stille. Ein Hubschrauber kreist auf der Suche nach dem Flüchtigen.

06.12.2011

Der österreichische Käseproduzent Tirol Milch Wörgl ruft mehrere Käsesorten wegen der Verunreinigung mit Bakterien zurück. Betroffen von der Rückrufaktion seien die Sorten „Andreas Hofer Jubiläumskäse“, „Alpenmark Österreicherischer Bergkäse“ sowie „Bergkäse“, teilte das Verbraucherschutzportal der Bundesländer „lebensmittelwarnung.de“ am Montag mit.

06.12.2011