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Medien & TV Die Notaufnahme schließt ihre Türen
Nachrichten Medien & TV Die Notaufnahme schließt ihre Türen
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11:41 28.07.2009
Von Christiane Eickmann
Ein letztes Mal "Dr. Ross": George Clooney.
Ein letztes Mal "Dr. Ross": George Clooney. Quelle: Foto: ots
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Hätte es „Dr. Doug Ross“, den smarten Kinderarzt mit den braunen Rehaugen aus der Fernsehserie „Emergency Room“ nicht gegeben, George Clooney wäre heute kein Weltstar. 15 Jahre nach dem Start der Serie scheint Clooney das ein wenig peinlich zu sein. Lange hat er sich geziert, zum Finale nochmal in den Kittel des „Dr. Ross“ zu schlüpfen. Dann entschied er sich für einen Auftritt in der viertletzten Folge („Alte Zeiten“, morgen um 22.15 Uhr auf PRO7), untersagte aber jedes Foto von sich am Set. Die leichten Allüren irritieren, war doch „Emergency Room“ – gerade in den ersten Jahren – keine Fernsehserie, für die man sich schämen müsste.

Die Idee zur Erfolgsserie, die in der Notaufnahme des County General Hospital in Chicago spielt, ersann US-Bestsellerautor Michael Crichton bereits 1974, nachdem er als Medizinstudent Erfahrungen in einer Notaufnahme gesammelt hatte. Für sein Drehbuch erntete er reihenweise Absagen: Zu viel medizinisches Fachvokabular, zu viele Handlungsstränge. Erst 20 Jahre später brachte er „Emergency Room“ dann – unterstützt von Regisseur Steven Spielberg – als Serie des Senders NBC auf den Weg.


Mit ihrer temporeichen Erzählweise mehrerer Handlungsstränge und dem Einsatz von wackelnden Handkameras revolutionierte „Emergency Room“ die Fernseh-Sehgewohnheiten, mit der realistischen, häufig blutigen Darstellung des medizinischen Alltags das Genre der Krankenhausserie. Selbst Kultregisseur Quentin Tarantino war hingerissen von dieser neuen Art des Fernsehens und inszenierte 1995 eine Folge.

Die stets in medizinischem Fachvokabular sprechenden Ärzte, Schwestern und Studenten in der Serie waren niemals Halbgötter in Weiß, sondern Mediziner, die auch Fehlentscheidungen treffen oder mal ein Spenderherz auf den OP-Boden fallen lassen. „Emergency Room“ machte mit seinen gebrochenen Helden und der innovativen Erzählweise andere US-Erfolgsserien wie „CSI“, „Dr. House“ oder „24“ erst möglich, 22 Mal hat sie bislang den Fernsehpreis „Emmy“ gewonnen.

Der spezielle Charme der Notaufnahme gefiel nicht nur den Zuschauern, sondern zog auch immer wieder prominente Gastdarsteller wie Forest Whitaker, Ewan McGregor, Sally Field Steve Buscemi oder Susan Sarandon an.

Doch nicht alles an „Emergency Room“ war Revolution. Wie es sich für eine Krankenhausserie gehört, hatten stets alle Mitarbeiter der Notaufnahme Beziehungen – meist miteinander. Den größte Herzensbrecher spielte der bis dahin unbedeutende TV-Darsteller Clooney. Bereits im Pilotfilm will sich eine Frau seinetwegen das Leben nehmen, eine andere stirbt gar während einer nächtlichen Affäre – und Dr. Ross weiß nicht einmal ihren Namen. Nach einer Reihe Fehlentscheidungen schließlich verließ Dr. Ross 1999 die Serie.

Den Quoten tat das damals überraschenderweise keinen Abbruch. Bis zu 30 Millionen US-Zuschauer schalteten „Emergency Room“ weiterhin ein. Erst in den letzten Jahren sanken die Quoten dann stetig, was schließlich auch das Aus für die Serie bedeutete.

„Emergency Room“ hatte sich zuletzt zu sehr auf die immer oberflächlicher wirkenden Beziehungsprobleme des Personals und zu wenig auf ungewöhnliche Krankheiten oder Notfälle konzentriert. Experimente aus der Anfangszeit wie eine in Echtzeit erzählte Folge, die live ausgestrahlt wurde, blieben aus. In „Dr. House“, „Grey’s Anatomy“ und „Privat Practice“ gab es zudem neue Konkurrenz.

Zum Finale jedoch haben die Macher von „Emergency Room“ noch einmal spannende, unterhaltsame Drehbücher geschrieben. Dr. John Carter (Noah Wyle) ist aus seinem Einsatz in Darfur zurück, todkrank und auf eine Spenderniere angewiesen – womit er selbstverständlich erst rausrückt, als die derzeitige Leiterin der Station Dr. Catherine Banfiel (Angela Bassett) ihn im blutigen Hemd erwischt. Aufgrund der Spenderniere kommt nun in der Folge „Alte Zeiten“ auch wieder Dr. Ross (Clooney) ins Spiel: Ross und seine Freundin, die Krankenschwester Carol Hathaway (Julianna Margulies) haben sich inzwischen in Seattle niedergelassen und arbeiten dort Seite an Seite in einem Krankenhaus.

Dort wird ein junger Mann eingeliefert, der als Organspender für ihren alten Kollegen Carter infrage kommt. So ist Clooney zwar in die Serie, aber doch nicht ins County General Hospital in Chicago zurückgekehrt – eine gewisse Distanz zu der Produktion, die in bekannt machte, ist offenbar da.
Anderen Schauspielern ist der Spaß am Abschiednehmen deutlicher anzumerken, zum Beispiel Eriq La Salle der als Peter Benton in „Alte Zeiten“ an Carters Krankenbett eilt. Die ganze Episode stimmt in den nostalgischen Ton der gesamten letzte Staffel ein, in der „Emergency Room“ zahlreiche alte Hauptdarsteller für einen Auftritt in der Ärztekluft vor die Kamera holt.

Endgültig Schluss ist für PRO7-Zuschauer dann am 19. August. Fans der Notaufnahme bleibt künftig nur noch, „Dr. House“ einzuschalten (um medizinische Fremdwörter zu hören) oder „Grey’s Anatomy“ (um Ärzte beim Liebesspiel zu beobachten) – oder „Emergency Room“ auf DVD zu sehen.