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Panorama Anklage wegen Vierfachmordes in Eislingen erhoben
Nachrichten Panorama Anklage wegen Vierfachmordes in Eislingen erhoben
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12:47 31.07.2009
In diesem Mehrfamilienhaus waren die Leichen des Vierfachmordes entdeckt worden. (Archivbild)
In diesem Mehrfamilienhaus waren die Leichen des Vierfachmordes entdeckt worden. (Archivbild) Quelle: Oskar Eyb/ddp
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Den Ermittlungen zufolge hatte der Sohn die Idee entwickelt, über die Tötung seiner Eltern und seiner Schwestern Alleinerbe und alleiniger Verfügungsberechtigter über ein in der Schweiz angelegtes sechsstelliges Guthaben zu werden. Sein Freund sollte davon auch profitieren.

Die Anklagebehörde wirft den beiden Heranwachsenden vor, am Abend des 9. April im Haus der Familie des 18-Jährigen gemeinschaftlich zunächst die beiden 22 und 24 Jahre alten Schwestern mit mehreren Schüssen getötet zu haben. Nach Rückkehr von einem Gaststättenbesuch, bei dem sie noch mit den beiden Eltern zusammen gesessen hatten, sollen sie dann den 57 Jahre alten Vater und die 55-jährige Mutter ebenfalls erschossen haben.

Den Ermittlungen zufolge hatten die Angeklagten bei der Tat insgesamt 30 Schüsse abgegeben und dabei als Schalldämpfer Plastikflaschen benutzt. Die Patronenhülsen sollen sie anschließend sorgsam eingesammelt und später zusammen mit den beiden Tatwaffen - zwei Kleinkaliberpistolen - in einem Waldstück zwischen Eislingen und Salach in einem Erddepot versteckt haben. Die Waffen konnten dort nach einem Hinweis des 19-Jährigen sichergestellt und aufgrund von DNA-Spuren und kriminaltechnischen Untersuchungen den Angeklagten zugeordnet werden. „Wir gehen davon aus, dass beide geschossen haben“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Waffen stammten laut Polizei aus dem Vereinsheim der Schützengilde Eislingen, in der der 18-Jährige Mitglied war. Die Angeklagten sollen dort im Oktober 2008 eingebrochen sein und insgesamt 19 groß- und kleinkalibrige Schusswaffen gestohlen haben. Abgesehen von den Tatwaffen und einer ebenfalls im Erddepot versteckten weiteren Pistole fanden sie sich auf einem Dachboden in einem Eislinger Gebäude.

Bei der Suche nach dem Motiv fanden die Ermittler heraus, dass der 18-Jährige mit dem Gedanken spielte, sein Elternhaus zu verlassen. Dem Sprecher zufolge sah er davon jedoch ab, als ihm angedeutet worden sei, er erhalte dann nur den gesetzlich vorgeschriebenen Unterhalt. Daraufhin soll er den Mordplan entwickelt haben, um das Vermögen seiner Mutter in der Schweiz an sich zu bringen. Von seinem Freund fand die Polizei in dem Erddepot einen handschriftlichen Wunschzettel, auf dem dieser schon mal aufgelistet haben soll, was er sich kaufen wolle. Als weiteres Motiv schließen die Ermittler nicht aus, dass sich der 18-Jährige im Vergleich zu seinen Schwestern benachteiligt gefühlt habe.

Die Tatverdächtigen sitzen in Untersuchungshaft. Der Sohn machte bei seiner polizeilichen Vernehmung keine Angaben. Einem Gefängnismitarbeiter gegenüber soll er seine Tatbeteiligung jedoch eingeräumt, dabei aber bestritten haben, selbst Schütze gewesen zu sein. Sein Freund räumte seine Tatbeteiligung bei der Polizei ein. Den beiden Angeklagten werden außer dem Vierfachmord und dem Waffendiebstahl noch weitere Einbruchsdiebstähle vorgeworfen, bei denen sie 2007 und 2008 unter anderem einen Computer und Bargeld gestohlen haben sollen.

Der Prozess wird vor dem Landgericht Ulm stattfinden. Ein Termin dafür steht noch nicht fest. Mit Beginn der Hauptverhandlung ist aber noch in diesem Jahr zu rechnen.

ddp