Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Panorama Azubi gesucht: Dieser Handwerker gibt 10.000 Euro für ein gutes Abschlusszeugnis
Nachrichten Panorama Azubi gesucht: Dieser Handwerker gibt 10.000 Euro für ein gutes Abschlusszeugnis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:44 03.05.2019
Auffallen ist alles - und wenn es mit einem großen Plakat ist. Die Bauschlosserei Duwe findet seit acht Jahren keinen Auszubildenden mehr. Frank Duwe (39) hofft, dass sich das bald ändert. Quelle: Jana Franke
Grevesmühlen

Womit einen Jugendlichen locken, damit er einen handwerklichen Beruf erlernt? Anzeigen schalten und warten, bis sich jemand bewirbt? Die Zeiten sind längst vorbei.

Erst recht die, in denen Unternehmer aus einer Vielzahl von jungen Bewerbern auswählen können oder gar Einstellungstests durchführen, um den Besten für sich zu gewinnen. Eine gute Idee muss her – und wenn es ein Lockmittel ist, so traurig es auch klingt.

Fünfstellige Erfolgsprämie für guten Azubi geboten

Eine Erfolgsprämie von 10.000 Euro will Frank Duwe an denjenigen zahlen, der in diesem Jahr seine Ausbildung zum Metallbauer für Konstruktionstechnik bei ihm beginnt und diese in dreieinhalb Jahren mindestens mit „gut“ abschließt.

„Die Summe mag viel klingen, aber es ist für mich eine gute Investition in die Zukunft“, resümiert der 39-Jährige, der Anfang des Jahres nach zwei Ausbildungen – Metallbauer und Industriekaufmann – sowie Schweißqualifizierungen und Meisterprüfung die Bauschlosserei seines Vaters Norbert Duwe übernahm. „Wenn ich nicht jetzt etwas tue, dann stirbt unser Handwerk in Grevesmühlen irgendwann aus.“ Die 10.000 Euro sieht er beispielsweise als gutes Startkapital für eine eigene Wohnung des ausgelernten Azubis.

Bewerbungen sind Mangelware in Bauschlosserei

Seit acht Jahren findet die Bauschlosserei keinen Auszubildenden mehr. „Ich kann es mir nur so erklären, dass eine Werkstatt und ein Schlosser mit dreckigem Gesicht bei der Jugend eben nicht hip ist“, sagt Frank Duwe. In seinem Betrieb arbeiten neben ihm und seinem Vater fünf Gesellen und eine Bürokraft. „Jetzt ist nach Jahren mal wieder eine Bewerbung eingegangen, aber leider hat der junge Mann keinen Schulabschluss“, berichtet Frank Duwe.

Lesen Sie auch: Handwerker erklärt: Darum haben meine Mitarbeiter ein Drei-Tage-Wochenende

Voraussetzung, bei ihm eine Ausbildung zu beginnen, ist mindestens ein Realschulabschluss – und persönliche Reife, wie er betont. Bedingung für das Auszahlen der Prämie sei nicht, auch nach der Ausbildung bei ihm zu arbeiten, „aber perspektivisch ist es natürlich der Wunsch“, verschweigt er nicht.

Sparen für die Zukunft des Auszubildenden

Wirft die Firma so viel ab, dass die fünfstellige Summe gezahlt werden kann? „Ich werde es in den 42 Monaten der Ausbildung ansparen“, verrät Frank Duwe. „Normalerweise sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, die Ausbildung mit einer guten Note abzuschließen, aber damit kann man leider kaum noch einen Jugendlichen hinter dem Ofen hervorlocken“, glaubt der zweifache Vater, der sich noch an Zeiten erinnern kann, in denen sein Vater drei Auszubildende beschäftigte.

Ob die Prämie die Lösung für das Problem Fachkräftemangel ist, vermag der 39-Jährige natürlich nicht vorherzusehen. „Aber ich gebe auch nichts mehr auf Berufsmessen, für die mir meine Zeit einfach zu schade ist“, sagt er. Oft habe er dort in ausdruckslose Gesichter von Schülern sehen müssen, die unterm Strich froh waren, für die Messe mal einen Tag unterrichtsfrei zu haben.

Unternehmer will in gutes Personal investieren

Geld in die Hand nehmen will der Unternehmer auch über die Ausbildung hinaus. Schweißlehrgänge ist nur ein finanzieller Posten, den er übernimmt. Langfristig soll sich das lohnen. „Wir sind ein kleiner Betrieb, ein Kollege geht in zwei Jahren in Rente. Wir brauchen langfristig qualifiziertes Personal“, begründet Frank Duwe, der selbst bis zur Rente noch 28 Jahre hat. „Wenn meine Töchter mal nicht den Betrieb übernehmen, wovon ich ausgehe, dann brauche ich einen Nachfolger“, schaut er voraus.

Wie dramatisch der Fachkräftemangel ist, lässt sich am besten an der Anzahl der Absolventen im Winter verdeutlichen. Nur fünf Metallbauer hat die Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar freigesprochen. Norbert Duwe sieht hier vor allem die Politik in der Verantwortung. „Das Land fördert Handwerks- und Industriemeister mit einer Prämie. So etwas in der Art müsste es auch für Lehrlinge geben.“ Aber letztlich seien - trotz vieler dahergeredeter Floskeln vieler Politiker – Unternehmen weiterhin auf sich allein gestellt, Nachwuchs zu gewinnen.

Kampagnen zur Nachwuchsgewinnung

Der eine macht es wie Frank Duwe mit Geld, der andere mit Kampagnen im Internet, mit denen real und ungefärbt gezeigt werden soll, wie toll Handwerk eigentlich ist. Das macht zum Beispiel #lustaufhandwerk auf Instagram.

Einer von 40 Köpfen der Kampagne ist der Grevesmühlener Handwerksmeister Christian Stappenbeck, der die Idee mit entwickelte. Deutschlandweit beteiligen sich mehr als 1500 Handwerker an der viralen Aktion. Unter dem Hashtag sind mittlerweile fast 8000 Beiträge zu finden. Täglich kommen neue Fotos und Videos von Azubis, Gesellen und Meistern hinzu, die zeigen, weshalb ihr Beruf so toll ist – und weshalb es sich lohnt, einen solchen zu erlernen.

Potentielle Lehrlinge will auch Tobias Böse von der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar auf das Handwerk neugierig machen – mit den Kampagnen „Weitersagen“ und „Komm wie du bist...“ in Plakatform. Auf denen finden sich Porträtfotos von Chefs, Lehrlingen oder Tobias Böse selbst mit einem sogenannten QR-Code auf dem Mund. Scannen die Smartphone-Nutzer diesen ab, erscheint auf deren Bildschirm der passende Mund zum Bild, der munter losplappert und erklärt, worum es geht – und wo sich Interessenten melden können.

Von RND/OZ/Jana Franke

Mosambik kämpft bereits mit dem nächsten Zyklon namens „Kenneth“. Nun hat die Weltbank 700 Millionen Dollar Hilfe für die Schäden durch den Wirbelsturm zuvor, „Idai“, versprochen.

03.05.2019

Es ist sein erster Deutscher Filmpreis als Präsident der Filmakademie und Schauspieler Ulrich Matthes (59) legte gleich ordentlich los!

03.05.2019

Es gibt Frauen, die schwärmen für Pietro Lombardi. Eine davon ist bereits 93 Jahre alt. Nun traf der 26-Jährige seinen ältesten Fan und ist ganz gerührt vom Besuch der alten Dame. Ihre Worte gehen Fans ans Herz.

03.05.2019