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Panorama Der berühmteste Kiosk der Republik kehrt zurück
Nachrichten Panorama Der berühmteste Kiosk der Republik kehrt zurück
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20:08 05.06.2019
Noch steht das Bundesbüdchen von Jürgen Rausch vernachlässigt auf einem Industriehof in Bonn - doch bald soll es vor dem ehemaligen Bundestag wiedereröffnet werden. Quelle: Hannah Scheiwe
Bonn

Wenn Joschka Fischer angejoggt kam, fand der Dackel von Kioskbesitzer Jürgen Rausch das gar nicht gut und knurrte den Politiker an. So erzählt es Rausch. Und doch habe Fischer ihn von den Politikern am meisten fasziniert, „der hat sich hochgeboxt“, sagt er. Sein Autositz im braunen Kastenwagen ist weit nach hinten geschoben, damit der Bauch auch hinters Lenkrad passt.

Rausch ist nicht irgendein Kioskbesitzer – und Fischer nicht der einzige Politiker, den er bediente: Der 63-Jährige betrieb, als der Bundestag noch in Bonn war, das Bundesbüdchen, den wohl berühmtesten Kiosk der Republik. Politiker wie Helmut Kohl, Norbert Blüm oder Jürgen Trittin kamen zu ihm, um Zigaretten zu kaufen, die berühmte „Bundesbüdchenbockwurst“ zu essen oder Zeitungen nach Artikeln über sich zu durchforsten.

Aufgeben war für den Kioskbesitzer nie eine Option

Einige Jahre nach dem Umzug des Bundestages verschwand auch das Bundesbüdchen – für 13 Jahre. Genauso lange hat Rausch dafür gekämpft, dass sein Kiosk zurückkommt. „Aufgeben war keine Option“, sagt er. Ihm sei gesagt worden, dass der Kiosk wegen der Bauarbeiten des World Congress Centers für ein Jahr weggebracht werde und dann wiederkommen könne, ein Ersatzkiosk wurde ihm gestellt. „Betrug, Insolvenz“, fasst Rausch knapp zusammen, warum aus einem am Ende 13 Jahre wurden. Noch immer steht das Büdchen auf einem Bauhof. „Hätte ich das gewusst, hätte ich mich nie darauf eingelassen.“

So tat er es doch und sagte sich irgendwann: „Dann hole ich das Büdchen selbst zurück.“ Ein Förderverein wurde gegründet, der das Anliegen unterstützte. Die Gesamtkosten der Restaurierung werden auf 450 000 Euro geschätzt. Spätestens im Herbst soll der Kultkiosk wiedereröffnet werden.

„Ein lebendes Denkmal“

Stehen wird er nicht an derselben Stelle wie damals, aber in Sichtweite des ehemaligen Bundestages, vor dem Platz der Vereinten Nationen. Das war dem Kioskbetreiber wichtig: „Das Büdchen ist ein lebendes Denkmal, es muss den Bezug zum ehemaligen Bundestag haben, sonst würde es seine Bedeutung verlieren“, sagt Rausch und nennt sein Büdchen „eines der Wahrzeichen der Bonner Republik“.

Der Kiosk begleitet ihn seit seiner Kindheit: Seine Mutter verkaufte, als Bonn 1949 zur Hauptstadt wurde, erst Obst aus einer Holzkarre und dann auch Zigaretten, Zeitungen und mehr an die Politiker. Schon als Kind hielt Rausch sich dort auf und las Comics, später übernahm er den Kiosk. Und konnte so ganz nah dran sein an den Politikern und ihren Geschichten. An Fischer, der jeden Morgen „die ganzen Zeitungen durchgeguckt“ hat, an Helmut Kohl, dessen Fahrer Rausch mal ein Autogramm des damaligen Bundeskanzlers mitgebracht habe, oder an FDP-Politiker Klaus Kinkel.

Vielleicht joggt Joschka Fischer noch mal vorbei

„Nach dem Rücktritt von Oskar Lafontaine als Finanzminister ist der aus dem Bundestag gekommen und hat mir zugerufen: Sie haben keinen Finanzminister mehr. Da habe ich zurückgebrüllt: Sie haben auch keinen mehr.‘“, erzählt Rausch schmunzelnd. „Ich war immer der Depp, bei dem sie es ausprobiert haben.“ So habe Joschka Fischer ihm, nachdem er Außenminister wurde, auch gesagt: „Jetzt werde ich wohl einen Dienstwagen bekommen.“

Die Politik fasziniert Rausch. „Die Bonner Republik war eine der besten“, schwärmt er. Die Politiker seien damals keine „Wischiwaschitypen“ gewesen, heute sei das anders.

Wenn der Kiosk zurück ist, will Rausch Führungen anbieten und Besuchern erklären, wie es damals war. Außerdem plant er, auch Politiker von damals dazu einladen. Wer weiß, vielleicht kommt Joschka Fischer ja dann noch mal vorbeigejoggt.

Von Hannah Scheiwe

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