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Panorama BKA vereitelt Sprengstoff-Anschlag vor 96-Spiel
Nachrichten Panorama BKA vereitelt Sprengstoff-Anschlag vor 96-Spiel
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19:01 31.03.2011
Beamte fanden in der Wohnung des Verdächtigen und in der Nähe des Dortmunder Stadions je drei Sprengsätze.
Beamte fanden in der Wohnung des Verdächtigen und in der Nähe des Dortmunder Stadions je drei Sprengsätze. Quelle: dpa (Archiv)
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Vor dem Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga hat das Bundeskriminalamt (BKA) einen geplanten Sprengstoffanschlag auf das Dortmunder Stadion vereitelt. Das BKA bestätigte am Donnerstag die Festnahme eines 25-jährigen Deutschen, der in der Nähe der Arena drei Sprengsätze versteckt haben soll. Die zunächst zuständige Staatsanwaltschaft Berlin hat bereits ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das Motiv des Mannes ist bislang unklar. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gibt es nicht.

BKA-Beamte waren den Angaben zufolge in den vergangenen beiden Tagen in Krefeld und Dortmund im Einsatz. Laut „Bild“-Zeitung hoben sie in der Nacht auf Donnerstag zwei Erddepots mit Sprengstoff und Waffen inklusive Zeitzünder aus, eines in unmittelbarer Nähe des Stadions, eines in Krefeld. Letzteres bestätigte das BKA nicht. Wie das Nachrichtenportal „Der Westen“ schreibt, waren am frühen Donnerstag zahlreiche Fahrzeuge am Stadion in Dortmund vorgefahren. SEK-Beamte und Polizisten riegelten anschließend Gelände ab.

Zuvor hatte der Mann selbst die Polizei von seinen Anschlagsplänen unterrichtet. Ob es sich bei der geplanten Tat um einen Erpressungsversuch handelte, war vor der Partie zwischen Spitzenreiter Borussia Dortmund und dem Tabellendritten Hannover 96 zunächst nicht klar.

Nach Informationen der „Ruhr-Nachrichten“ soll das Heimspiel von Borussia Dortmund gegen Hannover 96 am Samstag stattfinden, allerdings unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen. Wie „Der Westen“ berichtet, bestehe für die Besucher des Fußballspiels allerdings keine Gefahr. Das Nachrichtenportal zitiert die Polizei Dortmund: „Mit den heute vom Bundeskriminalamt veröffentlichten Ermittlungsergebnissen, der Festnahme eines Tatverdächtigen und der Sicherstellung der sprengstoffverdächtigen Gegenstände sieht die Dortmunder Polizei keine Gefährdung für die Besucher des Signal-Iduna-Parks.“

Laut „Der Westen“ sehe auch der BVB keine besondere Gefährdung, wolle aber trotzdem die Sicherheitsvorkehrungen verschärfen. „Um den ungefährdeten Besuch aller Fans beim Spiel am Samstag zu ermöglichen, wird der BVB vorsorglich seine Sicherheitsmaßnahmen rund um den Signal-Iduna-Park in Absprache mit der Polizei ab sofort noch einmal verschärfen“, kündigte Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der BVB-Geschäftsführung, an.

Vereinschef und Ligapräsident Reinhard Rauball sagte den „Ruhr Nachrichten“, er werde „vollkommen ohne Angst“ ins Stadion gehen:
„Ich hoffe, dass sich die Gemeinschaft der Vernünftigen nicht von einem Fehlgeleiteten die Freude verderben lässt.“ Eine Spielabsage habe „zu keinem Zeitpunkt“ zur Diskussion gestanden.

Nach Angaben des Innenministeriums gibt es bei dem vereitelten Sprengstoff-Anschlag keinen Hinweis auf einen terroristischen Hintergrund. „Der Vorgang hat keinerlei Bezüge zu terroristischen oder islamistischen Organisationen“, teilte ein Sprecher von Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) in Berlin mit. Es handle sich „offenbar um einen Einzeltäter mit allgemeinkriminellen Motiven“.

Nach einer Mitteilung des BKA trat der 25-Jährige, der am Dienstag in einem Kölner Hotel vorläufig festgenommen wurde, bislang polizeilich nicht in Erscheinung. In seiner Wohnung fanden Beamte drei sprengstoffverdächtige Gegenstände sowie ein umfangreiches Chemikalienlager. Ob die Sprengsätze funktionsfähig waren, blieb zunächst unklar. „Nach einer ersten Einschätzung war jedoch nicht von einer akuten Gefährdung der Bevölkerung auszugehen“, teilte das BKA mit.

Der 25-Jährige war laut BKA zunächst im Februar per Mail als Hinweisgeber an die deutsche Botschaft in Islamabad in Pakistan herangetreten. Dabei habe er Informationen zu zwei angeblich in Deutschland von einer Gruppe geplanten Anschlägen in Aussicht gestellt. Zuletzt hatte er auch das Stadion in Dortmund als mögliches Ziel genannt, kurze Zeit darauf wurde er festgenommen. Daraufhin berichtete er in Vernehmungen von den Sprengstoffverstecken.

Das BKA berichtete, schon vor der Festnahme hätten sich Hinweise ergeben, dass es sich um einen Erpressungsversuch handeln könne. Eine Sprachanalyse der Mails habe einen möglichen Zusammenhang mit einem bislang ungelösten Erpressungsfall eines Wirtschaftsunternehmens aus dem Jahr 2010 ergeben. Nähere Details nannte das BKA nicht.

Die Berliner Staatsanwaltschaft, zuständig für Eilmaßnahmen, leitete umgehend ein Ermittlungsverfahren ein. Es müsse nun geklärt werden, wer die weiteren Ermittlungen führe, sagte ein Sprecher.

Hannover 96 reagierte schockiert. „Ich bin entsetzt“, sagte 96-Clubchef Martin Kind. Eine Absage der Partie lehnte er aber ab, dies wäre das falsche Signal. „Ich gehe ins Stadion ohne ein Gefühl der Angst, das wäre kein guter Ratgeber“, sagte Kind.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) warnte vor Panikmache. Es bleibe grundsätzlich festzuhalten, „dass wir in den Bundesligastadien einen extrem hohen Sicherheitsstandard haben“, erklärte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn.

dpa/frs/hil

Dieser Artikel wurde aktualisiert.