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Medien & TV Google Street View: Die Welt blickt nach Oberstaufen
Nachrichten Medien & TV Google Street View: Die Welt blickt nach Oberstaufen
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19:47 02.11.2010
Von Dirk Schmaler
Tourismuschefin Bianca Keybach fährt am Dienstag in Oberstaufen auf einem zur Street-View-Kamera umgebauten Trike.
Tourismuschefin Bianca Keybach fährt am Dienstag in Oberstaufen auf einem zur Street-View-Kamera umgebauten Trike. Quelle: dpa
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Es war ein rebellischer, trotziger Akt: Während sich die Republik im Sommer wochenlang über die Straße für Straße fotografierenden Kameraautos von Google aufregte und Bürgermeister vor Einbrechern warnten, ließ Walter Grath eine große Torte backen. „Google Street View, herzlich willkommen in Oberstaufen“, war darauf zu lesen.

Ein Foto der Treueaktion landete im Internet und verbreitete sich rasend schnell in der gesamten Republik. Am Dienstag wurde die Google-Fangemeinde belohnt. Als erste deutsche Gemeinde machte der US-Konzern die 30 Ortschaften in Bayern am Dienstag im Internet begehbar. Seit Dienstag, 10.30 Uhr, schaut die Welt nun nach Oberstaufen – und spaziert virtuell hindurch.

„Das ist schon jetzt ein riesiger Marketingerfolg“, sagt Grath, der seit mehr als 25 Jahren Bürgermeister in Oberstaufen ist. Unter den 7300 Einwohnern kam die Entscheidung ihres Bürgermeisters offenbar gut an. Lediglich „knapp 20“ Bewohner hätten Beschwerde gegen die Veröffentlichung ihrer Hausfassaden eingelegt. „Die meisten waren begeistert von der Idee, sich der allgemeinen Google-Prügelei entgegenzustellen“, sagt Grath und fügt hinzu: „Wir haben ja nichts zu verstecken.“

Wer sich durch die bayerische Idylle (übrigens im Sommer aufgenommen) klickt, ahnt, was der Bürgermeister meint. Man kurvt dort kilometerlang durch Bundesstraßen, links und rechts sind weiß verputzte Häuser zu sehen. Oder man taucht ein in den Ort Markt Oberstaufen. In der Kalzhofer Straße steuert man vom „Friseur & Sonnenstudio“ an ein paar Autos mit verpixelten Nummernschildern auf das griechische Restaurant mit dem unvermeidlichen Namen „Akropolis“ zu und wirft dann einen Blick auf die Bergbahn zur Skiarena. „Für Urlaubsgäste ist das ein perfekter Service“, sagt Grath.

Die Begeisterung des Bürgermeisters soll nach Willen Googles wohl möglichst schnell auf das Street-View-skeptische Restdeutschland abfärben. Seit Monaten steht Googles Street View in der Kritik. Datenschützer und Politiker kritisierten die Fotoaufnahmen. Schließlich setzten sie ein Vorabwiderspruchsrecht durch, mit dem Bewohner ihr Haus verpixeln lassen können. Lediglich drei Prozent der Großstadtbewohner machten allerdings bisher davon Gebrauch. Das Haus von Oberstaufens Bürgermeister Grath ist übrigens nicht zu sehen. Es steht in einer Nebenstraße, die nicht aufgenommen wurde. „Aber ich hätte nichts dagegen.“

02.11.2010
Imre Grimm 02.11.2010