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Panorama 36-Jähriger erhängt sich in JVA Rosdorf
Nachrichten Panorama 36-Jähriger erhängt sich in JVA Rosdorf
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20:57 06.08.2010
In der Haftanstalt Rosdorf hat sich ein 36-jähriger Insasse, der vorher bereits in mehreren Gefängnissen untergebracht war, am 1. Juli erhängt. Nun prüft der Staatsanwalt seinen Tod.
In der Haftanstalt Rosdorf hat sich ein 36-jähriger Insasse, der vorher bereits in mehreren Gefängnissen untergebracht war, am 1. Juli erhängt. Nun prüft der Staatsanwalt seinen Tod. Quelle: dpa
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Was den Freitod in der Zelle brisant macht: Der Häftling C. könnte zuvor in mehreren Haftanstalten des Landes von Vollzugsbediensteten schikaniert worden sein. Am Tag vor seinem Tod soll er flehend nach einem Arzt gerufen haben, doch der wurde ihm angeblich verweigert. Und in Celle protokollierte gar ein Amtsgericht, der Häftling C. sei möglicherweise von Vollzugsbediensteten provoziert worden. Er selbst hatte in dem Prozess gar behauptet, drei vermummte Männer seien zu ihm in seine Einzelzelle geschickt worden und hätten ihn verprügelt und misshandelt. Aufgeklärt wurde diese Anschuldigung bisher nicht.

C. hatte eine „Niedersachsen-Rundfahrt“ hinter sich. So nennen Häftlinge es, wenn sie von Anstalt zu Anstalt verschoben werden. In Rosdorf war er Mitte April im gesicherten Bereich gelandet, so Anstaltsleiterin Regina-Christine Weichert-Pleuger, weil es in der JVA Sehnde „einen Vorfall“ gegeben habe und Rosdorf besonders sicher sei. Zuvor war der wegen Beschaffungskriminalität Verurteilte schon in Celle, Wolfenbüttel und Hannover im Knast.

Am 29. Juni stand er in Celle vor Gericht. Verhandelt wurden zwei Angriffe gegen Justizbeamte. Weil die ihm trotz mehrfacher Bitte in der JVA in der Trift, wo auch Lebenslängliche und Sicherungsverwahrte leben, Toilettenpapier und Seife verweigert hatten und man ihn stattdessen ungewaschen zum Hofgang zwang, schlug er einen Beamten mit der flachen Hand.

Mehrere Wachtmeister führten ihn in die Beruhigungszelle. Dabei schlug er erneut zu, diesmal mit der Faust. Fast 20 Wärter überwältigten ihn danach.

Der Film der Überwachungskamera im Gefängnisflur, so bestätigt Günter Busche, Direktor des Amtsgerichts Celle, zeige danach den Abteilungsleiter des Wachpersonals, wie er „grinsend und triumphierend den Arm emporreckt“.

Im Prozess war das für die Amtsrichterin Anlass, in einem Rechtsgespräch festzuhalten, ob C. nicht womöglich provoziert worden sei und das Personal „nicht angemessen reagiert“ habe. C. sagte aus, nach drei Stunden in der Beruhigungszelle von Vermummten misshandelt worden zu sein. Aufgeklärt wurde das nicht, denn zum zweiten Prozesstag, als Vollzugsbeamte als Zeugen gehört werden sollten, kam es nicht.

Schon zum Prozessauftakt in Celle hatte der Angeklagte medizinisch untersucht werden müssen. Nach eigenen Angaben hatte er an diesem Morgen 42 Diazepam-Tabletten geschluckt, „um mich zu beruhigen“. Er habe die Tabletten heimlich gehamstert, um angesichts von Wachleuten und Polizisten im Gericht „nicht auszuflippen“. Gefragt, ob er die Tabletten in Suizidabsicht genommen habe, widersprach er vehement. Er wurde für verhandlungsfähig befunden, weil er klar und orientiert gewirkt habe.

Am Tag nach dem Prozessauftakt soll er nachmittags erfolglos nach einem Arzt gerufen haben. Am Morgen des 1. Juli fand man ihn erhängt in der Zelle. Die Staatsanwaltschaft leitete wie üblich ein Todesermittlungsverfahren samt Obduktion (Tod durch Erhängen) ein. Diese Woche hat sein Anwalt Strafanzeige erstattet. Ermittelt wird nun wegen fahrlässiger Tötung, bestätigt Behördensprecher Andreas Buick.

Jürgen Gückel