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Medien & TV „Gegen die Schutzwälle aus Worten“
Nachrichten Medien & TV „Gegen die Schutzwälle aus Worten“
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22:05 02.04.2014
Foto: Wigald Boning startet eine Politcomedy-Show im ZDF.
Wigald Boning startet eine Politcomedy-Show im ZDF. Quelle: dpa (Archiv)
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Herr Boning, morgen startet im ZDF direkt nach der „heute-show“ Ihre neue ­Improvisationsshow „Vier sind das Volk“. Darin persiflieren Sie Politiker beim verbalen Schlagabtausch. Was wird das – eine Parodie auf Polittalks?
Es ist eine komödiantische, improvisierte Variante eines Polittalks. Und im besten Fall sind ja vielleicht manche Stellen gar nicht mehr als Parodie zu erkennen.

Haben Sie zur Vorbereitung viele solcher Talkrunden geschaut?
Das mache ich schon mein Leben lang! Solche politischen Diskussionen finde ich nicht nur wegen der inhaltlichen Auseinandersetzung interessant, sondern auch wegen der Floskeln wie „mit Verlaub“, über die ich schon stundenlang nachgedacht habe. Am liebsten schaue ich „Günther Jauch“ und „Hart aber fair“, weil die nicht so spät laufen. Bei „Maybrit Illner“ liege ich schon im Bett.

Sie selbst werden der Moderator der Sendung sein. Wen haben Sie sich für die Rolle als Vorbild genommen: Plasberg oder Jauch?
Eher Norbert Lammert, den Bundestagspräsidenten. Ich dachte mir, wenn ich zwischen den miteinander ringenden Parteien stehe, will ich besonders neutral wirken – und altersgemäß denke ich, dass mir eine gewisse Würde auch steht. Deshalb werde ich auch ab und zu Ordnungsrufe und Rügen verteilen.

Auf Ihr Kommando hin liefern sich Comedians wie Philip Simon, Bernhard Hoëcker und Sebastian Pufpaff einen Schlagabtausch. Wie sieht das aus?
Es gibt verschiedene Aufgaben. Im Spiel „Bürger fragen – Politiker antworten“ geht es darum, Begriffe wie zum Beispiel die „Wählerwanderung“ auf originelle Art und Weise zu erklären. Oder man hält eine Rede, bekommt aber dabei eine SMS vom Parteivorsitzenden und muss dessen Anweisungen in die Rede einfließen lassen. Und das Ganze geschieht komplett improvisatorisch. Die Comedians wissen vorher nicht, welche Aufgaben sie zu erfüllen haben.

Viele Zuschauer kennen Sie vor allem als Trashkomiker. Was qualifiziert Sie für eine politische Satiresendung?
Ich habe mich schon immer für Politik interessiert, das ist eigentlich schon alles. Ich war schon mit 14 bei den Jungdemokraten, der damaligen Jugendorganisation der FDP, die mit den heutigen Jungen Liberalen nicht vergleichbar ist. Mein Vater war damals Kreisvorsitzender der FDP in Oldenburg. Ich komme also aus einem absolut politisierten Haushalt, in dem keine Mahlzeit verging, ohne dass über die damals relevanten Fragen gestritten wurde.

Zum Beispiel?
Ich kann mich an die Debatte über den ­Extremistenbeschluss erinnern. In meiner Grundschulzeit waren das die ersten politischen Diskussionen, in die ich mich mit rotem Kopf eingemischt habe. Ob Lehrer in extremistischen Parteien sein dürfen – das fand ich spannend, weil ich mit Lehrern zu tun hatte, die davon betroffen waren. Der Höhepunkt meiner Politisierung als Jugendlicher war der Wahlkampf 1980, damals war ich 13 Jahre alt und Schulsprecher. Ich kann mich an hitzige Diskussionen auf dem Pausenhof erinnern, ob man einen Sticker tragen durfte, auf dem „Stoppt Strauß“ steht – vor allem mit meiner Stellvertreterin Petra, die war nämlich Mitglied der Jungen Union.

Sie sind ja bis heute bekennendes FDP-Mitglied, da müssen Sie vermutlich viel Spott aushalten ...
Ich bin sehr abgehärtet diesbezüglich. Ich habe mich inzwischen lange nicht mehr bei der FDP gemeldet, bekomme aber weiterhin Mails aus irgendwelchen Verteilern.

Also streben Sie kein politisches Amt an?
Nein, gar nicht. Ich glaube auch, dass die Tätigkeit eines Komödianten mit der eines Politikers überhaupt nicht zusammenpasst. Man kann das in Italien bei Beppe Grillo ja wunderbar studieren, was man da für einen Schiffbruch erleiden kann. Es wimmelt zwar von Politikern, die als Komödianten durchgehen könnten, aber ich vermute, dass sie selber das gar nicht wissen.

Sie sind ja begeisterter Ausdauersportler. Mit welchem Politiker könnten Sie sich einen Marathon vorstellen?
Es gibt ja Politiker, die Sport treiben, etwa unseren früheren Gesundheitsminister Daniel Bahr. Aber beim Sport bevorzuge ich es, die Klappe zu halten. Ich brauche keine Prominenz an meiner Seite. Mein nächstes Sportprojekt ist der Sächsische Treppenmarathon Mitte April in Radebeul bei Dresden, da geht es auf einer Weinbergtreppe immer hin und her, am Ende sind das 84 Kilometer. Und das mit meinen lädierten Knien.

Zurück zur Show. Geht’s denn nur um den Spaß? Oder auch um den Kampf gegen Politikverdrossenheit?
Bei mir selbst steht politisches Interesse im Vordergrund. Sonst könnte ich ja auch eine Parodie auf ein Gartenmagazin oder eine Kochshow machen, das würde ich nicht für so reizvoll halten. Einer der Gründe für Politikverdrossenheit ist ja auch, dass man den Eindruck hat, dass Politiker sich zu taktisch äußern. Um nicht Position beziehen zu müssen, verwenden sie allerhand Schutzwälle aus Worten. Und diese Schutzwälle aus Worten sind der Steinbruch, aus dem wir unsere Show klopfen beziehungsweise klöppeln.

Zur Person

Wigald Boning (47) ist seit Jahren der Scherzkeks vom Dienst im deutschen Fernsehen – bei „RTL Samstag Nacht“, mit Olli Dittrich als Duo „Die Doofen“, bei „Clever“ (SAT.1), bei „Nicht nachmachen!“ (ZDF). In einer neuen Improvisationsshow knöpft sich Wigald Boning jetzt den Politikbetrieb vor: „Vier sind das Volk“ heißt das Satireformat, das morgen Abend um 23 Uhr im ZDF startet. Wigald Boning ist verheiratet und hat zwei Kinder, er lebt mit seiner Familie in dem Dorf Bernbeuren in Oberbayern.

Interview: Cornelia Wystrichowski

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