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Medien & TV ZDF freut sich auf königliche Champions League-Quoten
Nachrichten Medien & TV ZDF freut sich auf königliche Champions League-Quoten
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17:39 24.05.2013
Von Tatjana Riegler
Das Champions-League-Finale bringt dem ZDF Traumquoten.
Das Champions-League-Finale bringt dem ZDF Traumquoten.
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Mainz

Genau will er sich gar nicht festlegen. „Eine Zwei sollte vorne stehen“, sagt ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz, „der Rest wäre Zugabe.“ Zugabe zu einer traumhaften Champions-League-Premiere, Zugabe zu den bisher enormen Einschaltquoten, zu einem historischen Finale ohnehin. Mehr als 20 Millionen Menschen, davon ist bei realistischer Betrachtung auszugehen, werden am Sonnabendabend beim Endspiel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München im Londoner Wembley-Stadion live vor den Fernsehbildschirmen mitfiebern. „Das ist das märchenhafte Ende einer ersten Saison, die unsere Erwartungen übertroffen hat“, sagt Gruschwitz.

Erwartungsdruck? Mitnichten. Für die Mainzer hätte diese Saison kaum besser laufen können: Erstmals übernahmen sie die „Königsklasse“ des Vereinsfußballs – und prompt steht ihnen ein deutsches Endspiel ins Haus. Gewinnt der Favorit aus München? Oder doch Verfolger BVB? Die sportliche Ausgangslage ist brisant, spaltet und fesselt die Fußballnation – und der erste Sieger heißt ZDF.

Die Mainzer dürfen sich derzeit fühlen wie nach einem Sechser im Lotto: Für geschätzte 54 Millionen Euro pro Saison haben sie die Übertragungsrechte der Champions League im vergangenen Jahr gekauft; der Mitbieter und vorherige Champions-League-Sender SAT.1 war bei diesem Preis ausgestiegen. Dem öffentlich-rechtlichen ZDF brachte der Dreijahresvertrag mit der Europäischen Fußball-Union (UEFA) allerdings viel Kritik ein. Doch die Investition machte sich schon während der Finalrunden bezahlt: 15,91 Millionen Fußballfans sahen am 1. Mai im ZDF das Halbfinal-Rückspiel der Bayern in Barcelona, der Marktanteil lag bei 46,2 Prozent. Bereits dies bedeutete einen Rekord: Es war das meistgesehene Halbfinale in der Champions-League-Geschichte. Das Halbfinal-Hinspiel der Borussen gegen Real Madrid stand dem mit 13,7 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 43,8 Prozent kaum nach. Selbst die kurze Zusammenfassung des Bayern-Hinspiels gegen Barcelona – live hatte nur der Bezahlsender Sky übertragen – wollten sich 7,78 Millionen Fans nicht entgehen lassen. Nach 23 Uhr, wohlgemerkt.

Das Interesse am Finale wird hinter all diesen Zahlen nicht zurückbleiben. Die bisherige Champions-League-Bestmarke von 16,79 Millionen Zuschauern, erreicht von SAT.1 im Endspiel des Vorjahres zwischen Bayern und dem FC Chelsea, wird fallen, so viel ist sicher. Mehr noch: Der deutsche Abend in Wembley dürfte dem ZDF Länderspiel-Quoten bescheren. „Ganz Fußball-Deutschland wird vor dem Bildschirm mitfiebern“, heißt es beim Sender. Das passiert sonst nur bei Spielen der Nationalmannschaft, bei denen regelmäßig mehr als 20 Millionen Fans am TV-Gerät sitzen. Dabei gilt die Formel: Je wichtiger das Spiel, je fortgeschrittener eine Europa- oder Weltmeisterschaft, desto mehr Menschen lassen sich von der Sogkraft des Fußballs mitreißen. Einsamer Spitzenreiter ist das WM-Halbfinale 2010 gegen Spanien, bei dem sogar erstmals eine Drei vorne stand, um es mit Gruschwitz zu sagen. Das WM-Halbfinale 2006 zwischen Deutschland und Italien war an dieser Hürde noch knapp gescheitert.

Den glanzvollen Saisonabschluss kann aus ZDF-Sicht selbst Sky nicht verderben: Nachdem die deutsche Paarung feststand, hatte der Pay-TV-Sender angekündigt, das Finale im frei empfangbaren 3-D zu übertragen. Man darf das getrost als geschickten Werbeschachzug werten, um neue Kunden zu gewinnen. Nach der Saison ist vor der Saison. Offiziell betont man beim ZDF, dass die Quotenerwartungen dadurch nicht gedämpft seien, schließlich habe man die Saison zur besten Zufriedenheit der Zuschauer gemeistert. Und doch soll das Vorhaben von Sky ein leichtes Stirnrunzeln auf dem Lerchenberg verursacht haben, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Auch ohne Exklusivität schickt das ZDF 23 Mitarbeiter nach London. Sie stimmen bereits am Freitag in einer Sondersendung von 19.25 Uhr an auf das Endspiel ein. Die Partie wird Bela Réthy kommentieren, die Moderation vor Ort übernehmen Oliver Welke und Oliver Kahn, der wohl emotionsloseste Experte der „Königsklasse“. Dafür dürfte Sky-Kommentator Marcel Reif den Bayern-Fans ein Fanklub-Gefühl verleihen.