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Medien & TV „Die jüngsten Opfer der Mauer“: Sie waren noch Kinder
Nachrichten Medien & TV „Die jüngsten Opfer der Mauer“: Sie waren noch Kinder
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17:45 02.08.2019
Unter der Aufsicht von Volkspolizisten errichtet eine Ostberliner Maurerkolonne an der sowjetisch-amerikanischen Sektorengenze am Potsdamer Platz die Mauer. Quelle: Foto: UPI/dpa
Berlin

Der kleine Giuseppe aus Westberlin läuft an einem Junitag 1974 mit einem Freund an das Ufer der Spree. Sie wollen Fische gucken. Der Sechsjährige fällt ins Wasser. Niemand greift ein, niemand hilft. Der Junge ertrinkt vor den Augen von DDR-Grenzsoldaten in dem geteilten Fluss. Giuseppe ist eines von mehr als 30 Kindern und Jugendlichen, die an der Berliner und innerdeutschen Grenze ums Leben kamen, wie eine RBB-Dokumentation zeigt. Demnach wurden sie entweder nicht aus akuter Lebensgefahr gerettet oder vom DDR-Grenzregime erschossen. Der Film „Die jüngsten Opfer der Mauer“ wird wenige Tage vor dem 58. Jahrestag des Mauerbaus im Ersten gezeigt.

Der knapp 45-minütige Streifen von Sylvia Nagel und Carsten Opitz beleuchtet dramatische Schicksale, präsentiert historische Aufnahmen aus dem geteilten Deutschland und lässt Zeitzeugen zu Wort kommen. Das beklemmende Fazit der Filmemacher: Das Grenzregime habe nur zwischen Freund und Feind unterschieden. Minderjährige seien zu Staatsfeinden erklärt geworden. Die SED-Führung habe ihren Tod entgegen der offiziellen Propaganda billigend in Kauf genommen.

Kinder ertrinken in der Berliner Spree: Proteste

Am Westufer der Spree traut sich niemand einzugreifen, um Giuseppe zu retten. DDR-Grenzsoldaten an der gesperrten Oberbaumbrücke werten Rufe vom anderen Ufer als Provokation, heißt es in dem Film. Der tote Junge wird von Tauchern geborgen, seine Leiche im Osten abtransportiert.

Zynisch schreibt die Stasi in ihrem Abschlussbericht: „[...] kann festgestellt werden, dass es sich bei dem vorliegenden nicht natürlichen Todesfall um einen durch das Kind selbst verschuldeten Unfall durch Ertrinken handelt.“ Die Mutter darf ihren Sohn erst zwei Tage später sehen und identifizieren. Vier weitere Kinder ertrinken im geteilten Berlin in der Spree. Sie sind zwischen fünf und acht Jahre alt. Zuletzt kommt im Mai 1975 ein kleiner türkischer Junge im Wasser um. Erst nach einer Stunde wird der kleine Ceti geborgen. In einem eingeblendeten Fernsehbericht des damaligen Senders SFB sagt der Kommentator, die Ostseite habe Westberliner Feuerwehrleute an der Rettung gehindert. Der Tod des Fünfjährigen löst Proteste aus.

Erst nach 1975 verständigen sich Ost und West über Rettungseinsätze

Erst danach verständigten sich Ost und West über Hilfen in solchen Fällen, wie die Filmleute recherchierten. Zwei Jahre sei verhandelt worden: Danach darf helfen, wer zuerst am Unfallort ist – auch die Westberliner Polizei und Feuerwehr. Danach sei in der Spree kein Kind mehr zu Tode gekommen, heißt es.

Bis 1979 sei das Grenzsystem nahezu perfekt ausgebaut worden, heißt es im Film. Täglich hätten 30 000 Grenzsoldaten mit scharfen Waffen patrouilliert. Jeden Tag seien sie darauf eingeschworen worden, Republikfluchten zu verhindern – um jeden Preis. In der Dokumentation ist auch zu erfahren, dass im Harz im Dezember 1979 auf einen 15-Jährigen 51 Schüsse abgefeuert werden. Einer trifft ihn tödlich in den Rücken. Die Stasi vermerkt in einem Bericht: Der versuchte Grenzdurchbruch wäre „ohne gezielte Feuerführung zu verhindern gewesen“. In Berlin starben nach dem Mauerbau vom 13. August 1961 nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mindestens 140 Menschen durch das DDR-Grenzregime. An einer Studie, wonach an der etwa 1400 Kilometer langen deutsch-deutschen Grenze mindestens 327 Menschen ums Leben kamen, waren zuletzt Zweifel aufgekommen. Teile des abgeschlossenen Forschungsprojekts sollten überprüft werden.

Von RND/dpa

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