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Medien & TV TV-Kritik: So ist der neue Berlin „Tatort“ in der ARD
Nachrichten Medien & TV TV-Kritik: So ist der neue Berlin „Tatort“ in der ARD
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20:20 05.05.2019
Nina Rubin und ihr Sohn Tolja, der als Praktikant die Schießerei in der Berliner Wohnung anschauen musste. Quelle: Foto: dpa
Berlin

Dass dieser Film in einem Kreisverkehr beginnt, kann man als Diagnose lesen. Denn die Berliner drehen sich ganz gerne um sich selbst, verpassen die Ausfahrt – und dann ist ihnen schwindelig. Keine gute Basis, um eine Stadt zu lenken. Sie reißen es dann raus mit der Berliner Schnauze.

Wenn die Bilder übers Kottbusser Tor fliegen, weiß man, dass der Berliner „Tatort“ ruppig wird. Und tief ins Milieu taucht. Denn hier ist Kreuzberg, und der Traum von bunter, freier Welt zeigt sich an diesem Ort so ungeschützt und angreifbar, dass man sich Beulen holt. Wenn sie in dicken Buchstaben „Der Gute Weg“ als Titel über diese dunklen, unsortierten Straßen schieben, ähnelt das der Sorte von Witzen, die meistens tödlich endet. Weil ein guter Weg nur schwer zu finden ist an einem Platz, wo Obdachlose ihre Plastiktüten mit dem Einkaufswagen durch die Gegend schieben.

Ruhestörung ist in Berlin Dauerzustand

Die Polizei soll eine „Ruhestörung“ klären. Eigentlich ist Ruhestörung kein Vergehen, sondern in Berlin ein permanenter Zustand. Die Sache überschlägt sich: Drogen in der Wohnung, Kugeln fliegen, ein toter Dealer, eine tote Polizistin. Das ist deftig, weil sie es im Berliner „Tatort“ generell eher laut und schmutzig mögen. Wer auf Kommissare wie Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) setzt, darf kein Kammerstück erwarten und keine Klimperei auf kleiner Tastatur. Gerade die Berufsauffassung von Karow ähnelt dem Faustrecht.

Berlin ist dreckig und grau – das zeigt der neue „Tatort“, der am Sonntag, 5. Mai, im Ersten läuft.

Leider rutscht die Folge ins Komplizierte, sie verliert sich darin – ohne dass die Umwege und doppelten Böden fruchtbar wären (Drehbuch: Christoph Darnstädt, Regie: Christian von Castelberg). Frust schlägt hier keine Funken, schlechte Laune schärft hier keine Sinne.

Rubins Sohn musste bei der Schießerei im „Tatort“ zusehen

Der Sohn von Kommissarin Rubin war beim tödlichen Einsatz dabei, als Praktikant der Polizei. Ein Drogenhändler in der Wohnung war sein Dealer. Generell scheint jeder jeden bei diesem Einsatz zu kennen, der harmlos anfing und so drastisch eskalierte. Einer der Dealer ist ein V-Mann, einer der Polizisten weiß das, darum leugnet er, dass dieser Informant geschossen habe. Eben dieser Polizist hat seinen Sohn verloren, offiziell „in Notwehr“ getötet von der jungen Kollegin, mit der er auf Streife geht und die vom Dealer nun ermordet wurde.

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Der Hinweis auf die Ruhestörung kam vom Dealer selbst, der in der Wohnung fast ums Leben kam. Es ist nicht einfach, dieses Knäuel an Konflikten nachvollziehbar und vor allem unterhaltsam aufzudröseln.

Berlin wird im „Tatort“ als Stadt des Zerfalls gezeigt

Ein Brennpunkt dieses „Tatorts“ ist das Scheitern an der Einsamkeit, das ein Ur-Berliner Thema ist. So viele Leute, derart viele Chancen aufs Glück, und trotzdem kennt man keinen, dem man sein Herz ausschütten kann. Die Stadt wird härter, die Allianzen wackeliger. Die Werte kommen ins Wanken. „Ein 28-jähriges Mädel stirbt wegen ein paar Drogen, das ist nicht mehr unsere Stadt“, ringt ein alter Polizist nach Fassung, als die Kollegin stirbt.

Auch die Polizei war mal so eine Art Familie, gebaut auf einem Ethos, das dem Zusammenhalt von Vater, Mutter, Kind geähnelt hat. Das ist vorbei, zumindest dort, wo Rubin und Karow regieren. Karow ist angelegt als Grenzgänger, geschnitzt aus jenem Holz, das man vom Borderliner Faber im Dortmunder „Tatort“ kennt. Als Rubins Sohn, der bei dem Einsatz fast erschossen wurde, nicht mehr auf seine Mutter hört, säuselt Karow böse zur Kollegin: „Vielleicht sind Sie ihm gerade zu gluckig.“ Sie scheuert ihm eine, damit ist die Sache aus der Welt.

Das ist die Karikatur der Berliner Schnauze, dahinter steckt nur noch der Wille, die Stadt mit einer Härte zu zeichnen, wie das bei aktuellen Produktionen aus Berlin inzwischen offenbar vonnöten ist. Denn deutlich ist im neuen „Tatort“ ein Anklang an „4 Blocks“ und „Dogs of Berlin“ zu sehen, den beiden Serien, in dem es ebenfalls um Drogen, Clans und das Milieu der Polizei geht. Im „Tatort“ aber haben sie vergessen, dass hier keine ellenlangen Staffeln zu Verfügung stehen, um den Knoten zu durchschlagen. Es bleibt die Skizze einer traurigen Stadt, die im Kreisverkehr gefangen bleibt. Weil sie Angst hat, zur Besinnung zu kommen.

Von Lars Grote/RND

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