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Medien & TV Luzern-„Tatort“ verabschiedet sich mit einer seiner besten Folgen
Nachrichten Medien & TV Luzern-„Tatort“ verabschiedet sich mit einer seiner besten Folgen
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16:45 27.10.2019
Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser, re.) steht unter steter Beobachtung von Frédéric Roux (Fabian Krüger), einem aggressiven News-Portal-Betreiber. Quelle: ARD Degeto/SRF/Daniel Winkler

Mit einem respektablen Knall, mit loderndem Feuer und einem schönen Schlussgag verabschiedet sich das Luzerner Kommissarsduo Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) in den vorzeitigen Ruhestand. Acht Jahre und 17 Folgen haben die beiden durchgehalten, obwohl sie zumindest in Deutschland nicht besonders beliebt gewesen sind – beim Publikum und der Kritik. Gründe dafür gibt’s genug. Allen voran die meist holprige Synchronisation der ursprünglich in Schwyzerdütsch gedrehten Folgen, aber auch das mangelnde Tempo und die Betulichkeit der stark dialoglastigen Filme.

Doch an dem jetzigen Abschiedsfall „Der Elefant im Raum“ lässt sich zwar erneut vieles kritisieren, aber zumindest das Tempo stimmt. Und Regisseur Tom Gerber und die Drehbuchautoren Felix Benesch sowie Mats Frey gönnen ihrem männlichen Hauptdarsteller sogar zum Finale eine richtige Actionszene.

Tatort: Flückiger so rabiat und körperlich wie nie

Und überhaupt Flückiger. So rabiat und so körperlich wie hier ist er in all den Jahren nie aufgetreten. Und selten zuvor ist dieser nun plötzlich zum Alpen-Rambo mutierte Kommissar so angewidert gewesen von der Welt der Reichen und der Medien, in der er in diesem Fall notgedrungen ermitteln muss. Dass dabei dann bei der Umsetzung und der Rollenzeichnung auf fast kein Klischee verzichtet wird, lässt sich allerdings nur schwer ertragen. Und manches wirkt dadurch gar unfreiwillig komisch.

Dennoch, im scheinbar so beschaulichen Luzern ist diesmal wenigstens was los, auch an vermutlich berechtigter Kritik an Schweizer Verhältnissen wird nicht gespart. Und so ist der Film dann auch alles andere als langweilig, ja, er zählt ohne Zweifel zu den besseren Luzerner-„Tatorten“.

Luxusraddampfer wird zum Krimi-Tatort

Los geht’s gediegen mit einem Edeldinner auf dem Vierwaldstättersee, bei dem sich die Elite der Stadt trifft und feiert. Auch Flückiger ist sichtbar genervt mit von der teuren Partie, weil er seine Freundin Eveline („Jetzt bist du mal in meiner Welt, das wird sicher lustig.“) hat begleiten müssen. Urplötzlich wird der Luxusraddampfer dann jedoch krachend zum Krimi-Tatort: Ein Anschlag mit Leuchtgranaten erschüttert das Schiff, Scheiben und Geschirr gehen zu Bruch, Panik macht sich breit, der Kapitän bekommt einen Herzschlag und ein linker Kantonsrat, Bernhard Ineichen (Martin Hug) verschwindet spurlos von Bord.

Als Flückiger und die trotz schwerster Erkältung zum Tatort geeilte Ritschard die Ermittlungen übernehmen, stehen sie vor einem Rätsel: Wem galt der Anschlag? Den anwesenden Waffenlobbyisten oder womöglich deren Kritiker Ineichen? Und warum ist der zwielichtige Chef des „alternativen“ und auf Skandale abonnierten Nachrichtenportals „Veritas News“, Frédéric Roux (Fabian Krüger), so gut informiert und weiß offenbar stets mehr, als er der Polizei verraten möchte.

Gestrüpp aus Geschäft, Macht, Lügen und Intrigen

Als am nächsten Tag die Leiche Ineichens dann gefunden wird, scheidet er natürlich als Täter aus. Doch das Gestrüpp aus Geschäft, Macht, Lügen und Intrigen, in dem Flückiger und Ritschard nun ermitteln müssen, ist so dicht, so wirr und daher lange Zeit kaum durchschaubar. Auch für den Zuschauer! Erschwerend kommt hinzu, dass die Geschichte plötzlich eine überraschende Wendung nimmt. Im Mittelpunkt stehen nun das schon erwähnte Onlinenachrichtenportal und dessen Chef, der sich mehr für Klicks als für die Wahrheit interessiert.

Und Flückiger mutiert erneut: Nun wird aus dem Alpen-Rambo ein Kommissar, der rot sieht. Also ein aufbrausender zorniger Ermittler, der sich um Pressefreiheit und Datenschutz keinen Deut schert. Und dabei reihenweise selbst gegen fundamentale Gesetze verstößt. Da dieses Vorgehen, diese Haltung von diesem „Tatort“ erstaunlich unkritisch gerechtfertigt wird, hinterlassen die entsprechenden Szenen schon einen ziemlich bitteren leicht populistischen Nachgeschmack.

Tatort: Ein wehmütiger Schlussdialog für das Luzerner Duo

Er wird allerdings zum Glück ein wenig wieder versüßt von dem schönen versöhnlichen Ende und dem wehmütigen Schlussdialog: Ritschard: „Blöd, dass du keine Frau bist.“ Flückiger: „Nobody is perfect.“ Und mit zwei Frauen als Hauptfiguren geht’s dann auch tatsächlich 2020 weiter: mit Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler, die in Zürich ermitteln.

Von Ernst Corinth/RND

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