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Medien Der „Rosamunde Pilcher“-Film wird 150 – In Cornwall scheint immer die Sonne
Nachrichten Medien Der „Rosamunde Pilcher“-Film wird 150 – In Cornwall scheint immer die Sonne
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14:44 21.05.2019
Typisch Pilcher: Ein sich anschmachtendes Pärchen – in diesem Fall Kim (Paula Schramm) mit ihrem Mann Patrick (Max Hemmersdorfer) – steht an den pittoresken Klippen von Cornwall. Quelle: Foto: Jon Ailes/ZDF
Mainz

Romantik rundet! Am Sonntag zeigt das ZDF den 150. „Rosamunde Pilcher“-Film. Seit über 25 Jahren erfreut das „Zweite“ die überwiegend weiblichen Fans mit romantischen Geschichten aus Cornwall. Das große Plus der Reihe, sagt „Pilcher“-Produzent Michael Smeaton, ein Westfale mit schottischen Wurzeln, sei die Verlässlichkeit: „Pilcher-Filme behandeln Themen wie Liebe und Leidenschaft. Das kann sich durchaus auch mal dramatisch entwickeln, aber es gibt eine Happy-End-Garantie; man kann sich darauf verlassen, dass nicht im dritten Akt eine der Hauptfiguren stirbt. Am Schluss sind alle glücklich.“ Außerdem scheint in Cornwall immer die Sonne.

Pilcher – die Macher weisen den Kitschverdacht strikt von sich

Weitere verlässliche Merkmale sind die unvermeidlichen Kameraflüge über die Küste sowie der konsequenten Verzicht auf Sex und Gewalt. Zur Wahrheit gehört aber auch der Vorwurf, die Filme seien „Kitsch von gestern“. Smeaton weist das empört zurück: „Wir produzieren Liebesfilme im besten Sinne, das ist kein Kitsch, sondern Romantik.“

Außerdem sei die ästhetische Gestaltung eine völlig andere als in den Neunzigerjahren, die Geschichten seien heute viel moderner, „zumal wir immer auch gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen.“ ZDF-Redakteurin Andrea Klingenschmitt, die die Reihe seit dem Start 1993 betreut, reagiere auf den Vorwurf mittlerweile „ganz leidenschaftslos“, wie sie versichert. „Für uns wie auch für die Zuschauer ist entscheidend: Wo ‚Rosamunde Pilcher’ draufsteht, muss auch ‚Rosamunde Pilcher’ drin sein.“

Pilcher – die Filme thematisieren auch Homosexualität

Dass die Geschichten nicht von gestern seien, belege zum Beispiel der Film „Die Braut meines Bruders“, den das ZDF anlässlich des Todes der Schriftstellerin gezeigt habe; darin geht es um einen homosexuellen Profifußballer. Zu den „ganz normalen Dingen des Lebens“, mit denen sich die Geschichten befassten, gehöre auch das Thema des Jubiläumsfilms „Schwiegertöchter“, der von den Konflikten zwischen Anhängern von Naturkosmetik und Naturheilmitteln sowie der Schulmedizin handelt. Die positiven Rückmeldungen zeigten, „dass wir mit unseren Themen auf dem richtigen Weg sind. Sonst würden wir auch keine neuen Zuschauer gewinnen.“

Gerhard Bliersbach hat einen ganz anderen Blick auf die Reihe. Der Diplom-Psychologe hat vor einigen Jahren ein ebenso interessantes wie kenntnisreiches Buch über die Psychohistorie des westdeutschen Nachkriegsfilms geschrieben („Nachkriegskino“, Psychosozial-Verlag). Er sieht überraschende Parallelen zu den schwarzweißen Edgar-Wallace-Krimis der Sechzigerjahre. Beide Genres nutzten Großbritannien als Projektionsfläche: „Die Wallace-Filme haben die verbrecherischen Abgründe der jungen Bundesrepublik auf ein unverfängliches Terrain transponiert, um von der Kehrseite des Wirtschaftswunders erzählen zu können.“

Pilcher – Sehnsuchtserfüller wie die Heimatfilme der Fünfzigerjahre

Auf ganz ähnliche Weise erfolge nun eine Transposition der Hoffnungen und Träume auf die britische Insel. Dieses „Liebäugeln mit fremdem Reichtum“ und der Sehnsucht nach einer im Großen und Ganzen heilen Welt erfüllt für den Psychotherapeuten die gleichen Bedürfnisse wie die Heimatfilme der Fünfzigerjahre und passt aus seiner Sicht „zu unserer Zeit eines tiefen Unbehagens an den demokratischen Verhältnissen.“

Die Pilcher-Freundinnen werden der Reihe die Treue halten, zumal das Publikum nachwächst; laut Smeaton gibt es mittlerweile viele Zuschauerinnen um die vierzig, die noch vor zehn Jahren einen großen Bogen um die Filme gemacht hätten. Diese Begeisterung ist allerdings ein vorwiegend deutsches Phänomen. Der Produzent berichtet, im Sommer würden „ganze Busladungen mit deutschen Touristen durch Cornwall gekarrt, die sind dort ein echter Wirtschaftsfaktor.“

PIlcher – Die Filme haben wenig mit der englischen Realität zu tun

Die Engländer verstünden das nur bedingt, „denn unsere Filme haben natürlich nicht viel mit der englischen Realität zu tun.“ Die Fans, versichert er, bräuchten sich auch nach dem Tod der Schriftstellerin keine Sorgen um den Fortbestand der Reihe machen: „Rosamunde Pilcher hat eine enorme Anzahl von Kurzgeschichten verfasst, lange vor ihrem Durchbruch. Viele sind in englischen Frauenzeitschriften erschienen, aber viele sind noch unveröffentlicht“ - und die Filmrechte liegen alle bei Smeatons Produktionsfirma FFP New Media.

Von Tilmann P. Gangloff/RND

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