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Medien & TV „Eden“: Vertreibung aus dem Paradies
Nachrichten Medien & TV „Eden“: Vertreibung aus dem Paradies
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07:00 02.05.2019
Unter der verblüfften Beobachtung von Urlaubern retten sich Flüchtlinge aus einem Boot an den griechischen Strand. Unter den Zuschauern: Familie Hennings aus Mannheim (Wolfram Koch, Bruno Alexander, Juliane Köhler). Quelle: Foto: Pierre Meursaut/SWR
Athen

Es ist ein heißer Sommertag auf der griechischen Insel Chios. Perfektes Badewetter. Männer stehen in Shorts im flachen Wasser, Kinder spielen am Strand. Auch die Hennings verbringen ihre Sommerferien auf Chios. Es gibt Wassereis und Sonnenbrand – und ein schlechtes Gewissen als Urlaubssouvenir obendrauf. Denn plötzlich sprengt ein mit Flüchtlingen besetztes Schlauchboot das Idyll. Unter ihnen ist auch der 16-jährige Amare, geflohen aus Nigeria. Er wird mit seinem Bruder zunächst in einem Camp unweit der Küste unterkommen. Und Familie Henning fragt sich: Was kann man für diese Menschen tun, die an Europas Küsten landen? Und was gegen das schlechte Gewissen, das einen Zu Hause noch plagt?

Sehnsuchtsort sowie Symbol der Vertreibung zugleich

„Eden“ heißt die deutsch-französische Miniserie, die heute, 20.15 Uhr, auf Arte startet und eine Woche später in der ARD wiederholt wird (8. und 15. Mai). Regisseur Dominik Moll und Headautor Dominik Lieb hätten für ihre Produktion keinen passenderen Titel finden können, ist der Garten Eden doch schon im ersten Buch Mose Sehnsuchtsort sowie Symbol der Vertreibung aus dem Paradies zugleich. In sechs Folgen macht Moll die Probleme des sogenannten Flüchtlingssommers 2015, als an Europas Außengrenzen die Flüchtlingsboote landeten und Deutschland seine Grenzen öffnete, greifbar. „Eden“ gibt den Schicksalen Namen – und zeigt ein Europa, in dem die Verunsicherung seitdem stetig wächst. Auch bei den Hennings.

Zurück aus dem Urlaub entscheiden sich Jürgen (Wolfram Koch) und Silke (Juliane Köhler), den jungen Syrer Bassam (Adnan Jafar) in ihrem Keller aufzunehmen. Doch der gut gemeinte Aktionismus des Lehrerehepaars trifft auf krasse Ablehnung im eigenen Haus. Sohn Florian (Bruno Alexander) fühlt sich bedroht und provoziert durch den fremden Gast im Keller. Er rebelliert, wo er nur kann. Man könnte meinen, die Autoren hätten hier einen Kunstgriff gewagt und den Protest der Straße einfach an den Küchentisch der Hennings gesetzt.

Die große Ungewissheit beginnt

Während also in Deutschland Familie Hennings noch mit sich selbst kämpft, warten die Neuankömmlinge in Griechenland in Flüchtlingslagern auf ihr weiteres Schicksal. Für Amare und seinen älteren Bruder beginnt die große Ungewissheit, wie die Entscheidung über ihren Aufenthaltsstatus ausfallen wird. Amares Bruder will weiter nach England, um endlich Geld zu verdienen. Gemeinsam machen sie sich auf eine gefährliche Reise durch einen für sie unbekannten Kontinent.

Währenddessen versucht die Betreiberin des Camps, in Brüssel EU-Gelder für die Privatisierung weiterer Flüchtlingslager zu bekommen. Hélène Durand (Sylvie Testud) liegt zwar die bestmögliche Versorgung der Menschen in ihren Camps am Herzen, doch weiß sie auch, dass Flucht mittlerweile ein lukratives Geschäftsmodell geworden ist.

Nicht zuletzt wären da noch Maryam (Diamand Abou Abboud) und Hamid (Maxim Khalil). Das Ehepaar ist gemeinsam mit seiner kleinen Tochter direkt über die französische Botschaft aus Damaskus nach Paris geflüchtet. In ihrer Heimat waren sie gut situiert, jetzt verfolgt sie die Angst vor dem alten Regime auch in ihrem neuen Zuhause.

Berührend, aber nicht moralisierend

Gedreht wurden die Geschichten von Amare, Hélène, Hamid und den Hennings in Athen sowie in Mannheim, Paris und Calais. Dabei hat das Team es geschafft, zu berühren, aber nicht zu moralisieren. Die einzelnen Storylines werden mit Spannung aufgebaut und klug miteinander verwoben. Und so ist „Eden“ eben nicht nur eine Geschichte von Migration in sechs Teilen, sondern auch die Geschichte von einem neuen Zusammenleben in Europa. Spannender könnte Fernsehen so kurz vor der Wahl kaum sein.

Von Nora Lysk / RND

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