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Fernsehen „Der große Rudolph“ in der ARD: Darum ist der Moshammer-Film sehenswert
Nachrichten Medien Fernsehen „Der große Rudolph“ in der ARD: Darum ist der Moshammer-Film sehenswert
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07:19 19.09.2018
„Schwarzenegger hat sich vom Rudi eine Fliegerjacke mit Goldzobel füttern lassen!“: „Mama" Else Moshammer (Hannelore Elsner) und „Rudi" Rudolph Moshammer (Thomas Schmauser). Quelle: Foto: WDR
München

Bilder, die Menschen von anderen Menschen haben, haben meist die Angewohnheit, äußerst stabil zu sein, also unverrückbar. Wer aus Bildern solcher Menschen biografische Filme macht – die das Branchenmagazin „Variety“ 1951 „Biopic“ getauft hat –, zeichnet die Figuren oft so, wie andere Menschen es nun mal erwarten. Das bedeutet in der Regel: unvollständig.

Beispiele: Weil der Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg als leuchtendes Beispiel in dunkler Zeit gilt, stellten Schauspieler von Sebastian Koch bis Tom Cruise den demokratiekritischen Offizier als makellosen Moralapostel dar, während Einheitsvater Helmut Kohl in Thomas Schadts TV-Porträt „Mann aus der Pfalz“ mit Spendenaffären nicht weiter behelligt wurde und Frauen wie Käthe Kruse, Bertha Benz und Margarethe Steiff am Bildschirm weitaus tougher waren als im 19. Jahrhundert denkbar. Biopics, kann man sagen, erzählen oft ein bisschen mehr von uns als den Titelfiguren.

Die extravagante Perücke und ein Yorkshire Terrier namens „Daisy“ waren seine Markenzeichnen. Rudolph Moshammers Leben und Wirken war von Exzentrik geprägt. Moshammers Ermordung in München sowie seine Beerdigung im Jahr 2005 zogen ein großes Medienecho nach sich. Tausende nahmen damals Abschied.

Rudolph Moshammer als Ankerpunkt der Bussibussi-Gesellschaft

Da hat Rudolph Moshammer noch mal Glück gehabt! Schon zu Lebzeiten nämlich galt er als Inbegriff von Münchens moralisch armer, materiell aber begüterter Bussibussi-Gesellschaft – sehr glamourös, aber ziemlich deppert. Und genauso betritt der schrille Modemacher 13 Jahre nach seinem Tod durch Erwürgen die Bühne eines bemerkenswerten Filmporträts. „Im Smoking sind alle gleich, a bissl wie Pinguine“, kommentiert er die Anprobe teurer Abendgarderobe in seinem Geschäft an der noblen Maximilianstraße und fügt in seifigem Bayerisch hinzu: „Aber ein guter Smoking betont das Individuum“. Fein lächelnd unterwandert kauft der Kunde da nicht nur ein edles Hemd zum Anzug, sondern gleich noch den Seidenmantel samt des Gefühls, Teil einer Kaste zu sein, die einer allein mit Glanz und Gloria versorgt: „Der große Rudolph“.

So nennt Alexander Adolph sein Biopic nach eigenem Drehbuch, das beginnt, wie man den eitlen Schneider der Schickeria in Erinnerung hat: Alle Gesten leicht drüber, jede Mimik affektiert, kein Satz ungekünstelt, kaum ein Charakter real. Thomas Schmauser spielt diesen „Rudi“, wie ihn Hannelore Elsner alias „Mama“ im ödipalen Klammerton nur nennt. Wer das erste Drittel dieser extravaganten Fiktion eines leibhaftigen Exzentrikers sieht, der um den Erhalt seines defizitären Herrenausstatters ringt, könnte demnach der Meinung sein, hier finde fortan eine Knallchargenparade à la RTL statt.

Slapstick oder Shakespeare?

Dann aber wendet der ARD-Mittwochsfilm das Blatt – und erzählt eine Geschichte von gelegentlich fast shakespeareschem Tiefgang. Als ihm seine standesbewussten Mäzene (herrlich aasig: Sunnyi Melles und Hanns Zischler) den beeinflussbaren Konstantin Graf von Antzenberg (in einer Doppelrolle: Robert Stadlober) als Großabnehmer an Land ziehen, entpuppt sich der vermeintlich so infantile Oberklassenclown Moshammer als philosophisch reflektierter Manipulator, der seiner Kundschaft erst psychisch, dann physisch den Spiegel vorhält. Zur Durchsetzung dieser Strategie macht er aus dem Mauerblümchen Evi (Lena Urzendowsky) eine Verkaufskanone nach eigenem Abbild und kommentiert die privatfernsehbeheizte Konsumgesellschaft der hedonistischen Achtziger damit ähnlich kühn, wie es Helmut Dietls „Kir Royal“ einst in Echtzeit tat.

Klingt nach zu hoher Messlatte? Dank der dezenten Musik von Julian Maas und Christoph Maria Kaiser, dank Franziska Aigners Casting jenseits oberflächlicher Schönheitskriterien und einer hochpräzisen Dialogregie überlagern die ersten zwei Silben von Tragikomödie die drei letzten um Längen! „Schwarzenegger hat sich vom Rudi eine Fliegerjacke mit Goldzobel füttern lassen“, umschwärmt die Mama den Grafen vorm Großeinkauf, wozu ihr Sohn nur „der Hund muss raus, der stinkt“ sagt.

Ein paar Tage im Leben von Rudolph Moshammer

Verglichen mit anderen Biopics widersteht „Der große Rudi“ also nicht nur der Versuchung, den spektakulären Mordfall von 2005 als Resultat eines bizarren Lebens von der Wiege bis zur Bahre zu inszenieren; er verengt den Blickwinkel gar auf drei, vier Tage im 65-jährigen Dasein von Rudolph Moshammer.

Sicher, das Bild dieses mal jähzornigen, mal anlehnungsbedürftigen, stets wohltätigen, zugleich rettungslos gefallsüchtigen Alphatiers dürfte nach diesem Film kein grundsätzlich neues sein. Doch deutlich mehr Facetten einer Figur zu zeigen als die hinlänglich bekannten: davon darf sich so manches Filmporträt künftig ein Scheibchen abschneiden.

„Der große Rudolphmit Thomas Schmauser und Hannelore Elsner läuft am Mittwoch, 19. September, um 20.15 Uhr im ARD.

Von Jan Freitag

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