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Medien & TV Gute Quoten ohne TV-Chaoten bei der Frauenfußball-WM
Nachrichten Medien & TV Gute Quoten ohne TV-Chaoten bei der Frauenfußball-WM
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21:06 28.06.2011
Von Volker Wiedersheim
Wenn die deutschen Frauen nicht spielen, nähert sich der hiesige Zuschauer dem Phänomen Frauen-WM noch etwas zögerlich. ARD und ZDF setzen weiter auf Sieg.
Wenn die deutschen Frauen nicht spielen, nähert sich der hiesige Zuschauer dem Phänomen Frauen-WM noch etwas zögerlich. ARD und ZDF setzen weiter auf Sieg. Quelle: dpa
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Wo ist „Waldis WM-Club“? Und: Wird er eigentlich vermisst? Eigentlich nicht. Man mag sich schließlich gar nicht ausmalen, was Hartmann und seinen Vätern der Klamotte beim Thema Frauenfußball für Gags einfallen. Nein, drei Tage Frauen-WM reichen aus, um festzustellen: Es geht auch (fast) ohne Klamauk. Eine WM wird nicht dadurch zum Sommermärchen, dass Moderatoren ins Fabelhafte abgleiten. Es geht auch anders.

Schauen wir doch mal rein: Der ARD gehörte der Auftakt. Das Erste wollte wohl auch in Sachen Infotainment gleich erste Ausrufezeichen setzen. Nicht leicht, wenn – um eine bessere TV-Konsumierbarkeit zu gewährleisten – das erste Spiel nicht das Eröffnungsspiel ist. Weil also vor der Premiere der deutschen Kickerinnen gegen Kanada in Berlin die Partie ­Nigeria – Frankreich in Sinsheim partout aufgepeppt werden sollte, erschien ARD-Mann Michael Antwerpes mit einer schwarzen Kraushaarperücke auf dem Bildschirm. Oh, wie afrikanisch. Lustig? Nein, peinlich. Und dann noch sein Spruch dazu: „Fußball-WM der Frauen ist, wenn man trotzdem Spaß hat.“ Man möchte aus tiefstem Herzen entgegnen: Antwerpes ist, wenn man trotzdem nicht umschaltet! Nur mal so als Tipp am Rande: Eurosport überträgt parallel. Ohne Karneval.

Man hätte dort indes Claus Lufen verpasst, der mit Fragen nach Haarspray und Wimperntusche an die durchaus telegene Gesprächspartnerin Nia Künzer, frühere Nationalspielerin, die naheliegenden Klischees abarbeitete. Es tauchte dann auch noch Franziska van Almsick auf. Eine frühere Schwimmerin und im Thema Fußball weiß Gott nicht so drin. Aber zur Ehrenrettung sei gesagt: Zehn Almsicks sind nicht so schlimm wie ein Antwerpes. Und 100 Almsicks nicht so schlimm wie ein Waldemar Hartmann, obwohl der – ja doch! – einmal dem Rudi Völler richtig Zunder gegeben hat. Die Stimme zum Spiel, dem ersten der Deutschen, kam dann übrigens von Bernd Schmelzer. Ansonsten auch Ski-alpin-Experte, der Mann vom Bayerischen Rundfunk. Man möchte ihn glatt mal für 14 Tage auf einer einsamen Insel stranden lassen mit nichts als dem Namen Celia Okoyino da Mbabi … Wer Tom Hanks in „Verschollen“ gesehen hat, weiß, was gemeint ist.

Dienstag, Schichtwechsel. Das ZDF ist dran. Weil ebenso wie Hartmann die ­Mikroprominenten Gerhard Delling, Mehmet Scholl, Oliver Kahn & Co. sich beim Frauenfußball nicht berufen fühlten (oder nicht angerufen wurden), nimmt eine andere den Platz des Alphatierchens ein: Katrin Müller-Hohenstein – in Abwesenheit genüsslich als „km/h“ bespöttelt. Die grinst echt was weg im Interview mit Kerstin Garefrekes auf dem Bürgersteig vor dem Mannschaftsquartier des deutschen Teams. Das Tor, die Vorlage, die vergebene 100-Prozentige? Der Vorwurf geht an beide: Schließt man die Augen, hören sich „km/h“ und Garefrekes an wie jedes beliebige Interview in jeder beliebigen Bundesliga-Sendung.

Aber das ZDF kann auch anders. In den Minuten vor dem Spiel gibt es Features und Porträts. Richtig gut gemacht etwa von Laurens Form über Silvia Neids Trainerstab samt Psychologen sowie von Alexander Antoniadis über da Mbabi. Das entschädigt für Claudia Neumann, die als erste Frau überhaupt an einem ZDF-Mikro ein WM-Spiel kommentieren darf. Fachlich passabel, stimmlich – auf der Tonspur von Sabine Töpperwien; das muss man mögen. Bleibt das Problem/Phänomen Sven Voss/Silke Rottenberg, der Moderator und die Expertin. Er so eine Art junger Rick Astley, sie eine Art mittelalter Rod Stewart. Streckenweise kompetent, aber dann gibt es auch solche Textproben – Rottenberg: „Nordkorea, das Team ist sehr diszipliniert. Das kommt von dem Land.“ Voss: „Kennen Sie alle Namen der Spielerinnen?“. Rottenberg: „Nein, aber ich könnte dir vielleicht den Frisör nennen.“

Nun gut, TV-Begegnungen mit Rottenberg sind ohnehin bald wieder vorbei. Gewöhnen sollte sich der geneigte Fußballfreund hingegen an Sven „Rick Astley“ Voss. Der beerbt nämlich nach der Frauen-WM Wolf-Dieter Poschmann im „Aktuellen Sportstudio“.

Macht Eurosport eigentlich auch Bundesliga? Nein, schade.