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Medien & TV „Tatort“-Kritik: Nie richtig spannend – und doch unterhaltsam
Nachrichten Medien & TV „Tatort“-Kritik: Nie richtig spannend – und doch unterhaltsam
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20:58 26.05.2019
Kriminalkommissar Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer, m.) überbringt den beiden Kriminalhauptkommissaren Ivo Batic (Miroslav Nemec, l.) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, r.) eine Nachricht. Quelle: BR/Wiedemann & Berg Television GmbH & Co. KG/Johann Feindt
München

Seit Markus Söder Ministerpräsident ist, hat sich offenbar einiges im Land der Bayern verändert: Da liegt mitten im sommerlichen München ein in Ehren ergrauter Kommissar mit seinem Kollegen entspannt auf einer Wiese im Park und raucht mit sichtbarem Genuss einen Joint. Und dann traut man seinen Augen nicht. Der kiffende Polizeibeamte ist tatsächlich kein Geringer als Ivo Batic (Miroslav Nemec), einer der dienstältesten Ermittler der „Tatort“-Reihe. Und, wie man in all den Jahren vorm Fernseher ja gesehen hat, eigentlich ein ordentlicher deutscher Beamter.

Aber es wird sowieso erstaunlich viel gekifft in diesem von Andreas Kleinert inszenierten Münchner-„Tatort – Die ewige Welle“ (Drehbuch: Alex Buresch, Matthias Pacht). Entsprechend leicht und beschwingt kommt dann auch der gesamte Film daher, obwohl er eigentlich von einer Tragödie erzählt. Und der dabei wehmütig an längst vergangene rebellische Jugendtage seiner Figuren erinnert, die später irgendwann in ein bürgerliches Leben brav abgebogen sind.

Der alternde Surfer im „Tatort“: Ein Mann auf der ständigen Flucht

Aber es gibt einige wenige Ausnahmen von dieser bürgerlichen Regel, und vor allem von ihnen erzählt dieser Krimi, der eigentlich nie richtig spannend ist, allerdings dank seiner ungewöhnlich bunten Typen gut unterhält.

Eine dieser Ausnahmen ist der alternde Surfer Mikesch, ein Mann, der ständig auf der Flucht ist, vor sich und dem Erwachsen-Werden. Und der als ewiger Loser nie etwas Vernünftiges auf die Reihe gebracht hat, weder in der Liebe noch im Beruf. Er schlägt sich halt stets irgendwie durch – nicht immer mit ganz legalen Mitteln, und seine Freizeit verbringt der leidenschaftliche Surfer am liebsten an der künstlich angelegten Wellenanlage am Eisbach, wo sich die Münchner Surferszene trifft. Dort würde er noch heute surfen, wenn er nicht eines Abends auf dem Heimweg von einem Junkie niedergestochen worden wäre. Und so landet er ernsthaft verletzt im Krankenhaus.

Wiedersehen nach 30 Jahren im „Tatort

Damit beginnt dieser Film, und im Krankenhaus kommt es dann zu einer überraschenden Begegnung. Als die beiden Kommissare Batic und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) Mikesch vernehmen wollen, stellt sich heraus, dass er ein früherer guter Freund von Leitmayr gewesen ist. Beide haben in den 80ern ihren Summer of Love surfend in Portugal verbracht, natürlich mit ganz großen Aussteigerplänen und zusammen mit Frida (Ellen ten Damme), in die sie beide verknallt gewesen sind.

Die großen Pläne und Träume sind dann jedoch wie Seifenblasen zerplatzt, weil Leitmayr mit dieser Dreierbeziehung nicht zurechtgekommen ist. Und nun nach mehr als 30 Jahren kommt es zu einem Wiedersehen.

Lesen Sie hier:
Daher kennt man Ellen ten Damme

Die wilde Jugendzeit kauft man Kommissar Leitmayr nicht ab – egal

Da Leitmayr in seinen mittlerweile 28 Dienstjahren seine wilde Jugendzeit mit keinem Wort erwähnt hat, kauft man sie ihm jedoch nicht so recht ab, ja, sie wirkt sogar wie schlecht ausgedacht. Gewiss eine von mehreren Schwächen des Films.

Gleichwohl kann man über solche Drehbuchschnitzer hinwegsehen, weil man die Geschichte sowieso nicht zu bierernst nehmen darf. So gibt es zahlreiche hübsch ironische oder verspielte Einfälle, die das eigentlich doch arg tragische Geschehen heiter konterkarieren. Und die dann auch dafür sorgen, dass die wehmütige Stimmung nicht zu klebrig nostalgisch wird.

Plötzlich ist beim „Tatort“ die halbe Münchner Unterwelt in Aufruhr

Eine besonders tragische Erscheinung ist natürlich die zentrale Figur, der hoffnungslose Verlierer und Hallodri Mikesch, den der österreichische Schauspieler Andreas Lust exzellent verkörpert. Übrigens ist er in einer ganz ähnlichen Rolle erst vergangenen März im letzten Schwarzwald-„Tatort“ zu sehen gewesen.

Und dieser Mikesch flieht nun nach der anfänglichen Vernehmung sofort aus dem Krankenhaus, weil er einen ganz großen Deal plant. Einen Deal, der ihm nicht nur ein sorgenfreies Leben in Sri Lanka ermöglichen soll, sondern mit dem er auch den Menschen, die ihm nahestehen, endlich einmal seine Liebe und Zuneigung beweisen möchte.

Daher macht sich dieser hoffnungslose sympathische Traumtänzer wieder ruhelos auf den Weg, läuft seinem vermeintlich Glück hinterher, betrügt und lügt, wird schließlich von der halben Unterwelt Münchens verfolgt – und kommt natürlich nie ans Ziel.

Und so ist „Die ewige Welle“ auch kein klassischer „Tatort“-Krimi, sondern das wirklich liebevolle Porträt eines Menschen, der schon lange keine Zukunft mehr hat. Und der dennoch beharrlich an seine letzte große Chance glaubt.

Von Ernst Corinth / RND

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