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Medien & TV Zwei HR-Reporter reisen mit dem Elektroauto - und scheitern an sich selbst
Nachrichten Medien & TV Zwei HR-Reporter reisen mit dem Elektroauto - und scheitern an sich selbst
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16:47 18.09.2019
XB4G4BRG6ND7TFIONU6TEUQ5HM Quelle: Hessischer Rundfunk
Frankfurt

Elektroautos gelten spätestens seit dem Dieselskandal als große Hoffnung der Autoindustrie. Und auch bei Autokäufern haben sie sich inzwischen eine kleine Fanbasis erkämpft: Eingefleischte E-Auto-Fans schwören auf die vermeintlich saubere Alternative des Autofahrens, während es von anderen Autofahrern harte Kritik hagelt: Zu wenig Reichweite, schlechte Umweltbilanz, schlechte Versorgung von Ladestationen, zu hoher Preis – so die oft formulierte Kritik.

Genau in diesem Konfliktfeld bewegt sich auch eine Servicereportage des Hessischen Rundfunks. Der Sender hat zwei seiner „Hessenreporter“ auf eine Extremreise geschickt. Mit einem von Audi zur Verfügung gestellten e-tron und einem Wohnwagen sollten die Moderatoren Anne-Katrin Eutin und Oliver Mayer von Frankfurt an die italienische Riviera reisen. Dabei musste auch der Gotthardpass über die Schweizer Alpen mit dem Elektroauto überquert werden. Der Film der beiden Reporter wurde am Dienstagabend im Fernsehen ausgestrahlt und ist auch auf Youtube zu sehen.

Produziert ist die Sendung im Stile eines Youtube-Vlogs. Anne und Oliver albern herum, singen, fluchen, reißen jede Menge schlechte Witze. Die „witzigen Gedanken“ der beiden Moderatoren werden dabei in einer kleinen Einblendung am unteren Bildschirmrand präsentiert.

Und schon in den ersten Minuten der Sendung wird klar, wohin die Reise tatsächlich führt: ins absolute Chaos. Oder um es genau zu sagen: Die beiden Protagonisten stellen sich auf ihrem elektrischen Urlaubstrip so doof an, dass man ihnen am liebsten den Führerschein entziehen würde.

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„Ich weiß gar nicht, wie man so ein Ding fährt“

Der Film beginnt mit ein paar knalligen Effekten, Jump Cuts und einem Teaser auf die große Reise. Während Oliver den „Zapfhahn“ der Elektroauto-Ladesäule zur Pistole umfunktioniert („Bäm, bäm, bäm, bäm“), resümiert Anne: „Ich bin in diesen Tagen um zehn Jahre gealtert.“ Und schon kurz darauf wird das erste Drama gezeigt: das Anhängen des Wohnwagens.

„Ich weiß gar nicht, wie man so ein Ding fährt“, gibt Oliver mit Blick auf den Audi zu. „Ich dachte einfach wie ein normales Auto“, meint Anne. Es folgt ein Manövriervorgang in Richtung Wohnwagenkupplung. „Handbremse“, ruft Oliver. „Ich mach nie die Handbremse an“, entgegnet Anne. „Das rollt sonst“, schlussfolgert Oliver.

Und ungefähr so geht es dann auch weiter. Die „Highlights“ in Kurzform.

„Das ist fast grenzwertig, das in den Film reinzuschneiden“

  • Auf einem Rastplatz mit Ladesäule versucht Anne das Fahrzeug samt Wohnwagen rückwärts zu manövrieren – und rammt dabei fast einen fremden Bulli. „Ich kann doch noch ein bisschen“, ruft die Moderatorin. „Stopp“, schreit Oliver. „Dieses Ding da ist beinahe am Auto dran, wirklich jetzt.“ Beide brechen in Gelächter aus.
  • Campingplatzbetreiber „Herr Motz“ erklärt den beiden Protagonisten, dass beim Wohnwagen wohl die Handbremse angezogen war. „Ist das schlecht?“, fragt Oliver. „Also, ihr seid aber wirklich Idioten“, entgegnet Motz. „Lassen Sie mich mal ran, vielleicht kann man noch was retten.“
  • Im schweizerischen Schattdorf scheitern Anne und Oliver an einer Ladesäule. Diese bricht ständig den Ladevorgang ab – und dann bekommen die beiden Moderatoren zu allem Überfluss den Ladestecker nicht mehr aus dem Auto. „Hatten Sie so was schon mal“, fragt Anne die Servicemitarbeiterin des Unternehmens Ionity am Telefon. „Ähh, nein“, entgegnet diese. Nach mehr als anderthalb Stunden löst sich – offenbar ohne fremde Hilfe – dann doch der Ladestecker aus dem Auto. Ob das Problem jetzt am Auto oder an den Moderatoren lag, wird sicherheitshalber nicht aufgeklärt.
  • Angekommen in Italien treffen Anne und Oliver auf einem Rastplatz eine Familie aus Norwegen, die zufälligerweise mit demselben Elektroauto unterwegs ist. 2000 Kilometer haben die Norweger bereits auf ihrer Reise zurückgelegt. Anne will wissen, wie es bislang so lief. Ihr Fazit: Richtung gut. Die Fahrerin lobt sogar die Ionity-Ladesäulen – die, an der Anne und Oliver auf ihrer Reise gleich mehrmals gescheitert sind.
  • An einer Mautstation suchen die Moderatoren ihr Kleingeld zusammen und halten den ganzen Verkehr auf, weil Anne nicht an den Automaten kommt. Beide finden das sehr witzig.
  • In Italien versucht Anne aufs Neue, den Wohnwagen rückwärts zu manövrieren. Diesmal endet der Versuch mit einem kaputten Auto. Während Oliver noch „Weiter, weiter, weiter“ und „Kannst noch, kannst noch, kannst noch“ ruft, quetscht sich die Anhängerkupplung bereits ins Blech des Autos und hinterlässt eine dicke Beule. „Du hast das Auto kaputt gemacht“, ruft der Moderator. Nach der missglückten Aktion resümiert Oliver: „Das ist fast grenzwertig, das in den Film reinzuschneiden.“ Anne entgegnet: „Ich will es gar nicht rausschneiden“ – und erntet einen verwunderten Blick. Anne ist sich derweil sicher, dass es doch ziemlich „frech“ sei, dass Anhängerkupplungen überhaupt so konzipiert seien, dass sie „das Auto zerstören können“.
  • Der Film endet mit einem weiteren gescheiterten Ladeversuch an einer italienischen Stromsäule (Hinweis: Auch diesmal liegt das Problem nicht an der Ladesäule). Einem angerufenen Servicemitarbeiter des Unternehmens wird es offenbar zu bunt – er legt auf.

Die Mission Cinque Terre ist zu diesem Zeitpunkt bereits gescheitert. Ihren Zielort haben die beiden Moderatoren innerhalb von vier Tagen nicht erreichen können. Im Sonnenuntergang ziehen sie ihr Fazit: „Wir sind nicht dort, wo wir sein wollten“, sagt Anne. Beim Elektroautofahren brauche man „eine sehr große Offenheit für unerwartete Situationen“. Die Idee eines Elektroautos finde die Moderatorin zwar „immer noch gut. Aber verreisen möchte ich so nicht.“ Auch Oliver resümiert: „Ich bin viel gestresster, als bevor ich losgefahren bin.“

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„Dieser Bericht ist für die Tonne“

Bei vielen Zuschauern auf Youtube kommt der Selbstversuch der beiden Moderatoren gar nicht gut an: „Zwei Leute, die keine Ahnung von Elektroautos, keine Ahnung vom Fahren mit Anhänger und keine Ahnung von Camping haben, werden auf einen 1000-Kilometer-Trip mit einem Elektroauto samt Wohnwagen geschickt. Was soll da schon schiefgehen?!“, schreibt einer.

Ein anderer analysiert: „Ich habe noch nie Menschen gesehen, die so wenig Ahnung von irgendwas haben. Sorry, zwei echt sympathische Menschen, aber was sind eure Talente? Ach warte mal, ihr seid mega unterhaltsam! Dieser Bericht ist allerdings trotzdem für die Tonne, denn das spiegelt nicht im Entferntesten wider, wie das Ganze hätte aussehen können. Man hätte die Norweger dabei mal filmen sollen, die ihr getroffen habt, das hätte Sinn gemacht.“

Ein anderer gibt zu bedenken: „Die beiden wirken jetzt eher nicht so, als ob sie einen Anhängerführerschein gemacht hätten.“ Ein weiterer kommentiert gar die Fahrweise der Moderatoren: „Super! Mittelspurschleichen und bei drei Spuren mit Anhänger ganz links fahren. Echte Urlauber unterwegs!“

Ein Trauerspiel der Selbstinszenierung

Haben die Zuschauer recht? Oder zeigt die HR-Reportage vielleicht doch einfach nur die Unbrauchbarkeit von Elektroautos auf langen Reisen?

Wohl kaum. Denn der Versuch an sich schien bei dem Experiment gar nicht im Mittelpunkt zu stehen. Viel wichtiger war den Moderatoren offenbar ihre Selbstinszenierung als witzige und sympathisch-tollpatschige E-Auto-Neulinge. Noch dazu wirkt die Doku, als hätte das Moderatorenpaar eigentlich gar keine Lust auf die Herausforderung gehabt – und als habe das Ergebnis eigentlich schon von vornherein festgestanden.

Am Ende steht ein launiges Schauspiel, das stellenweise sogar ganz unterhaltsam ist – mehr aber dann auch nicht.

Von Matthias Schwarzer/RND

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