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Medien & TV TV-Kritik zu Anne Will: Hört der Putzfrau doch mal zu!
Nachrichten Medien & TV TV-Kritik zu Anne Will: Hört der Putzfrau doch mal zu!
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10:52 04.03.2019
Anne Will zählt zu den erfolgreichsten Moderatorinnen des deutschen Fernsehens. Quelle: imago
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Hannover

Ihr tut uns ja so Leid! Aber wir machen schon alles, was wir können. Grob gesagt war das das Ergebnis einer Stunde Talkrunde bei Anne Will über niedrige Löhne und nicht ausreichende Renten.

Eigentlich ging es darum, wie es dazu kommen kann, dass in einem so wohlhabenden Land wie Deutschland laut ARD-Informationen fast jeder fünfte Rentner in Altersarmut lebt und 19,8 Prozent der Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor arbeiten.

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Ein Großteil der Zeit ging aber damit verloren, dass die Gäste ausführlich ihr Bedauern bekundeten und auf das Thema Wohnen ablenkten.

Dabei hatte Petra Vogel, als Reinigungskraft die Vertreterin der Geringverdiener in der Runde, durchaus Vorschläge, wie man ihre Situation verbessern könnte. Ihre Gesprächspartner gingen aber wenig darauf ein.

Porträt

Putzfrau kontert Kanzlerin – das ist Petra Vogel

Koalitionsstreit im Vordergrund

Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, und Mike Mohring, Vorsitzender der CDU in Thüringen, trugen stattdessen den aktuellen Streit der Großen Koalition über die Grundrente aus.

Reinhold von Eben-Worlée, Präsident des Verbandes „Die Familienunternehmer“, betonte die ganze Sendung über, dass Unternehmen trotz aller Auflagen des Sozialstaats wettbewerbsfähig bleiben müssten und dass Arbeitgeber ja bereits für Krankenversicherung und Altersvorsorge mit zahlen.

Sozialkassen für alle? Kein Thema

Die Einzige, die zumindest in Ansätzen auf Vogel einging, war Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag. Sie stimmte Vogels Forderung nach Sozialkassen, in die auch Beamte, Abgeordnete und Selbstständige einzahlen, zu. Weiter zur Diskussion stand das Thema trotzdem nicht.

Schade eigentlich, denn Anne Wills Talkrunde bot mit Petra Vogel als Gast die Gelegenheit, einer der Personen zuzuhören, die am eigenen Leib zu spüren bekommen, wie sich zu wenig Geld trotz Vollzeitjob anfühlt und deutliche Kritik formuliert. “Wenn ich höre, dass ein Herr Schröder damals gesagt hat, wir haben den besten Niedriglohnsektor geschaffen in ganz Europa, dann soll sich dieser Mann schämen. Ein Niedriglohnsektor kann niemals gut sein.“

Sie bekam Unterstützung vom Publikumsgast Guido Fahrendholz, Koordinator einer Berliner Notunterkunft für Obdachlose. Doch bis jeder der anderen Gäste verkündet hatte, wie bedauernswert er die Lage finde, war die Sendung schon halb vorbei.

Dabei hatte Malu Dreyer Recht als sie zugab: Jeder weiß, dass in Deutschland nicht alle am Wohlstand teilhaben. „Und das spaltet unsere Gesellschaft.“ Nur: Was soll man dagegen tun?

Der Grundrenten-Streit

Die wenige Zeit, die für Lösungsvorschläge übrig blieb, beanspruchte die sogenannte Grundrente. Sie steht im aktuellen Koalitionsvertrag und soll Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, ein Alterseinkommen zusichern, das zehn Prozent über dem Grundsicherungsbedarf liegt.

Grundrente

Wer erhält die Grundrente – und wer nicht?

Derzeit streiten die SPD und die Union darüber, ob dabei geprüft werden soll, ob der Empfänger der Grundrente überhaupt bedürftig ist. Malu Dreyer beharrte wie der Rest ihrer Partei darauf, dass die Bedürftigkeit nicht geprüft werden soll. Es gehe ums Prinzip, die Lebensleistung der Menschen anzuerkennen.

Mike Mohring in der Rolle des CDUlers argumentierte, die Grundrente sei gerechter, wenn nur Bedürftige sie erhielten.

Am Thema vorbei

An Petra Vogel ging diese Diskussion vorbei. Anne Wills letzte Frage ging an sie: Ob Petra Vogel glaube, dass sie noch in den Genuss dieser Grundrente kommen werde?

„Ja“, antwortete Vogel, „aber die wird nicht ausreichen.“

Mit dem Modell der Grundrente aus dem Koalitionsvertrag werde sie vierzig Euro mehr haben als ein Grundhilfeempfänger, rechnete sie vor. „Ich möchte keine Respektrente, ich möchte eine Rente, mit der ich in Würde altern kann.“

An dem Thema, wie das zu schaffen wäre, ging die Diskussion an diesem Abend größtenteils vorbei.

Kommentar:
Die SPD kämpft für die Falschen

Von RND/Elena Butz