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Panorama 27-Jähriger setzt in Berlin aus Frust 67 Autos in Brand
Nachrichten Panorama 27-Jähriger setzt in Berlin aus Frust 67 Autos in Brand
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20:23 23.10.2011
Foto: Vor allem im August brannten in Berlin zahlreiche Autos aus.
Vor allem im August brannten in Berlin zahlreiche Autos aus. Quelle: dpa
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Berlin

Gegen den Mann wurde Haftbefehl wegen schwerer Brandstiftung erlassen. Für einen politischen Hintergrund gebe es „keine Anhaltspunkte“, erklärte James Braun, zuständiger Chef-Brandermittler beim Berliner Landeskriminalamt. Videoüberwachungen in Bus und U-Bahn hätten den „sensationellen Fahndungserfolg“ ermöglicht, sagte gestern der Chef des Landeskriminalamtes, Christian Steiof.

Ein dummer Fehler des Täters war der Polizei zu Hilfe gekommen. In der Nacht zum 23. August gegen 0.30 Uhr brannten in Berlin-Spandau drei Autos. Die Polizei analysierte schon länger die Videofilme aus Bussen und U-Bahnen aus der Nähe von Brandorten. Diesmal landete sie einen Treffer. Auf den Filmen war ein auffälliger Mann zu sehen: Kurz vor den Anschlägen fuhr er Richtung Tatort und entfernte sich unmittelbar danach wieder, sagte Oliver Stepien, Leiter des für politische Taten zuständigen Staatsschutzes der Polizei.

„Wir wussten natürlich nicht, ob das der Täter ist“, sagte Stepien. Die Polizei schickte sein Bild intern herum – wenige Tage später erkannten Bundespolizisten den Mann und verfolgten ihn. Die Polizei ermittelte den Namen und beobachtete den Verdächtigen in den nächsten Wochen. Zunächst ohne Ergebnis.

Daten von seinem Handy zeigten, dass sich der 27-Jährige schon früher in der Nähe von Brandanschlägen aufgehalten hatte. Die Polizei sammelte weiter Indizien. Am Freitag luden die Fahnder den Verdächtigen dann zur Vernehmung und landeten den Coup. Trotz dünner Beweislage gestand er zunächst einen und dann weitere Brandanschläge. „Letztlich wollte er dann offenbar auch sein Gewissen entlasten und hat 67 Taten eingeräumt“, sagte Ermittler Braun.

Als Grund für die Streifzüge mit Feuerzeug und Grillanzünder nannte der arbeitslose Lackierer persönlichen Frust über seine Arbeitslosigkeit. Staatsschutz-Chef Stepien sprach von „einer Art diffuser Sozialneid“. „Nach dem Muster: Mir geht es schlecht und anderen Leuten geht es gut, die will ich treffen.“ Ende August gingen die Anschläge deutlich zurück. „Da hat er schlicht und ergreifend einen Aushilfsjob gefunden und seine Frustreaktion etwas abgebaut.“

Die jüngste Festnahme weist nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei auf zwei erfolgreich praktizierte Fahndungsmerkmale hin. Gewerkschaftschef Bernhard Witthaut sagte gestern: „Notwendig ist bei derlei Fällen ganz, ganz viel Geduld bei der polizeilichen Arbeit, und der Einsatz der Bundespolizei hat sich schon jetzt gelohnt.“ Dieser sei aber angesichts der wachsenden Arbeitsbelastung der Bundespolizei und des Stellenabbaus bei der Polizei „auf Dauer so nicht machbar“. Witthaut verwies zudem darauf, dass von der jetzigen Festnahme nur ein kleiner Teil aller Brandanschläge aus den letzten Monaten betroffen sei. Allein in 2011 waren 341 Fahrzeuge in Berlin angezündet worden.

Dieter Wonka

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