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Medien & TV Stefan Raab sagt ARD beim Grand Prix ab
Nachrichten Medien & TV Stefan Raab sagt ARD beim Grand Prix ab
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15:56 22.05.2009
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Moderator Stefan Raab Quelle: Patrick Seeger/ddp
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Seine Begründung erinnert ein wenig an die Worte von RTL-Moderator Günther Jauch, der die ARD Anfang 2007 im Regen stehen ließ. Er habe sich zunehmend umzingelt gefühlt von „Gremien voller Gremlins“, hatte Jauch nach seiner Absage gesagt.

In einem Interview des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ sagte Raab: „Der NDR hat uns um Hilfe gebeten. Wir haben ein schlüssiges Gesamtkonzept vorgelegt.“ Die Entscheidungswege in der ARD seien aber „derart kompliziert, dass sie mit unserer Arbeitsweise nicht vereinbar sind. Unser Song Contest heißt Bundesvision Song Contest.“ Der Bundesländerwettstreit, bei dem deutschsprachige Sänger und Bands antreten, war eigentlich von Raab als Grand-Prix-Gegenveranstaltung ins Leben gerufen worden und hatte erstmals 2005 stattgefunden.

„Der NDR hätte eine Zusammenarbeit mit ProSieben für den deutschen Vorentscheid des Eurovision Song Contests 2010 begrüßt“, sagte der ARD-Koordinator Unterhaltung und Leiter des NDR Programmbereichs Fiktion & Unterhaltung, Thomas Schreiber. „Für die Absage von Stefan Raab haben wir Verständnis. Wir müssen sie akzeptieren.“

Nur ein Satz kam dagegen von ProSieben-Sprecher Christoph Körfer: „ProSieben freut sich auf den Bundesvision Song Contest 2010.“ Der Chef der deutschen Sender von ProSiebenSat.1, Andreas Bartl, sagte „faz.net“: „Wir fanden die Idee und das Konzept gut, aber die Sache hat sich erledigt.“ Erst vor kurzem hatte die ARD den Wechsel von Late-Night-Talker Oliver Pocher zum Privatsender Sat.1 verkraften müssen.

Die geplante Kooperation zwischen dem öffentlich-rechtlichen und dem Privatsender wäre eine Premiere gewesen. Bereits seit einem Jahr war mit Raab und seinem Haussender ProSieben über neue Wege beim Song Contest verhandelt worden. Ursprünglich war bereits für Montag oder Dienstag mit einer Bekanntgabe gerechnet worden, als die ARD-Programmdirektoren tagten. Auch die Intendanten konnten sich dann bei Beratungen am Mittwoch offensichtlich nicht zu einer Entscheidung durchringen.

Mit Hilfe des kreativen Aushängeschilds von ProSieben, der selbst drei Mal erfolgreich beim Grand Prix mitgemischt hatte, sollte Deutschland beim Song Contest nach den frustrierenden Ergebnissen der vergangenen Jahre wieder punkten. Die Idee kam Medienberichten zufolge von Schreiber. Zuletzt war das eigens von einer Jury ausgesuchte Duo Alex swings Oscar sings auf dem 20. Platz unter 25 Teilnehmern gelandet.

Noch am Donnerstag hatte der Sender erstmals öffentlich sein Interesse an dem 42-Jährigen bekundet, nachdem seit mehreren Tagen über die mögliche Kooperation und die noch offene Entscheidung spekuliert worden war. „Wir sind zuversichtlich, die offenen Fragen zeitnah klären zu können“, hieß es. Raabs Musikkompetenz und seine hohe Professionalität seien unbestritten. Insofern wäre eine Kooperation reizvoll. Allerdings seien noch einige Fragen zu diskutieren, so zum Beispiel die Einbindung der Pop- und Jugendprogramme der Landesrundfunkanstalten der ARD.

Wie es nun mit dem Grand Prix in der ARD weitergeht, ist vorerst offen. Grand-Prix-Experte Irving Wolther plädiert beispielsweise für einen Vorentscheid mit Publikumsvoting, zu dem jede ARD-Sendeanstalt einen Vertreter mit regionalem Bezug entsendet. Dies wäre ähnlich wie der Bundesvision Song Contest, aber auf die ARD bezogen, sagte Wolther, der über den Grand Prix promoviert hat. Ein solcher Wettbewerb würde schon einmal für mehr Begeisterung und Identifikation sorgen als eine interne Auswahl.

ddp