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Medien & TV Deutscher Fernsehpreis: Mehrteiler „Gladbeck“ stiehlt Favoriten die Show
Nachrichten Medien & TV Deutscher Fernsehpreis: Mehrteiler „Gladbeck“ stiehlt Favoriten die Show
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09:09 01.02.2019
Christian Erdmann und Anna Schudt freuen sich nach der Verleihung des Deutschen Fernsehpreis 2019 über die Auszeichnung in der Kategorie "Bester Fernsehfilm für ihre Rollen im Film "Aufbruch in die Freiheit". Quelle: Henning Kaiser/dpa
Düsseldorf

Jürgen von der Lippe (70) steht da, aber er sieht eigentlich nicht aus wie Jürgen von der Lippe. Eher wie Hans-Jürgen Dohrenkamp, wie er ja bürgerlich heißt, was man aber längst vergessen hat. Der Grund: Es fehlt etwas an von der Lippe – das obligatorische Hawaiihemd. Er trägt heute Schwarz. „Ich habe mich in diesen zu kleinen Anzug gezwängt, um niemanden zu verprellen“, gesteht er. Eigentlich aber sei das Hawaiihemd für ihn Berufskleidung. „Alles andere würde die Leute verunsichern. Ähnlich wie, wenn ein Feuerwehrmann als Tanzmariechen verkleidet zum Einsatz fährt. Das würde auch unnötig verunsichern und den Menschen auch Angst machen.“

Am diesem Donnerstagabend hat von der Lippe allerdings gute Gründe, von seinem eisernen Dresscode abzuweichen. Der Anlass ist festlich: Er bekommt den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk – etwa den Quotenhit „Geld oder Liebe“. Die Gala in Düsseldorf ist so etwas wie ein großes Absolvententreffen der TV-Branche, man wirft sich in Schale. Prämiert werden die besten TV-Macher, Schauspieler, Journalisten, Filme und Serien 2018.

Die Überraschung des Deutschen Fernsehpreises: „Gladbeck

Etwas überraschend wird der Mehrteiler „Gladbeck“ (ARD/Radio Bremen) über das Geiseldrama von 1988 zum großen Gewinner des Abends. Mit insgesamt drei Auszeichnungen läuft er den hoch gehandelten Serien „Bad Banks“ (ZDF/Arte) und „Das Boot“ (Sky) den Rang ab. „Bad Banks“ mit Paula Beer und Désirée Nosbusch war mit sechs Nominierungen ins Rennen gegangen, „Das Boot“ (Sky) gar mit neun.

Gladbeck“ gewinnt in den Kategorien „Bester Mehrteiler“ und „Bester Schnitt“. Zusätzlich wird Darsteller Albrecht Schuch, der in „Gladbeck“ zu sehen ist, als bester Schauspieler ausgezeichnet. „Bad Banks“ kann bei „Beste Regie“ (Christian Schwochow) und in der wichtigen Kategorie „Beste Drama-Serie“ die Jury überzeugen. Dort setzt sie sich auch gegen „Das Boot“ durch. Die Serie basiert auf demselben Stoff wie der gleichnamige Kino-Welterfolg von Regisseur Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1981. Am Ende bleiben für sie die „Beste Kamera“ und mit Vicky Krieps die beste Schauspielerin.

„Aufbruch in die Freiheit“ wird als bester Film ausgezeichnet

Deutschland zieht natürlich den internationalen Serien, die uns ja überhäufen und überschütten, ein bisschen nach“, sagt Schauspieler Uwe Ochsenknecht am roten Teppich. „Wobei man sagen muss: Die Serien, die man so auf den Internetportalen anschauen kann, sind auch nicht alle gut. Da ist auch viel Müll dabei.“ Man müsse Anschluss halten.

Bei den Filmen setzt sich „Aufbruch in die Freiheit“ durch. Der ZDF-Streifen behandelt das Thema Abtreibung und spielt Anfang der 70er Jahre in einer Provinzstadt. Die Macher widmeten den Preis Frauen, die sich für die Abschaffung des Paragrafen 219a, der das Werbeverbot für Abtreibungen beschreibt, einsetzen.

Als beste Primetime-Show kann sich die etablierte Tanz-Show „Let’s Dance“ (RTL) durchsetzen. Bei den Moderatoren zeigt Luke Mockridge unter anderem Kai Pflaume die lange Nase. Als „Beste Unterhaltung Late Night“ wird „Inas Nacht“ (ARD/NDR) mit Ina Müller ausgezeichnet.

Beste Comedy beim Deutschen Fernsehpreis: „Kroymann

Als „Beste Comedy“ nimmt „Kroymann“ (ARD/Radio/Bremen/SWR/NDR/rbb) mit Maren Kroymann einen Preis mit nach Hause. In der Schwester-Kategorie „Beste Comedy-Serie“ triumphiert dagegen „jerks.“ (ProSieben/maxdome). Die Trödel-Show „Bares für Rares“ (ZDF) mit Horst Lichter wird „Bestes Factual Entertainment“, „ranNFL“ von ProSieben und ProSieben MAXX „Beste Sportsendung“.

Bei den Dokumentationen erhält „Kulenkampffs Schuhe“ (ARD/SWR/HR) die Ehrung. In der Doku wirft die TV-Autorin Regina Schilling als Kind eines Kriegsheimkehrers einen ganz subjektiven Blick auf Deutschlands große Entertainer wie Hans-Joachim Kulenkampff und Peter Frankenfeld. Als beste Auslandsreporterin würdigt die Jury Antonia Rados für ihren Bericht „Jemens langsamer Tod“ (n-tv).

Der Deutsche Fernsehpreis wird seit 1999 von den großen TV-Anbietern vergeben – Stifter sind die Intendanten und Geschäftsführer von ARD, ZDF, RTL und Sat.1. Die Geschichte der Auszeichnung ist allerdings durchaus wechselhaft. 2015 fiel die Verleihung aus – der Preis war zuvor stark in die Kritik geraten. Die Ausgabe 2019 - moderiert von Barbara Schöneberger und Steffen Hallaschka – wurde nun sogar wieder übertragen. Wer wollte, konnte im Internet zuschauen und später bei einer Aufzeichnung im Fernsehen. Im vergangenen Jahr etwa hatte es gar keine ausgestrahlten Bilder gegeben.

Das sind die Gewinner des Deutschen Fernsehpreis’ im Überblick

Bester Fernsehfilm: „Aufbruch in die Freiheit“ (ZDF)

Bester Mehrteiler: „Gladbeck“ (ARD/Radio Bremen)

Beste Drama-Serie: „Bad Banks“ (ZDF/Arte)

Beste Comedy-Serie: „jerks.“ (ProSieben/maxdome)

Beste Schauspielerin: Vicky Krieps für „Das Boot“ (Sky)

Bester Schauspieler: Albrecht Schuch für „Der Polizist und das Mädchen“ (ZDF), „Gladbeck“ (ARD/Radio Bremen) und „Kruso“ (ARD/MDR)

Beste Regie: Christian Schwochow für „Bad Banks“ (ZDF/Arte)

Bestes Buch: Mizzi Meyer für „Der Tatortreiniger“ (NDR)

Beste Kamera: David Luther für „Das Boot“ (Sky)

Bester Schnitt: Ueli Christen für „Gladbeck“ (ARD/Radio Bremen)

Beste Musik: Annette Focks für „Die Freibadclique“ (ARD/SWR/MDR/NDR/SR)

Beste Ausstattung: Martina Müller (Kostümbild) und Jana Karen (Szenenbild) für „Der große Rudolph“ (ARD/BR/WDR/ORF)

Beste Unterhaltung Primetime: „Let’s Dance“ (RTL)

Beste Unterhaltung LateNight: „Inas Nacht“ (ARD/NDR)

Beste Moderation Unterhaltung: Luke Mockridge u.a. für „Luke! Die Schule und ich“ (Sat.1)

Beste Comedy: „Kroymann“ (ARD/Radio Bremen/SWR/NDR/rbb)

Bestes Factual Entertainment: „Bares für Rares“ (ZDF)

Beste Ausstattung Show: Guido Heinz Frinken und Oli Egon Ide für „Das große Backen“ (Sat.1)

Beste Information - Auslandsreporter: Antonia Rados für ihren Bericht „Jemens langsamer Tod“ (n-tv)

Beste Dokumentation/Reportage: „Kulenkampffs Schuhe“ (ARD/SWR/HR)

Bester Doku-Mehrteiler: „Terra X: Die Reise der Menschheit“ (ZDF/Arte)

Bestes Infotainment: Jenke von Wilmsdorff für „Jenke macht Mut! Leben mit Brustkrebs (RTL), „Das Jenke-Experiment“ (RTL) und „Jenke Über Leben“ (RTL)

Beste Sportsendung: ranNFL (ProSieben/ProSieben MAXX)

Ehrenpreis: Jürgen von der Lippe

Förderpreise: Michelangelo Fortuzzi und Lena Urzendowsky (Schauspieler)

Von dpa/RND

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