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Medien & TV Opdenhövel mausert sich zur wichtigen PRO7-Marke
Nachrichten Medien & TV Opdenhövel mausert sich zur wichtigen PRO7-Marke
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13:13 20.11.2010
Von Imre Grimm
Ein Gesicht für den privaten Fernsehsender: Matthias Opdenhövel.
Ein Gesicht für den privaten Fernsehsender: Matthias Opdenhövel. Quelle: Pro7
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Gut, natürlich spricht manches gegen eine Showkarriere. Der sperrige Nachname (für den er nichts kann). Die Buchhalterbrille (für die er etwas kann). Der Klassensprecherlook. Die routinierte Abgezocktheit. Alles richtig. Aber dann kommt eben wieder so ein Spruch aus der Hüfte, so ein entkrampfender Querschläger gegen den tricksenden, auf Zeit spielenden Stefan Raab („Nicht einschlafen, Herr Professor!“), und Matthias Opdenhövel zeigt, warum er nach 15 Jahren im Prekariat des Fernsehens, nach Frühstücks-TV, Pannenclip-Shows und Trash wie dem „Großen Ochsenrennen“ in diesem Jahr endlich den Durchbruch geschafft hat, mit 40 Jahren.

Er ist keine Rampensau, kein Star, aber inzwischen eine wichtige Marke für seinen Muttersender PRO7. Im Grunde hat er 2010 durchmoderiert: als eiserner Spielleiter bei „Schlag den Raab“, als Gastgeber bei der Echo-Verleihung und bei diversen Raab-Eventshows oder bei „Schlag den Star“ heute Abend. Und, sein wichtigster Job bisher: Er war mit der WDR-Kollegin Sabine Heinrich Gastgeber der großen Lena-Show „Unser Star für Oslo“ (USFO). Die letzten Monate waren ein heißer Ritt. „Irgendwann ist man im Tunnel“, sagte er „Spiegel Online“, „und denkt: Klar, jetzt fahren wir halt auch noch mit Christian Wulff nach Hannover und holen Lena vom Flughafen ab“.

Es geht Opdenhövel nicht um Opdenhövel. Damit ist er das Gegenteil von Raab. „Machen wir uns nichts vor“, sagt er, „der Star ist Stefan.“ Das Publikum schätzt „Opdi“ für den Mut, vor der PRO7-Lichtgestalt keinerlei Respekt zu zeigen. Das tut halt doch gut, wenn der „zähe Hund“ (Raab über Raab) mal Kontra kriegt. Und: Auch Raab respektiert ihn. Er war es ja selbst, der „Opdi“ vor vier Jahren in seine „tv total“-Familie holte, nachdem er ihn als Reporter bei der „Wok-WM“ im Einsatz gesehen hatte. Kurz danach rief Raab ihn an. „Er hat mir bis morgens um drei ,Schlag den Raab’ erklärt und gefragt: Haste Bock zu moderieren?“ Hatte er. Inzwischen hat er 25 Shows hinter sich. 25 mal fünf bis sechs Stunden live.

Raab ahnte, dass er jemanden mit stabilen Nerven braucht, der gegenhält. Davon lebt „Schlag den Raab“, die Sendung, die sich anschickt, den schleichenden Tod der großen Samstagabend-Spielshow noch einmal zu verzögern. Bei „Schlag den Raab“ ist Opdenhövel der Fels in der Brandung, während Kommentator Frank „Buschi“ Buschmann mit heiligem Ernst Eierlaufen und Sackhüpfen zum olympischen Ereignis hochjazzt („unglaubliche Bilder hier!!“).

Woher kommt die Abgebrühtheit? Opdenhövel ist Westfale, geboren 1970 in Detmold, 40 Jahre alt, Vater zweier Kinder. Er hat wirklich alles hinter sich, was der diffuse Berufswunsch „was mit Medien“ so mit sich bringen kann. Sein Ziel als Kind: Fußballreporter werden. 1990 Abitur, zwei Monate BWL-Studium in Würzburg („um mich herum nur Barbour-Jacken und Einstecktücher“), dann doch lieber ein Praktikum bei der „Lippischen Rundschau“, Volontariat bei Radio Lippe und Moderationsjobs auf der CeBIT in Hannover. Es folgten vier Jahre bei Viva, wo er sich von U2-Sänger Bono bescheinigen ließ, er trage „Schnellficker-Schuhe“. 1997 Wechsel zu RTL II („Bitte lächeln“ mit Aleksandra Bechtel), dann kam das unvergessene Musikquiz „Hast Du Töne?“ bei Vox („Eine der schönsten Shows, die ich bisher gemacht habe“), parallel dazu wurschtelte er sich mit Barbara Schöneberger durchs SAT.1-Frühstücksfernsehen.

Er war Quizonkel, „Penthouse“-Kolumnist, Stadionsprecher bei Borussia Mönchengladbach, träumte von der „Sportschau“ in der ARD, und dann, als er schon drohte, zwischen halbwitzigen Comedy-Panelshows und Bundesliga-Internetclips hängenzubleiben, kam der Erfolg: Deutscher Fernsehpreis 2007 und Goldene Kamera 2008 für „Schlag den Raab“, Fernsehpreis 2010 für „USFO“. Und dann hat ihn auch noch das Kuratorium Gutes Sehen e. V. zum „Brillenträger des Jahres“ gemacht – „die einzige Auszeichnung, für die ich nichts tun musste, außer augenkrank zu sein“. Glückwunsch dazu.

Sein Trick: Immer ein bisschen seriöser aussehen als die Sendungen, die er moderiert. „Das hat sich alles ganz charmant entwickelt.“ Es ist diese Unverdrossenheit, die ihn von den Moderationsrobotern allerorten unterscheidet. „Matti“ nennen ihn die Kollegen, „Opdi“ die Fans. Der „Anti-Opdenhövel-Club“ bei Facebook hat ganze zehn Mitglieder. „Mattis Stärke ist, dass er sich nicht in den Vordergrund drängelt“, sagt Barbara Schöneberger.

Und doch gab es auch Flops. Gut so: Flops machen demütig. „Das Große Kipp-Roll-Fall-Spektakel“ 2009 bei PRO7 etwa: Ein bescheuerter Name, Platzregen, Technikchaos und ein völlig vergurkter Weltrekordversuch – Opdenhövel blieb stoisch. Westfälische Dickschädeligkeit ist keine schlechte Qualifikation für einen Livemoderator („Ich habe mittags an den Sender gesimst: Holt doch vorsorglich mal ,Beverly Hills Cop 3‘ aus dem Schrank“). Ergebnis: 18 Prozent Marktanteil für eine Sendung, bei der so ziemlich gar nichts funktionierte. Außer dem Moderator.

Live sind wenige besser als er. Und gute Moderatoren, die mehr sind als umgeschulte Comedians, sind rar. Was kommt als nächstes? Das ZDF könnte ihn mal anrufen.