Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Medien & TV Der Polizeithriller „Rottmann schlägt zurück“ läuft im ZDF
Nachrichten Medien & TV Der Polizeithriller „Rottmann schlägt zurück“ läuft im ZDF
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:29 02.01.2011
Von Stefan Stosch
Rottmann (Heino Ferch, links) sucht nach Beweisen, die den Verräter innerhalb der Sondereinheit für organisiertes Verbrechen entlarven und seine eigene Unschuld belegen. Sein Freund und ehemalige Kollege Deniz Öktay (Elyas M’Barek) soll ihm dabei helfen. Quelle: ZDF
Anzeige

Wer außer Heino Ferch könnte diesen Job ordentlich erledigen? Es gibt nicht viele deutsche Schauspieler, die so überzeugend als einsamer Wolf durch eine Umgebung spazieren, die sich gegen sie verschworen hat. Mit unbewegter Miene, schweigend, blass und erschöpft, aber körperlich voll präsent ist Polizist Klaus Rottmann unterwegs. Jederzeit könnten Wut und Schmerz in dem Mann explodieren, denn ihm ist übel mitgespielt worden. Und doch unterdrückt Rottmann seine Gefühle. Er hat nur eine Chance, wenn er sich besser unter Kontrolle hat als seine Gegner.

Die Voraussetzungen stimmen also im Rachethriller „Rottmann schlägt zurück“. Schön, dass sich das ZDF mal an ein richtiges Genrestück traut. Dumm nur, dass das Drehbuch von Mark Schlichter, der auch Regie führt, zu wünschen übrig lässt. Eine geradlinige Geschichte ist ja gut und schön, garantiert aber noch keine Spannung. Rottmann ist Chef einer Polizeisondereinheit im Kampf gegen die organisierte Kriminalität, der sich plötzlich selbst im Visier der Fahnder sieht. Ruck, zuck sitzt er hinter Gittern, weil er sich angeblich mit einem türkischen Drogenboss eingelassen und einen Kollegen regelrecht hingerichtet hat. Tatsächlich hat jemand aus der eigenen Truppe Rottmann reingelegt. Das ist so klar wie Kloßbrühe, verurteilt wird Rottmann trotzdem.

Anzeige

Nach vier Jahren kommt er wieder raus aus dem Knast. Mit der Sporttasche steht er vor dem Gefängnistor, so wie das schon allzu viele Filmhelden vor ihm getan haben. Von nun an hat er ein Ziel vor Augen: Er will den Verräter drankriegen, der sein Leben zerstört hat. So weit mag der geneigte Zuschauer die Ausgangslage akzeptieren. Irgendwie muss die Geschichte ja losgehen. Auch Hollywood gibt sich nicht immer sonderlich viel Mühe, den Rächer in eigener Sache auf die nötige Betriebstemperatur zu bringen.

Aber hier wird Hollywood nur gespielt. Der Regisseur bedient sich freizügig aus dem Satzbaukasten fürs Rächergenre, ohne dem Ganzen eine eigene Note zu geben. Und auf eine ordentliche Action Dröhnung wie in Hollywood kann bei dieser Fernsehproduktion auch nicht zurückgegriffen werden. Alles läuft, wie es von Beginn anzu erwarten ist: Rottmanns Ehefrau Corinna (Elke Winkens) hat zwischenzeitlich das Vertrauen in ihren Mann verloren und einen anderen Mann. Der Sohn will nichts mit seinem Vater zu tun haben. Und Rottmann muss sich nun tatsächlich mit dem Obergangster einlassen, will er seine Mission erfüllen.

Bald fragt man sich, wie Rottmann seinen Gegenspieler je auf den Leim hat gehen können. Spielend leicht wird er mit den Bösen fertig, die einen Fehler nach dem anderen begehen. Die Exkollegen können ihn nicht einmal ordentlich beschatten. Dabei wissen sie doch, dass sie es mit einem Profi aus den eigenen Reihen zu tun haben, der sie seinerseits ins Visier genommen hat. Das hat Rottmann dem an seinen Platz gerückten neuen Chef Wolfgang Zachner (Heikko Deutschmann) mitten ins Gesicht gesagt.

Es hat einmal einen überzeugenden deutschen Film über eine korrupte SEK-Einheit gegeben. Aber das ist schon ziemlich lange her. Der Film von 1994 hieß „Die Sieger“, Regie führte Dominik Graf. Man bekam ein ziemlich gutes Bild vom Innenleben einer verschworenen Polizeitruppe. Hier wird nur die übliche Geschichte pflichtgemäß abgespult. Wenn man dennoch über eineinhalb Stunden halbwegs bei der Sache bleibt, dann ist das dem Hauptdarsteller zu verdanken. Rächer Rottmann ist niemand, den man gern in seinem Nacken wüsste.

Rottmann schlägt zurück“ | ZDF
Thriller mit Heino Ferch
Montag, 20.15 Uhr

Medien & TV Menschen, „USFO“, Sensationen - Tops und Flops des Medienjahres 2010
Imre Grimm 31.12.2010
30.12.2010
Dany Schrader 29.12.2010