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18:54 05.03.2014
Von Nora Lysk
Foto: Jetzt aber schnell: Beim „Quizduell“ messen sich die Spieler in verschiedenen Wissensgebieten – während die Uhr unerbittlich tickt.
Jetzt aber schnell: Beim „Quizduell“ messen sich die Spieler in verschiedenen Wissensgebieten – während die Uhr unerbittlich tickt. Quelle: dpa
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Hannover

Das Prinzip könnte simpler kaum sein: Zwei Spieler treten in insgesamt sechs Kategorien gegeneinander an. Jeweils drei Wissensfragen gilt es in je 20 Sekunden zu beantworten – da bleibt kaum Zeit, das Netz zu befragen. Wer zuerst richtig antwortet, darf die nächste Kategorie im „Quizduell“ auswählen. Das sorgt für Chancengleichheit. Das war’s auch schon. Und trotzdem kennt der Erfolg des kleinen Smartphone-Spiels derzeit keine Grenzen. Demnächst könnte die App sogar Fernsehkarriere machen. Die schwedische Tochter der Produktionsfirma ITV („Dschungelcamp“, „Let’s Dance“, „Der Bachelor“) hat sich gerade erst die TV-Rechte gesichert. Gut vorstellbar, wie „Quizduell“ als Fernsehshow aussehen könnte: Zwei Spieler, die ohne Telefon- oder Publikumsjoker in schnellen Wissensduellen gegeneinander antreten. Schlicht aber spannend.

Beim Blick auf die aktuellen Down­load-Zahlen der App scheint auch für ITV der Erfolg garantiert: Fast 20 Millionen Menschen messen sich mit Bekannten oder zufällig ausgewählten Gegenspielern. Allein in Deutschland brüten mittlerweile mehr als sieben Millionen Spieler über Fragen wie „In welchem Bundesland liegt Deutschlands östlichster Punkt?“ (Richtige Antwort: Sachsen).Oder „Wie lautet der griechische Name für die Insel Korfu?“ (Richtige Antwort: Kerkyra). In den Topcharts des Apple-Stores liegt „Quizduell“ aktuell auf Platz drei der Gratis-Apps, die Premiumvariante für 2,69 Euro rangiert auf Platz sechs. Wer diese kauft, rätselt werbefrei.

Mittlerweile gibt es sogar schon ein Buch zum Spiel, das neben Trainingsfragen auch die Geschichte der beiden Entwickler erzählt. Die heißen Henrik und Robert Wilstedt und kommen aus Stockholm. Die Idee entstand bei einer ihrer nächtlichen Diskussionsrunden in ihrer kleinen Dachgeschosswohnung, gerade groß genug für viele gute Ideen. Die Brüder hatten den Plan gefasst, ein Spiel zu programmieren. Eines, in das sie ihre ganze Energie stecken würden. Nach nur 15 Minuten war „Quizduell“ geboren. Zwei Wochen nach der Veröffentlichung stand die App in Schweden auf Platz eins der Download-Charts.

Die Geschichte klingt wie der Traum vom Tellerwäscher zum Millionär. Dabei profitieren die Entwickler vor allem von dem derzeit noch ungebrochenen Trend hin zu mobilen Spielen, für die man keine Konsolen benötigt, weil man sie auf dem Smartphone oder dem Tablet installieren kann. Der Entwickler des Erfolgstitels „Candy-Crush“ beispielsweise, bei dem der Spieler nichts weiter tun muss als Süßigkeiten einzusammeln, verdiente 2013 mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Jetzt soll der Börsengang folgen.

Die meisten „Quizduell“-Spieler fasziniert laut Erfinder Wilstedt vor allem die Schlichtheit. Nicht in aufwendige Grafiken oder schicke Avatare investierten die beiden Zeit, sondern in gute Fragen: Insgesamt 8000 stellten sie zu Beginn zusammen. Mittlerweile gibt es mehr als 25.000 Fragen - von kinderleicht bis knifflig. Wo der Eiffelturm steht, beantworteten bisher 99 Prozent aller deutschen Spieler richtig. Bei der Frage nach dem Geburtsjahr des bekannten Mönchs „Dom Pérignon“ hingegen, kommen längst nicht so viele auf 1638. Wer die Antwort weiß, kann damit auch angeben. Denn „Quizduell“ setzt auch auf Kommunikation und hat eine integrierte Chatfunktion.

Früher war Henrik Wilstedt Journalist, Robert war Lehrer. Mittlerweile beschäftigen sie in ihrer Firma Feo Media zehn fest angestellte Mitarbeiter, die täglich an neuen Fragen arbeiten und darauf achten, dass die Serverkapazitäten ausreichen. Denn der Suchtfaktor ist groß. Im Internet kursieren Berichte von „Aussteigern“, die beschreiben, wie sie es mit über 4000 Spielen in die Top 25 schafften. „LeBernd“ beispielsweise, der in Wirklichkeit Bernd Schneider heißt und Mitarbeiter im EU-Parlament ist, outete sich in Interviews, täglich über 40 Spiele zu spielen. Dafür, so sagte er, verzichte er schon mal aufs Mittagessen.

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