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Medien What’s My Name – fabelhafte Doku zeigt Muhammad Ali, den größten Boxer aller Zeiten
Nachrichten Medien What’s My Name – fabelhafte Doku zeigt Muhammad Ali, den größten Boxer aller Zeiten
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11:00 02.06.2019
„What's My Name?“: Muhammad Ali, der größte Boxer aller Zeiten. Quelle: Foto: HBO
New York

Es ist stets ein bisschen irritierend, wenn Großmäuler ausnahmsweise ganz leise sind, aber bei kaum einem Großmaul könnte das irritierender sein als beim „greatest of all times“. So nannte sich Muhammad Ali ja bereits, als er noch Cassius Clay war – ein exzellenter, kein epochaler Boxer.

What’s My Name – Muhammad Ali beharrte auf seinem neuen Namen

Wenn dieses bildgewaltige Denkmal in aller Stille vom schwarzen Bildschirm spricht, entsteht daher ein Moment der Ruhe, die lauter ist als jedes Gebrüll. Also absolut angemessen für den Größten aller Zeiten.

Nichts weniger als das war schließlich dieser Emporkömmling, der es vom Arbeitersohn aus Kentucky zum ersten wirklich globalen Popstar des Sports schaffte – ein Aufstieg, der ab heute Gegenstand einer HBO-Dokumentation auf Sky ist.

Und diese Doku beginnt zwar seltsam still, wird jedoch mit jeder Minute lauter, bis sie ihren Titel buchstäblich vom Bildschirm schreit: „What’s My Name?“ Der Schwergewichtsweltmeister fragt das vor 55 Jahren immer wieder immer wütender, als ihn ein Gegner beharrlich Clay statt Ali nennt, also beim „Sklavennamen“, nicht dem Nom de Guerre des konvertierten Muslims.

What’s My Name – fabelhaftes Porträt einer beispiellosen Karriere

Es ist nur ein winziger Ausschnitt dieses fabelhaften Porträts einer beispiellosen Karriere, doch sie kennzeichnet vieles, was daran mitreißt und abstößt: die Wut, den Ehrgeiz, das permanente Ringen um Gerechtigkeit, Applaus, Siege, Respekt für einen Kämpfer, der es von ganz unten über Berge und Täler nach ganz oben geschafft hat.

Der dort aber nie vergessen hat, woher er kommt. Junge wird groß, Großer wird riesig, Riese strauchelt, Strauchelnder fällt, Gefallener steht auf, Auferstandener bleibt (wenn es gut läuft) stehen oder beginnt (wenn es schlecht läuft) aufs Neue. Immer wieder. Wieder. Und wieder. Bis ins Happy End oder knapp davor.

In diesem Duktus wurden schon viele Sportbiografien erzählt: Jesse Owens und George Best, O. J. Simpson und Niki Lauda, Tiger Woods und gleich dutzendfach Muhammad Ali. Diese Lichtgestalt in ihrer ganzen Komplexität zu erfassen gelingt Antoine Fuqua eindrucksvoller als all den Biopics und Filmporträts der vergangenen 45 Jahre zuvor.

What’s My Name – Wenn Ali redet, klingt es wie Gospel ohne Chor

Bisweilen gerät die Geschichte des Showrunners zwar arg chronologisch, was dem Zweiteiler ein leicht konventionelles Aroma verpasst. Andererseits ist Clay/Ali eben nur entlang gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen von Rassismus über Bürgerrechtsbewegung, Blaxploitation, Vietnam bis hin zum konservativen Rollback der Regierung Reagan Anfang der Achtziger bei anschließender Liberalisierung unterm Nachfolger Clinton zu verstehen.

Entscheidend für die Qualität von Fuquas Werk ist demnach weniger das dokumentarische Handwerk, um ein derart vielschichtiges Boxerleben ohne jeden Kommentar zu schildern. Wichtiger ist sein ästhetischer Ansatz, bei dem man nie genau weiß, ob die zeitgenössische Hintergrundmusik nun der Soundtrack zu Muhammad Alis Geräuschpegel ist oder umgekehrt.

Wenn der Porträtierte redet, klingt es schließlich stets wie Gospel ohne Chor, wie Rap ohne Beat. Dieses rhythmische Stakkato der Selbstüberhöhung im Angesicht jahrhundertelanger Unterdrückung seiner Hautfarben- und Glaubensgenossen ist in jeder der Abertausend Tiraden, die den Film durchziehen.

What’s My Name – ein Film über die Zeit, als Sport noch richtig groß war

Doch erst gemeinsam mit dem federnden Kampfstil des Größten aller Zeiten wird aus dieser Tonlage ein Tanzfilm. Und er erzählt uns nicht nur etwas über ein soziokulturelles Gesamtkunstwerk, das vom „Rumble in the Jungle“ gegen George Foreman in Kinshasa bis zum zitternden Entzünden der Olympischen Flamme in Atlanta menschliche Bildhauerei betrieben hat. Noch verblüffender ist, was der Film über jene Ära erzählt, als Sport noch wirklich groß war, nicht nur heillos aufgebläht. Als Athleten Stellung bezogen, Haltung gezeigt und nicht nur ökonomisch geglättetes PR-Gewäsch abgesondert haben.

Und als Boxen der einzige Weg für Afroamerikaner war, dem Ghetto zu kommen. Was diesem einen Mann besonders eindrücklich gelang, dem man selbst sein Großmaul verzeiht. Dank dieses Films noch ein wenig mehr.

Von Jan Freitag/RND

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