Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Medien & TV Das neue iPad im Test
Nachrichten Medien & TV Das neue iPad im Test
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:35 16.03.2012
Von Frerk Schenker
Foto: Das neue iPad unterscheidet sich optisch kaum von seinem Vorgänger.
Das neue iPad unterscheidet sich optisch kaum von seinem Vorgänger. Quelle: Steiner
Anzeige
Hannover

Es ist ein bisschen wie Weihnachten: Klarsichtfolie raschelt, ein Karton wird geöffnet – und plötzlich scharen sich alle um den Inhalt. Auch bei der dritten Generation des iPads, die seit Freitag auf den deutschen Markt ist, sind Vorfreude und Faszination bei den Apple-Fans ungebrochen. Lange  hat der US-Konzern an der neuen Version seines Tablets gefeilt – herausgekommen ist ein Gerät, das zwar nicht das Prädikat „revolutionär“ verdient, aber dennoch neue Standards auf dem Tablet-Markt setzt. Ein Testbericht mit den wichtigsten Neuerungen – und den Funktionen, auf die iPad-Nutzer weiter warten müssen:

Design: Auf den ersten Blick ist das neue iPad ein wenig ernüchternd. Optisch unterscheidet es sich kaum vom iPad 2, nur ein schmaler schwarzer Streifen im oberen Bereich der Rückseite ist auffällig. Wer beide Gerätegenerationen in die Hand nimmt, muss aufpassen, dass er nicht durcheinanderkommt.  Erst auf den zweiten Blick fallen die Unterschiede auf: Das neue iPad ist 9,4 Millimeter dick – 0,6 Millimeter mehr als beim iPad 2. Beim Test ist das nicht ins Gewicht gefallen – dafür aber das tatsächliche Gewicht, denn Apple stemmt sich offenbar gegen den Trend zu leichteren Tablets. Das iPad 2 wiegt zwischen 601 und 613 Gramm, das neue iPad hingegen 652 bis 662 Gramm – je nach Ausstattung. Man hält zwar keinen Koloss in der Hand – Fortschritt fühlt sich aber anders an.

Display: Hier liegt die Stärke des neuen iPads – und hier gibt es während des Tests den ersten „Wow“-Effekt. Bereits beim Starten des Geräts fällt die gestochen scharfe Optik ins Auge. Grund ist das vom iPhone 4 bekannte „Retina Display“ – bei einer Auflösung  von 2048 mal 1536 Pixeln (viermal höher als beim iPad 2) erkennt das menschliche Auge ab einer bestimmten Entfernung keine einzelnen Bildpunkte mehr. Besonders beim Abspielen von HD-Videos wird der Qualitätssprung zum iPad 2 deutlich: Kein Ruckeln, kein Verwischen – ein optischer Genuss. Auch Texte auf Internetseiten oder in E-Books sind gestochen scharf. Apple setzt hier klar Maßstäbe, an denen sich die Konkurrenz orientieren muss. Denn ein besseres Display ist derzeit auf keinem anderen Tablet zu finden.

Fotos und Videos: Die Kamera auf der Rückseite ist klein, aber mächtig aufgepeppt worden. Fünf Megapixel bringt sie nun mit und liefert scharfe Bilder, die auch bei der Farbtiefe überzeugen. Noch beeindruckender ist die Videofunktion, die Aufnahmen in Full-HD ermöglicht. In Kombination mit dem neuen Display liefert das iPad jetzt Bewegtbilder in einer Qualität, wie man sie vom HD-Fernsehen kennt. Braucht man – zumindest zu Hause – überhaupt noch eine Digitalkamera? Einziger Minuspunkt: An der Frontkamera hat Apple alles beim Alten belassen. 

Geschwindigkeit: Bessere Grafik gleich mehr Rechenleistung – diese Formel hat weiter Bestand, weshalb Apple den Kombichip A5X in das neue iPad eingebaut hat. Als Hauptprozessor (CPU) ist er mit dem A5-Chip des iPad 2 vergleichbar, im Grafikbereich (GPU) bietet er aber deutlich mehr Power. Die höhere Grafikleistung hat jedoch einen Nachteil: Sie geht auf die Akkulaufzeit. Obwohl in dem neuen iPad ein größerer Akku verbaut wurde, ist die Laufzeit gesunken. Apple spricht von zehn Stunden, mehrere Tests legen aber nahe, dass es weniger sein dürften. Auch die Ladezeit ist im Vergleich zum iPad 2 länger geworden.

Funkgeschwindigkeit: Hier haben Kunden in Deutschland und Europa das Nachsehen, denn der im neuen iPad eingebaute Datenturbo LTE funktioniert hierzulande nicht. Apple verwendet – aus welchen Gründen auch immer – ein Funkmodul, das nur in den nordamerikanischen Frequenzbändern arbeitet. Immerhin unterstützt das neue iPad auch bei uns HSPA+ mit Geschwindigkeiten bis zu 21 Megabit pro Sekunde und in bestimmten Tarifen sogar DC-HSPA mit bis zu 42 Megabit pro Sekunde. Das iPad 2 erreicht im Mobilfunknetz maximal 7,2 Megabit pro Sekunde.

Spracheingabe: Enttäuschend ist, dass Apple dem neuen iPad nicht den persönlichen Sprachassistenten Siri spendiert hat, der erstmals mit dem iPhone 4S vorgestellt wurde. Als Ersatz gibt es nur eine abgespeckte Diktierfunktion. Da hätte es durchaus mehr sein dürfen – aber Marketinggründe haben offenbar Vorrang. Im Test waren die Ergebnisse der Diktierfunktion meist zufriedenstellend, die Eingabe von Begriffen in einer Suchmaschine und auch das Diktat längerer Texte klappten überwiegend fehlerfrei – bei komplizierten Worten ist mancher Lacher allerdings vorprogrammiert.

Eines bleibt auch nach dem Test schleierhaft: Warum hat Apple dem Gerät keinen richtigen Namen verpasst? Alle Welt spricht vom iPad 3 – das scheint schließlich auch sinnvoll, weil es die dritte Gerätegeneration ist. Apple aber bezeichnet das Gerät etwas nebulös als „The new iPad“. War’s das also mit der Weiterentwicklung des Apple-Tablets? Oder heißt die vierte Generation dann „The very new iPad“? In Cupertino werden sie auch auf diese Frage bestimmt eine Antwort finden.