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Panorama Bremen will mit „künstlicher DNA“ Diebe abschrecken
Nachrichten Panorama Bremen will mit „künstlicher DNA“ Diebe abschrecken
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17:58 16.10.2009
Eine Polizistin liest mit einem speziellen Computermikroskop bei Schwarzlicht den DNA-Code des Schulzentrums Utbremen aus.
Eine Polizistin liest mit einem speziellen Computermikroskop bei Schwarzlicht den DNA-Code des Schulzentrums Utbremen aus. Quelle: lni
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Die durchsichtige und geruchlose Flüssigkeit enthalte codierte Mini-Plättchen und solle an Händen und Kleidungsstücken der Diebe anhaften, erklärten Vertreter der Bremer Innenbehörde und der Polizei am Freitag. Die künstliche DNA ist nur unter einem speziellen UV-Licht zu sehen, dann fluoresziert sie bläulich. Aufgabe der Polizei ist es dann, verdächtige Personen und Gegenstände „bei jeder sich bietenden Gelegenheit“ abzuleuchten, wie es in einem Infoblatt heißt. Abschreckung und Prävention stehen bei der neuen Methode im Vordergrund.

Die Flüssigkeit ist nach Angaben des Landeskriminalamtes in Bremen durch ihre chemische Zusammensetzung so unverwechselbar wie das Erbgut eines Menschen. Daneben enthalte die Tinktur kleine codierte Kunststoffplättchen, die sogenannten Microdots. Sie seien mit Individualcodierungen versehen, die nur einmal pro Markierungsset vergeben werden. Die eingelaserte Individualnummer könne mittels eines Mikroskops sichtbar gemacht werden.

Wenn ein gestohlener Gegenstand mit der Markierung wieder bei der Polizei auftaucht, können die Beamten über den individuellen Code den rechtmäßigen Eigentümer ermitteln. Um die Microdots auszulesen und den rechtmäßigen Besitzer des gestohlenen Gegenstands zu identifizieren, brauche die Polizei nur wenige Minuten, sagte Uwe Schröter, Leiter des bundesweit einmaligen Präventionsprojekts. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass sich der Eigentümer nach dem Kauf der künstlichen DNA in einer Datenbank habe registrieren lassen.

Nach Angaben von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) will Bremen mit dem neuen Konzept die hohe Zahl der Einbrüche und Diebstähle eindämmen. Deshalb seien die Schulen erst der Anfang. Ab November sollen zwei Pilotregionen mit jeweils 3000 Einwohnern das neue Mittel kostenlos zur Verbrechensbekämpfung nutzen können. „Im vergangenen Jahr hat es 2876 Wohnungseinbrüche gegeben“, sagte Mäurer. Die Zahl der Einbruchsdiebstähle bei Autos sei mit 10 699 Taten ebenfalls auf einem „unakzeptabel hohen“ Niveau. „Dagegen müssen wir dringend etwas unternehmen“, sagte Mäurer.

Neben der Markierung würden zugleich Schilder und Warnzeichen angebracht, die darauf hinweisen, dass Schulen und später die Pilotregionen DNA-gesichert seien. Damit sollten potenzielle Täter abgeschreckt werden. Die Finanzierung der Hinweisschilder werde von der Handwerkskammer unterstützt.

Bremen plant weiter, die künstliche DNA künftig auch in Tankstellen einzusetzen. Ein Täter, der die Kasse ausrauben wolle, könne an der Tür beispielsweise durch eine Sprühanlage mit einer „DNA-Dusche“ markiert werden, sagte Schröter. Weder das DNA-Spray noch die Flüssigkeit seien für den Menschen gefährlich. Die Substanz halte sich auf der Haut etwa sechs Wochen. Auf Gegenständen hafte sie dauerhaft an.

Ab sofort können auch Privatleute im Land Bremen von diesem besonderen Eigentumsschutz Gebrauch machen. Sie können über das Internet ein Set mit der Markierungsflüssigkeit, einem Wattestäbchen zum Auftragen und Aufklebern erwerben. Ein Fläschchen reicht nach Angaben von Polizeipräsident Holger Münch zur Kennzeichnung von 50 bis 75 Wertgegenständen. Ein Set kostet derzeit 75 Euro.

Das Landeskriminalamt in Bremen hat den Einsatz der künstlichen DNA seit dem Frühjahr vorbereitet. In den Niederlanden und Großbritannien werde die künstliche DNA bereits seit geraumer Zeit in verschiedenen Regionen erfolgreich getestet und eingesetzt. Dort konnte die Zahl der Diebstähle nach Angaben der Bremer Polizei um bis zu 80 Prozent gesenkt werden.

ddp