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22:20 01.05.2014
Foto: Der frühere TV-Moderator und Showmaster Heinz Schenk.
Der frühere TV-Moderator und Showmaster Heinz Schenk. Quelle: Christine Kokot (dpa)
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Frankfurt/Main

Wenn man sich mit jemand haut und fällt um, heißt das Knockout./ Ist danach das Näschen schepp, das ist dann ein Handicap. Ach was tut man sich so weh./ Und dabei ist doch Deutsch so schee.“ Mit diesen Reimen machte sich Heinz Schenk 1982 in einer Büttenrede zum Mainzer Karneval über den Überfluss an Anglizismen in der deutschen Sprache lustig.

Der Schauspieler und Entertainer, der am Donnertstagmorgen im Alter von 89 Jahren nach langer Krankheit in seiner Wiesbadener Wohnung gestorben ist, wurde als Gesicht der volkstümlichen Unterhaltungssendung „Zum Blauen Bock“ beim Hessischen Rundfunk berühmt, die er über 20 Jahre lang insgesamt 134-mal moderierte. Bis zu 20 Millionen Menschen schalteten zwischen 1966 und 1987 ein, um sich an harmlosen Schenkelklopfern, Sketchen und Liedern zu ergötzen. Schenk brauchte keine Moderationskärtchen, er schrieb seine Gags selbst und lieferte als Vertreter der Generation „singende Entertainer“ auch gleich die musikalischen Einlagen mit. Die Nähe zum Livepublikum wusste er herzustellen, indem er aus dem „Bembel“, einer hessischen Steingutkanne, reichlich Apfelwein ausschenkte.

Als Wirt des „Blauen Bocks“ mögen ihn die meisten kennen, am eindruckvollsten verdichtete sich sein Witz jedoch in den regelmäßigen Ansprachen für den Mainzer Karneval. Der Büttenredner stand schon als Junge auf der Bühne, es folgten Lobhudeleien über „meine Oma“ (1964) oder die „heile Welt“ (1975). In diesen prägnanten Ansprachen zeigte sich Schenks Humor, mit dem er weniger politische als zwischenmenschliche Probleme auf die Schippe nahm – und zwar immer im schönsten Hessisch. Der Dialekt war sein Markenzeichen, die Frankfurter Dialekt-Rockband „Rodgau Monotones“ widmete ihm in ihrem Hit „Erbarme, die Hessen komme“ die Textzeile „Unser David Bowie heißt Heinz Schenk!“. In einem Lied behauptete Schenk frech, die Vertreibung der Menschen aus dem Paradies hätte verhindert werden können, „hätt’ der Adam aus dem Apfel Äppelwoi gemacht“. So überschlugen sich am Donnerstag die Kondolenzbekundungen aus Hessen. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bescheinigte Schenk „generationenübergreifenden Kultstatus“. „Sein Humor wird uns fehlen“, fügte sie hinzu. Fernsehdirektor Manfred Krupp vom Hessischen Rundfunk würdigte Schenks „Vielseitigkeit und Kreativität“. Der hessische SPD-Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel nannte Schenk „ein echtes hessisches Original“, das die deutsche Fernsehgeschichte „entscheidend mitgeprägt“ habe.

Schenk wurde am 11. Dezember 1924 in Mainz geboren, das damals zu Hessen gehörte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann er seine Karriere als Parodist von Theo Lingen und Heinz Rühmann in einem Wormser Kabarett. 1951 wurde er Radiomoderator beim Hessischen Rundfunk. Auch Selbstironie war ihm nicht fremd: Neben Hape Kerkeling feierte er im Jahr 1992 in „Kein Pardon“ ein Kino-Comeback. Dort spielte er einen alternden intriganten Showmaster, der seinen Assistentinnen nachstellt. Gemeinsam mit Kerkeling sang er „Witzigkeit kennt keine Grenzen“. Danach moderierte er bis 1996 die Sendung „Fröhlich eingeSchenkt“. Nach seinem 80. Geburtstag zog er sich jedoch zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. Mit Schenk ist einer der letzten Protagonisten der goldenen Ära des Fernsehens gestorben.

Schenks langjähriger Manager Horst Klemmer sagte am Donnerstag: „Er ist ganz friedlich im Schlaf gestorben, seine Betreuerin saß an seinem Bett.“ Erst am vergangenen Sonnabend habe Schenk, der seit einem Jahr bettlägerig gewesen sei, einen Schlaganfall erlitten. Vor einem halben Jahr war Schenks Ehefrau Gerti nach über 60-jähriger Ehe mit 85 Jahren gestorben.

Eines der bekanntesten Lieder von Heinz Schenk, die er meist mit Franz Grothe zusammen komponierte, trägt den Titel „Es ist alles nur geliehen“. Darin heißt es: „Musst du eines Tages gehen, lässt du alles hier zurück.“ Schenk hat seinem Publikum eine Menge hinterlassen.

Wolfgang Weissgerber und Nina May

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