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Panorama Bundesregierung stockt Hilfe für Haiti auf
Nachrichten Panorama Bundesregierung stockt Hilfe für Haiti auf
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09:44 20.01.2010
Die 69-jährige Ena Zizi wurde aus den Trümmern der Kathedrale gerettet.
Die 69-jährige Ena Zizi wurde aus den Trümmern der Kathedrale gerettet. Quelle: ap
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Bei der großen ZDF-Spendengala für die Opfer der Erdbebenkatastrophe in Haiti sind am Dienstagabend in Berlin knapp 18 Millionen Euro zusammengekommen. Zahlreiche Prominente hatten in der Sendung „Wir wollen helfen! Ein Herz für Kinder“ zu Spenden für das Katastrophengebiet aufgerufen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte bei einer Live-Schaltung weitere 2,5 Millionen Euro Soforthilfen der Bundesregierung an.

Sichtlich bewegt sprach die Bundeskanzlerin mit Blick auf das Erdbeben von einer „unglaublichen Tragödie“, die mit Worten kaum zu beschreiben sei. Die Bundesregierung werde zusätzlich zu den 7,5 Millionen Euro Soforthilfen und dem Engagement auf EU-Ebene weitere 2,5 Millionen Euro für das Welternährungsprogramm geben, sagte Merkel. Sie sicherte dem Land aber auch weiter Hilfe beim Wiederaufbau zu. Deutschland werde sich „langfristig für Haiti verantwortlich fühlen“, versprach sie und dankte den Bundesbürgern für ihre Spendenbereitschaft.

Auch Haitis Botschafter Jean-Robert Saget zeigte sich dankbar für jede Hilfe. Das Erdbeben habe sein Land in einer Situation getroffen, in dem gerade etwas Stabilität erreicht worden sei. „Das wirft uns um Jahre zurück“, sagte er während der von Thomas Gottschalk und Steffen Seibert moderierten Sendung, in der sich auch zahlreiche Prominente aus Sport und Show-Business engagierten.

So rief der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, Michael Ballack, die Bundesbürger zu Spenden auf und kündigte zugleich einen Beitrag in Höhe von 150.000 Euro seines Teams an. „Wer sich in diesen Tagen die Bilder des Erdbebens im Fernsehen angeschaut hat und in Zeitungsartikeln die Hintergründe über die trostlose Situation in Haiti liest, der kann nicht tatenlos zuschauen“, sagte er in einer Videobotschaft.

Die Musiker Marius Müller-Westernhagen, Sarah Connor und Chris de Burgh traten in der Sendung unentgeltlich für die Opfer der Katastrophe auf, und an den Spendentelefonen wechselten sich viele Prominente wie Ministergattin Stephanie zu Guttenberg, Modeschöpfer Wolfgang Joop und Schauspielerin Uschi Glas ab. Augenzeugen schilderten das Elend vor Ort und Hilfsorganisationen berichteten von ihrem Einsatz.

Die im Laufe der Gala gespendeten 17.859.462 Euro kommen nun der „Bild“-Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ und dem „Aktionsbündnis Katastrophenhilfe“ zu Gute, dem die großen Hilfsorganisationen Welthungerhilfe, Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Diakonie Katastrophenhilfe und Caritas International angehören.

Noch elf Deutsche vermisst

Die CDU-Politikerin kündigte zudem an, dass die Regierung ihre Hilfe für Haiti von 7,5 Millionen um 2,5 Millionen aufstockt. Das Geld soll dem UN-Welternährungsprogramm zugutekommen. Merkel verwies zudem auf die Hilfe der Europäischen Union. Die Bundesregierung fühle sich auf lange Sicht für Haiti verantwortlich und werde mit der Weltgemeinschaft den Wiederaufbau gestalten.

Die Zahl der vermissten Deutschen in Haiti erhöhte sich unterdessen auf elf. Wie Merkel per Schaltkonferenz sagte, gibt es bislang einen toten Bundesbürger zu beklagen. Tagsüber wurde die Zahl der Vermissten am Dienstag mit acht angegeben. Auch das Auswärtige Amt bestätigte am Abend die neue Zahl.

Die vom ZDF übertragene Gala wurde von Steffen Seibert und Thomas Gottschalk moderiert. Viele Prominente nahmen die Anrufe von Spendenwilligen entgegen. Die Aktion läuft noch weiter. Informationen sind unter der Telefonnummer (01802) 101010 erhältlich.

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ap / afp

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