Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Medien & TV Intendanten legen Gehälter offen
Nachrichten Medien & TV Intendanten legen Gehälter offen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:22 14.08.2010
Von Daniel Alexander Schacht
Monika Piel verdient am meisten: Mit 308.000 Euro Grundgehalt im Jahr liegt sie vor NDR-Intendant Lutz Marmor.
Monika Piel verdient am meisten: Mit 308.000 Euro Grundgehalt im Jahr liegt sie vor NDR-Intendant Lutz Marmor. Quelle: ap
Anzeige

Die WDR-Chefin sticht damit sogar hohe und höchste Staatsdiener aus. Der Bundespräsident bekommt 199 000, die Kanzlerin 189 993 Euro Grundgehalt im Jahr.
Das Bekanntwerden des Piel-Salärs Anfang der Woche war Folge einer Publikationspflicht im neu gefassten NRW-Rundfunkgesetz. Landauf, landab häuften sich prompt auch in anderen Sendern die Nachfragen: Wie viel verdient der Intendant?

Ein Teil der ARD-Intendanten entschloss sich, die Zahlen offenzulegen, andere mauern bis heute. Der Intendant der Vierländeranstalt NDR, Lutz Marmor, ließ wissen, dass er 268 000 Euro kassiert. Seine Kollegin vom sehr viel kleineren Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) kommt immerhin noch auf 220 000 Euro. Und der Chef des Saarländischen Rundfunks, Fritz Raff, streicht 210 000 Euro ein.

Sind diese Summen zu hoch? Sind sie angemessen? Wie soll man Vergleiche ziehen? In ARD-Kreisen versteht man die Aufregung nicht und verweist aufs Ausland. Der WDR sei schließlich der größte Sender Europas. Nonce Paulini, die Chefin von Frankreichs Privatsender TV 1, kassiere 2,245 Millionen Euro im Jahr. Und Pro7/SAT1-Chef Thomas Ebeling bekomme 1,88 Millionen Euro.

Doch die ARD-Sender sind keine Wirtschaftsunternehmen, sondern ein öffentlich-rechtliches Konstrukt. Ihre Einnahmen entspringen zu mehr als 90 Prozent aus Gebühren, und das letzte Wort über diese Gebühren und das Spitzenpersonal spricht die Politik.

Die wiederum zieht jetzt die Augenbrauen hoch. Denn besonders bei kleinen Sendern erscheinen Politikern aller Parteien die Intendantenbezüge im Verhältnis zu den Einnahmen bedenklich hoch. Im Fall des Saarländers Raff macht das Gehalt schon 0,18 Prozent des Gesamtertrags des Senders aus.

Medienpolitiker in Niedersachsen begrüßten am Freitag die Publikation der Gehälter. Grünen-Innenexpertin Ursula Helmhold will sich für eine Gesetzesinitiative nach dem Muster von NRW stark machen. Dann müsste auch der NDR-Intendant die Offenlegung des Gehalts dulden. Auf eine freiwillige Mitteilsamkeit wie soeben im Fall von Lutz Marmor käme es dann nicht mehr an.

13.08.2010
12.08.2010