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Medien & TV Sie wollen Deutschland beim ESC vertreten
Nachrichten Medien & TV Sie wollen Deutschland beim ESC vertreten
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00:20 16.01.2015
Einer von acht Kandidaten: Das Berliner Frauenquartett Laing um Leadsängerin Nicola Rost macht „Minimal-Elektro, Pop und R ‘n‘ B“.
Einer von acht Kandidaten: Das Berliner Frauenquartett Laing um Leadsängerin Nicola Rost macht „Minimal-Elektro, Pop und R ‘n‘ B“. Quelle: HAZ Montage
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Hannover

Natürlich: Platz 18 war dann doch ziemlich enttäuschend für das Trio Elaiza vor einem Jahr beim Eurovision Song Contest in Kopenhagen. Aber es war eben nicht das Jahr des Neofolk mit Kontrabass und Akkordeon. Es war das Jahr einer bärtigen Diva, deren pompöse Überlebensballade „Rise Like a Phoenix“ in den hitzigen Zeiten der russisch-europäischen Vertrauenskrise für ein paar Tage zur Menschenrechtshymne eines Kontinents wurde, der sich so gern als tolerant und weltoffen feiert.

„Unser Song für Österreich“ am 5. März in der Tui-Arena

Und wer vertritt Deutschland nun am 23. Mai 2015 bei der 60. Ausgabe der größten Musik-Liveshow der Welt in Wien? So viel steht fest: Wieder werden es musikalische Novizen sein, denn ARD und NDR setzen beim deutschen Vorentscheid „Unser Song für Österreich“ am 5. März in der Tui-Arena in Hannover stärker als je zuvor auf den musikalischen Müsli-Mix aus No-Names und nationalen Neulingen. „Unsere Auswahl für Hannover hat sich an der Qualität der Songs und der Musiker orientiert“, sagt ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. „Wir haben viele Songs gehört, unser Abstimmungsergebnis war am Ende eindeutig und einvernehmlich.“
Die Bandbreite ist groß – um nicht zu sagen: verwegen: Von Drehorgel, Harfe und Dudelsack bis zu qualmenden Synthesizern, von Singer-Songwriter-Weltschmerz bis zu risikofreiem Radiopop ist alles dabei. Das Publikum erwarten mittelalterlich-keltische Mondfreaks aus der Neuheidenszene, eine ehemalige No-Angels-Backgroundsängerin, ein elektronisches Frauentrio mit eingebauter Tänzerin. Was dankenswerterweise fehlt: Hardrocker mit Masken, Elfen mit Trickkleidern und hupende Seehunde.

Barbara Schöneberger moderiert Clubkonzert

Die acht Teilnehmer – die wir exklusiv verraten – warten allesamt noch auf den ganz großen Durchbruch oder haben sich mit voller Absicht in der experimentellen Nische eingekuschelt. Die Titel, mit denen sie antreten, stehen noch nicht endgültig fest. Ausgewählt wurden sieben der acht Interpreten vom NDR, der Produktionsfirma Brainpool, den Plattenlabels Sony, Universal und Warner, mehreren Independent-Labels sowie den sogenannten „Jungen Wellen“ der ARD-Radios. Der achte Teilnehmer wird bei einem Clubkonzert am 19. Februar in der „Großen Freiheit“ in Hamburg ermittelt. Junge Bands konnten sich per Video dafür bewerben. Dass dieses Prinzip unter Umständen eine Perle ans Licht befördert und die Wildcard direkt ins Finale führen kann, haben 2014 Elaiza gezeigt. Moderatorin beim Clubkonzert und beim Vorentscheid ist Barbara Schöneberger.

Fahrenhaidt

Berlin

Die Berliner Produzenten Erik Macholl und Andreas John möchten mit ihrem elektronisch-akustischen „Nature-Pop“-Projekt „Fluchtpunkte aus den Irrungen und Wirrungen des Alltags“ schaffen. Ist sicher nett gemeint. Klingt aber arg verkopft.

Erinnert an: Modeschule, Kreativmeetings, Metall

Alexa Feser

Wiesbaden

Die 35-jährige Wiesbadenerin jobbte als DJ, Zeitungszustellerin und Flugbegleiterin, um ihre Singer-Songwriter-Leidenschaft zu finanzieren (Debütalbum: „Gold von morgen“). Sie will am Piano aus „Wunden Weisheiten machen“. Puh.

Erinnert an: Wunden, Weisheiten, Wollmützen

Mrs. Greenbird

Köln

Die Stars des diesjährigen Aufgebots standen 2012 gleich mit ihrem Debütalbum „Mrs. Greenbird“ an der Chartspitze. Sarah Nücken und Steffen Brückner nennen ihr Wirken „Singersongwrotercountryfolkpop“, womit dann wohl für alle gesorgt wäre.

Erinnert an: Maiskolben, Nashville, Truckstops

Andreas Kümmert

Schaippach

Der 27-Jährige mit Trendfrisur und Grunge-Wurzeln aus Schaippach in Unterfranken war im Dezember 2013 „The Voice of Germany“. Er macht Geradeausrock und nicht viel Aufhebens, was grundsätzlich ja erst mal sympathisch ist.

Erinnert an: Pu der Bär, Kawasaki, Wacken

Faun

Gräfelfing

Die sechs Mittelalter-Freaks kombinieren seit 2004 für ihren deutschsprachigen „Pagan Folk“ mit Erfolg Drehleier, Harfe und Dudelsack. Die ­etwas weltentrückte Szene mag‘s. Beim ESC geht der Trend aber eher weg von Selbstgestricktem.

Erinnert an: Ruß, „Peer Gynt“, Getreidebrei

Laing

Berlin

Das Berliner Frauenquartett Laing um Leadsängerin Nicola Rost macht „Minimal-Elektro, Pop und R ‘n‘ B“. Fest im Team: Tänzerin Marisa Akeny. Das Album „Paradies Naiv“ und die Single „Morgens immer müde“ sorgten für eine treue Fanbase.

Erinnert an: ironische Hipster-Partys, Broccoli

Noize Generation

München

Ein „Z“ im Bandnamen – das sieht nach Szene aus. Produzent Jewgeni „Jeff“ Grischbowski aus München hat Hits von OneRepublic oder den Gorillaz (Z!) remixt und sucht „die Balance zwischen Elektro-Touch und dem akustisch Fruchbaren“. Nun ja.

Erinnert an: Kunst, 1999, Kosmetikstudios

Sieger der Wild Card

Wer das achte Ticket zum Vorentscheid zieht, entscheidet das Publikum am 19. Februar bei einem Clubkonzert in Hamburg (22 Uhr, live im NDR Fernsehen und bei www.eurovision.de). Wer daran teilnimmt, steht noch nicht endgültig fest.

Erinnert an: Elaiza, Probenkeller, Sechserträger

Es ist – was die Strahlkraft des Vorentscheids angeht – zweifellos mutig, sich ohne ganz großes Zugpferd an das Unternehmen ESC 2015 zu wagen. Andererseits war seit dem Sieg der Ukrainerin Ruslana 2004 kein ESC-Sieger ein großer nationaler Star. Sagen wir‘s, wie es ist: Der ESC ist der traditionsreichste Pop-Nachwuchswettbewerb der Welt. Nationale Superstars haben im ESC-Zirkus unter dem unbarmherzigen Druck einer 180-Sekunde-Bestleistung – die bitte schön auch noch perfekt den Zeitgeist spiegelt – traditionell keinen Promi- oder Promo-Bonus. Kate Ryan flog 2006 für Belgien im Halbfinale raus, ebenso DJ Bobo 2007 für die Schweiz. Bonnie Tyler landete 2013 für England auf Platz 19. Berühmt sein hilft nicht. Gut muss man sein.

Der heimliche Wunsch manchen deutschen Fans, es möge sich 2015 doch bitte Helene Fischer in die Höhle der Löwen begeben, erfüllt sich also nicht. Am Ende ist es besser so. Gut möglich aber, dass es zumindest bei den musikalischen Gästen des Vorentscheids das eine oder andere überraschende Wiedersehen gibt.

Tickets für den ESC-Vorentscheid „Unser Song für Österreich“ am 5. März in der Tui-Arena in Hannover gibt es ab 19,90 Euro unter www.unser-song-fuer-oesterreich.de  und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

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