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Medien & TV Krause in Klischeehausen
Nachrichten Medien & TV Krause in Klischeehausen
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19:53 05.04.2014
Foto: Tatort Jauchegrube: Im „Polizeiruf“ aus Brandenburg ermitteln Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Hauptmeister Krause (Horst Krause, rechts) diesmal auf dem Land.
Tatort Jauchegrube: Im „Polizeiruf“ aus Brandenburg ermitteln Kommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Hauptmeister Krause (Horst Krause, rechts) diesmal auf dem Land. Quelle: ARD
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Die Landkommissarin hat so ihre Schwierigkeiten mit den Aussteigern aus der Großstadt. Olga Lenski (Maria Simon) schüttelt den Kopf, als der verdächtige Paul Singer (Fabian Busch) ihr eröffnet: „Ich kann nicht Auto fahren. Ich komme aus Kreuzberg.“ Lenski: „Das ist nicht ihr Ernst!“ Paul: „Was, dass ich aus Kreuzberg komme?“ Da wirft sie ihm die Autoschlüssel ihres Dienstwagens zu, und am Fenster zum Hof lacht sich der Motorradfahrer Krause (Horst Krause) über Öko-Pauls Abwürgerei des Dienst-Diesels schlapp.

Brandenburgs „Polizeiruf 110: Käfer und Prinzessin“ bringt den Sonntagabend-Zuschauer nach Klischeehausen hinter Eberswalde: In einer lieblichen Hügellandschaft sind die Bewohner einer Landkommune bei der Apfelernte: Röcke und Haare wallen, Kinder hüpfen auf Heuballen, der Museumstrecker tuckert, das Lagerfeuer knistert. Klischeehausen aber gibt es wirklich: Gedreht wurde auf einer real existierenden Ökokommune bei Klein Ziethen (Barnim). Die Bewohner sind als Komparsen zu sehen.

Natürlich ist die Idylle trügerisch, zumindest die im Krimi: Kommunarde Martin (Niels Bruno Schmidt) wird tot aus der Jauchegrube des Nachbarhofes gefischt. Er hatte Streit in der Dorfkneipe, doch bald wird klar: Martin wurde nicht im Ort, sondern auf dem Hof getötet.

Irritiert bis feindselig schauen die Bewohner, als Lenski auf den Hof rollt. „Was machst du denn hier?“, ruft auch Ruth (Fritzi Haberlandt). Bei ihr aber klingt es erfreut: Sie kennt Olga seit der Grundschule. Beim Fasching waren sie Käfer und Prinzessin, daher der Name der Folge, der sechsten für Maria Simon als ruhige, rationale Kommissarin Lenski.

Doch nach dem Abi haben sich die engen Freundinnen aus den Augen verloren: Ruth irrte durch Indien und Marokko, Olga ging geradlinig auf die Polizeischule. Die Idylle des Landhofs trügt noch aus einem anderen Grund: Die Felder der Gemeinschaft sind mit Schwermetallen verseucht, Überbleibsel einer Lackfabrik. Ökolandbau ist auf den Äckern nicht mehr zugelassen. Die Kommune müsste also umziehen, woanders neu anfangen. Gab es darüber Streit mit Martin? Hat einer seiner Mitbewohner zugeschlagen?

Über allem schwebt Harry (Peter Lohmeyer), der Chef und Guru der Kommune. Er bewegt sich höflich und undurchsichtig auf allen Feldern – in der Landwirtschaft und der Gesellschaft. Die Baustadträtin nimmt bei ihm Aikido-Stunden, danach wickelt Harry sie im Edelrestaurant gekonnt um den Finger. Und auch Ruth ist ihm treu ergeben, seit sie Harry vor Jahren in Marokko traf. Nur Lenski ist immun gegen Harrys Charme – doch traut die Kommissarin  dem aalglatten Guru einen Mord zu?

Fazit

„Käfer und Prinzessin“ (Drehbuch: Clemens Murath, Regie: Robert Thalheim) punktet dadurch, dass er in Klischeehausen die Klischees weitestgehend vermeidet. Die Figuren sind präzise und nicht überladen, die Bewohner des Landhofs und ihre Konflikte werden ernst genommen und genau ausgeleuchtet. Der Film ist ein ruhiges Stück Sonntagabend-Fernsehen – wie der Brandenburger „Polizeiruf“ ja generell.

Viele stimmungsvolle Landschaftsaufnahmen, durch die dann der runde Krause stapft. Er bringt die Ermittlungen voran, während seine Chefin zu verstehen versucht, was von der Freundschaft zu Ruth noch übrig geblieben ist – und warum diese so verschlossen reagiert.

Fritzi Haberlandt ist perfekt in der Rolle der wortkargen Kommunardin, Maria Simon ist ihr ebenbürtig. Dann steigt der Rauch des Lagerfeuers in den Nachthimmel, das Leben ist nicht einfacher geworden, aber man muss jetzt gerade nichts dazu sagen. Doch am Ende – natürlich – zerreißt das Blaulicht die Dunkelheit auf dem Lande.

05.04.2014
04.04.2014