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08:14 08.07.2014
Foto: „Lärm ist, wenn es stört“: Geräuschemissionen machen weltweit Millionen Menschen krank – beispielsweise in Schanghai.
„Lärm ist, wenn es stört“: Geräuschemissionen machen weltweit Millionen Menschen krank – beispielsweise in Schanghai. Quelle: dpa
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Aber wie genau wirkt sich die dauernde Geräuschbeschallung auf die Gesundheit aus? Und wieso tut eigentlich niemand etwas dagegen? Das beleuchtet der arte-Themenabend „Lärm ohne Grenzen“ heute Abend in den beiden aufwendig recherchierten Dokumentationen „Unser täglich Lärm“ (20.15 Uhr) und „Lärm macht kaputt“ (21.10 Uhr).

Was genau ist eigentlich „Lärm“? „Lärm ist, wenn es stört“, erklärt eine Forscherin so simpel wie einleuchtend. Das Rauschen von Meeresbrandung kann zwar so laut sein wie eine viel befahrene Straße, wirkt aber entspannend. Dagegen können unerwünschte Geräusche sogar einfachste Bürotätigkeiten wie das Abtippen von Texten beeinträchtigen, wie ein Versuch zeigt.

Lärm gilt als eines der meistunterschätzten Umweltprobleme. Die EU schätzt die Sozialkosten, die allein durch Verkehrslärm entstehen, auf 40 Milliarden Euro im Jahr. Lärmschwerhörigkeit ist eine der häufigsten Berufskrankheiten. Anders als früher ist die Dauerbeschallung in der Freizeit heute das größere Problem im Vergleich zum Lärm am Arbeitsplatz. 15 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Hörverlust oder Hörschäden, immer öfter sind schon junge Leute betroffen. Viele Teens und Twens hören zu oft zu laut Musik über ihre Player. Das Problem fängt aber vielfach bereits im Kinderzimmer an – Spielzeug für die Kleinsten ist oft extrem krawallig.

Dabei kann extreme Laustärke schon in wenigen Augenblicken das Gehör irreversibel schädigen. Vor diesem Hintergrund wird auch vor dem beliebten „Bussi aufs Ohr“ gewarnt: Der Schmatzer bringt es tatsächlich auf bis zu 130 Dezibel – und ist damit eine hochriskante Liebesbezeigung.

Lärm zerstört aber nicht nur das Hörvermögen, sondern kann sogar tödlich sein. Der Chefkardiologe der Mainzer Uniklinik erklärt, dass nächtlicher Lärm den Körper in einen Alarmzustand versetzt. Folge: Der Blutdruck steigt, Herzinfarkt oder Schlaganfall drohen. Die Autoren der Dokumentation besuchen Menschen, die unter Zugtrassen mit Güterverkehr, Flughäfen mit Starts und Landungen im Minutentakt und vielspurigen Straßen leiden. Und sie gehen der Frage nach, warum die Politik nach Ansicht vieler Experten nicht genug gegen das akustische Problem unternimmt. Denn Lärm sei schließlich der Sondermüll einer hoch industrialisierten Gesellschaft – und eigentlich prinzipiell vermeidbar.

Zu den interessantesten Stellen des Themenabends gehört auch ein kurzer Blick hinter die Kulissen der Firma Mood Media. Das hoch spezialisierte Unternehmen erzeugt die Geräuschberieselung in Bekleidungsgeschäften oder Banken und hilft mit gezielter Musikauswahl, die Stimmung und damit die Kaufbereitschaft ihrer Kunden zu optimieren.

Die Playlist wird dabei genau auf Tageszeit und Klientel des Geschäfts abgestimmt – wenn also ein Erwachsener um die 40, 50 Jahre eine Jeansboutique sofort rückwärts wieder verlassen will, weil er die Popbeschallung als quälenden Klangbrei empfindet, dann kommt das nicht von ungefähr: Er gehört einfach nicht zur Zielgruppe des Ladens. Und wird verscheucht wie eine lästige Taube.

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